Kleiderregeln an Schulen
XXL-Shirts als letzte Wahl: «Kleiderprobleme lassen sich in der Regel relativ einfach lösen»

Schlabber-Shirts als Strafe für zu freizügige Kleider sind umstritten – und nicht neu. In der Regel liessen sich Kleiderprobleme einfach lösen, sagt die Präsidentin des Lehrerverbands. Elisabeth Abbassi ist auch nicht grundsätzlich gegen Kleidervorschriften an Schulen.

Noemi Lea Landolt
Merken
Drucken
Teilen
Die Schlabber-Shirt-Idee ist nicht neu: Vor sechs Jahren hat die Schule Kaisten deswegen Schlagzeilen gemacht und es bis in die Schnitzelbänke geschafft.

Die Schlabber-Shirt-Idee ist nicht neu: Vor sechs Jahren hat die Schule Kaisten deswegen Schlagzeilen gemacht und es bis in die Schnitzelbänke geschafft.

Foto: Key / Montage: edi

Wie soll eine Schule reagieren, wenn Schüler unangemessen gekleidet in den Unterricht kommen? Merenschwand versucht es mit Kleiderregeln (siehe Bild).

Wer in Seengen unpassend angezogen ist, muss ein XXL-T-Shirt überziehen. Die Schlabber-Shirt-Idee ist nicht neu: Vor sechs Jahren hat die Schule Kaisten deswegen Schlagzeilen gemacht und es bis in die Schnitzelbänke geschafft.

Heute hat es in den Schränken keine XXL-Shirts mehr. «Das ist absolut nicht mehr zeitgemäss und kommt an meiner Schule sicher nicht zum Einsatz», sagt Markus Lang. Er leitet die Schule seit diesem Sommer und findet alle Sanktionen problematisch, die einzelne Schüler hervorheben und an den Pranger stellen. «Das erinnert mich an die Eselskappe von früher.» Lang kann sich sogar vorstellen, dass solche Strafen rechtlich heikel sind. An der Schule Kaisten werden Schüler auf unangemessene Kleider in Einzelgesprächen angesprochen. Zudem schreibe die Schulordnung passende Bekleidung vor.

Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, hält weder von der Kleiderordnung in Merenschwand noch von XXL-Shirts sehr viel. Die Merenschwander Kleiderordnung lasse wenig Spielraum und wirke «hinterwäldlerisch». Die XXL-Shirts findet sie unangebracht, auch wenn sie sich nicht vorstellen kann, dass diese tatsächlich zum Einsatz kommen. «An vielen Schulen ist das T-Shirt wohl ein Notnagel, wenn alle anderen Massnahmen nicht fruchteten.»

Sei eine solche Massnahme nötig, gebe es oft ein grundsätzlicheres Problem zwischen dem Schüler und dem Lehrer oder der Schule. «Kleiderprobleme lassen sich in der Regel relativ einfach lösen, wenn die Lehrer oder auch die Schulleitung das Gespräch mit den Schülern suchen», sagt Abbassi. Wichtig sei, dass Lehrer eine Situation nicht eskalieren lassen und Schüler zuerst auf falsches Verhalten hinweisen und nicht gleich an den Pranger stellten.

Anständig und zweckmässig

In der kantonalen Verordnung über die Volksschule wird die Kleidung in Artikel 24 thematisiert. Dieser lautet: «Die Eltern tragen die Verantwortung dafür, dass ihre Kinder für den Unterricht und für Anlässe wie Schulreisen und Exkursionen ausgeruht, anständig bekleidet und zweckmässig ausgerüstet sind.» Viele Schulen berufen sich auf diesen Artikel. So werden etwa in Frick Schülerinnen und Schüler von ihren Lehrern darauf hingewiesen, wenn sie nicht angemessen bekleidet in die Schule kommen.

Es beginnt im Kindergarten

Abbassi ist auch nicht grundsätzlich gegen Kleidervorschriften an Schulen: «Aber es muss eine Diskussion stattfinden und nicht einfach diktiert werden, was gilt», sagt sie. Das beginne bereits im Kindergarten. «Es kommt vor, dass Eltern ihre Töchter wie kleine Prinzessinnen kleiden, obwohl ein Ausflug in den Wald auf dem Programm steht.» Deshalb sei es wichtig, Eltern schon am ersten Info-Abend aufzuklären, welche Kleider wann angebracht sind. Je jünger die Schüler sind, desto stärker würden ihre Eltern involviert. «Es gibt aber auch immer wieder einzelne Schüler, die sich auf dem Schulweg umziehen. Da können die Eltern zuerst einmal nicht viel dagegen machen», sagt sie.