Es gibt mitunter skurrile Geschichten, mit denen sich die Gerichte zu beschäftigen haben. Auch diese, mit der sich sogar das Bundesgericht zu beschäftigen hatte, gehört dazu: Ein Aargauer, der sich 2012 für einen Monat in Los Angeles aufhielt, klagte nach seiner Rückkehr über «seltsame Hautveränderungen» und begab sich in ärztliche Behandlung. Monate später las er in der «LA Times» über «Giftgasproblematiken» – da meldete er der Stadt Los Angeles den «Schaden». Dem Mann widerfuhr offenbar auch im Aargau Seltsames: Zweimal will er «einen Zahn unbekannter Art» im Essen gefunden haben, das er in Reinach gekauft hatte. Deshalb erstattete er Anzeige gegen Unbekannt.

Wer Opfer einer Straftat wird und in seiner körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität beeinträchtigt wird, kann – unter bestimmten Voraussetzungen – bei der kantonalen Opferhilfe eine Entschädigung sowie eine Genugtuung beanspruchen. Bei solchen Straftaten geht es um schwere Gewalt- und Sexualdelikte oder häusliche Gewalt. Im Juni 2014 reichte jener Aargauer nun ein Gesuch bei der Beratungsstelle Opferhilfe Aargau Solothurn ein – und beantragte nicht weniger als 200'000 Franken für sich. 100'000 Franken als Entschädigung und nochmal 100'000 Franken als Genugtuung.

Der Kantonale Sozialdienst trat auf das Gesuch gar nicht erst ein. Der Mann liess sich davon allerdings nicht entmutigen. Er erhob Beschwerde und verbuchte einen Teilerfolg: Das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau hiess seine Beschwerde nämlich teilweise gut und wies den Kantonalen Sozialdienst an, das Gesuch des Beschwerdeführers neu zu behandeln, und zwar wegen einer Verletzung des Gehörsanspruchs, indem der Kantonale Sozialdienst den behaupteten Inlandsachverhalt («Zähne im Essen») bei der Beurteilung von dessen Opferhilfe-Forderung ausser Acht gelassen hatte.

So machte der Kantonale Sozialdienst nicht nur Abklärungen bei der Kantonspolizei, sondern versuchte den Beschwerdeführer auch zu ergänzenden Angaben zu den «Straftaten», die er ja geltend gemacht hatte, zu bewegen – allerdings ohne Erfolg. Der Kantonale Sozialdienst schloss das Dossier wieder. Das vermeintliche Opfer wehrte sich erneut: Nach der Niederlage vor dem Aargauer Verwaltungsgericht zog der Mann bis vor das Bundesgericht, ohne sich hier von einem Anwalt vertreten zu lassen.

Doch auch das Bundesgericht ging auf die Beschwerde gar nicht erst ein. In seinem Urteil hält es fest, dass «der Beschwerdeführer mit seinen nicht immer verständlichen Ausführungen nicht aufzuzeigen vermag, inwiefern die Begründung des Verwaltungsgerichts selbst rechts- oder verfassungswidrig sein sollte». (pz)

(Urteil: 1C_225/2015)