Sozialwerke

Zahl der Rentner mit Ergänzungsleistung um 50 Prozent gestiegen

(Symbolbild)

Die SVA Aargau unterwegs

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Immer mehr AHV- und IV-Rentner sind im Aargau auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Die Anzahl stieg um 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Die Lebenserwartung steige und die «Baby-Boomer» kämen ins Rentenalter; all das lasse die Renten-Einkommen schmelzen, sagte Felix Wegmüller, Leiter der Ausgleichskasse des Kantons Solothurn gegenüber Radio SRF.

Im Kanton Aargau nahmen die Ergänzungsleistungsfälle in den letzten 10 Jahren um 50 Prozent zu, heisst es beim Aargauer Sozialdienst auf Anfrage der az.

Konkret werden per Ende Jahr 14'900 Leute Ergänzungsleistungen beziehen. Insgesamt sind die Ergänzungsleistung-Ausgaben seit 2004 von 120 Millionen Franken bis 2013 auf 218 Millionen Franken um circa 81 Prozent gestiegen.

Im Kanton Aargau muss jedes Jahr ein Zehntel des eigenen Vermögens aufgebraucht werden, bevor Ergänzungsleistungen ausbezahlt werden. Die meisten anderen Kantone haben den anrechenbaren Verzehr auf einen Fünftel festgesetzt. Allerdings will die Aargauer Regierung im Rahmen der Leistungsanalyse des Kantons Aargau soll der Vermögensverzehr wieder auf einen Fünftel erhöht werden.

Die Demographische Entwicklung hat einen massgeblichen Einfluss. «Insbesondere nach einem Heimeintritt sind viele betagte Personen auf Ergänzungsleistungen angewiesen», wie Elefteria Xekalakis Matthys, Leiterin Kommunikation der Sozialversicherung Aargau (SVA), auf Anfrage der az mitteilt.

Das meint auch Felix Wegmüller: Wenn ältere Menschen in ein Alters- oder Pflegeheim müssten, koste sie das bald einmal 60'000 bis 70'000 Franken im Jahr. Es wäre deutlich günstiger, die Senioren zu Hause zu betreuen. Mit Spitex, mit Familie und Bekannten. «In der heutigen Zeit ist die Betreuung zu Hause nicht mehr so üblich», stellt Wegmüller fest gegenüber Radio SRF.

Aus Scham auf Ergänzungsleistung verzichtet

Einen weiteren möglichen Grund für die starke Zunahme der Ergänzungsleistungs-Bezüger: Aufklärung. Viele wussten gar nicht, dass sie einen Anspruch auf eine solche Entschädigung haben. Anderen war es schlichtweg zu aufwändig, ihre detaillierten Informationen anzugeben, weshalb sie darauf verzichteten, wie es nach Informationen der az heisst.

Patricia Klein der Fachstelle Pro Senectute Solothurn ist ähnlicher Meinung, wie sie gegenüber dem Radio SRF sagt. Früher hätten viele gedacht, Ergänzungsleistungen seien Almosen, eine Art Sozialhilfe. Viele Rentner hätten deshalb aus Scham darauf verzichtet.

Die heutige Generation der Rentner weiss besser Bescheid, und meldet sich deshalb wohl eher an für Ergänzungsleistungen, glaubt Patricia Klein. Sie ist auch davon überzeugt, dass künftig noch mehr Rentner Ergänzungsleistungen beziehen werden.

«Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der Ergänzungsleistungs-Bezüger weiter jährlich um 2 bis 4 Prozent steigen wird in den nächsten 10 Jahren», sagt Ausgleichskassen-Leiter Felix Wegmüller. Dagegen tun könne man nichts, den demografischen Wandel könne man schliesslich nicht beeinflussen. Die Ausgleichskasse müsse deshalb wohl mehr Personal anstellen.

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