Am 11. März 2012 hat das Aargauer Stimmvolk die Reform «Stärkung der Volksschule» mit einem Ja-Anteil von 78 Prozent deutlich angenommen. Die Dauer der Oberstufe wurde damit von vier auf drei Jahre verkürzt und für Schulstandorte wurden neue Mindestgrössen vorgegeben.

Diese und die Mindestschülerzahlen für einzelne Klassen haben zur Folge, dass viele Gemeinden ihre eigene Oberstufe aufgeben und sich regionalen Oberstufenzentren anschliessen müssen.

Das ist ganz im Sinne des Kantons. Gab es im Jahr 2000 noch 107 Standortgemeinden, werden im Jahr 2020 voraussichtlich noch 65 Gemeinden einen Oberstufenstandort führen. Die Regionalisierung der Oberstufe erweist sich in der Praxis als schwieriges Unterfangen, da kaum eine Gemeinde freiwillig auf ihre Schule verzichtet.

In einer Interpellation griff Grossrätin Kathrin Hasler (SVP) die Thematik auf und verlangte vom Regierungsrat Auskunft zur Haltung der Regierung.

Keine Sonderbewilligungen

Die Gemeinden sind zur Zusammenarbeit verpflichtet, hält der Regierungsrat fest. Sie regeln aber die Form der Zusammenarbeit selbstständig. Erst wenn sich die Gemeinden untereinander nicht einig werden, entscheidet der Kanton.

So geschehen, als sich Gemeinden im Seetal nicht einigen konnten, ob nun die Bezirksschule in Seon, Seengen oder Fahrwangen geschlossen werden muss. Die Regierung entschied gegen Fahrwangen.

Der Regierungsrat sei sich bewusst, dass die Standortkonzentration in der Regel kleinere Landgemeinden besonders treffe, heisst es in der Antwort auf den Vorstoss von Kathrin Hasler. So könne der Verlust des Standortes zu einem zwischenzeitlichen Erwerbsausfall für die betroffenen Gemeinden führen. Deshalb sei es wichtig, für die leerstehenden Schulräumlichkeiten gute Lösungen zu finden.

Auch der Verkauf des Schulhauses könne eine Option sein. Neue Kosten entstehen den «Nicht-mehr-Standortgemeinden». Sie müssen nun ein Schulgeld entrichten und allenfalls die Transportkosten übernehmen. Immerhin können die Kosten pro Schülerin und Schüler optimiert werden, was sich auf das Schulgeld positiv auswirken kann.

Oberstufenzentren müssen nicht mit allen drei Leistungszügen an einem Standort geführt werden. Es ist auch möglich, eine Kreisschule mit zwei oder mehr Standorten zu führen, sofern die rechtlichen Grundlagen erfüllt werden.

Allerdings können grössere Standorte besser auf die sich veränderenden Rahmenbedingungen reagieren. Konkret verweist der Regierungsrat auf die politische Forderung nach der Verkürzung der Schuldauer bis zur Matur.

Gefährdete Standorte dürfen nicht darauf hoffen, eine Sonderbewilligung zu erhalten, erklärt die Regierung. Einzige Ausnahme: Wenn eine bestehende Schulorganisation für eine kurze Zeitdauer von maximal drei Jahren die Mindestvorgaben nicht erfüllt, jedoch nachweisen kann, dass die Schülerzahlen rasch wieder vorhanden sind, um die geforderte Mindestgrösse langfristig wieder zu erreichen.