Knall bei der AKB: Pascal Koradi ist am Dienstag als Chef der Aargauischen Kantonalbank zurückgetreten, dies als Folge des Postauto-Skandal und seiner Rolle als ehemaliger Finanzchef der Post.

Den Entscheid habe er alleine gefällt und stehe dazu, sagte er am Nachmittag gegenüber TeleM1: «Mir ging es dabei in erster Linie um die Aargauische Kantonalbank. Das Wichtigste ist für die AKB das Vertrauen, die Reputation – und das hatte ich zu schützen.»

Ist dieser Entscheid richtig? Was ist Koradi letztlich wirklich zum Verhängnis geworden? Wie viel wusste er von den unsauberen Machenschaften bei Postauto? Er selbst beharrt darauf, nichts falsch gemacht zu haben und bedauert, dass er von den Verantwortlichen der Post nie angehört wurde. 

Ein gewisses Bedauern und auch Kritik gab es auch vom Bankrsatspräsidenten Dieter Egloff am Dienstagabend. Zusammen mit Thomas Burgherr, Nationalrat und Präsident der SVP Aargau, Peter Voser, CVP-Fraktionspräsident im Grossen Rat und Moderator diskutierte er im "TalkTäglich" von Tele M1.

Der Rücktrittsentscheid

Ist der Rücktritt mehr eine Erleichterung oder doch eher ein Frust? Eine gewisse Ernüchterung spiele natürlich mit, dass die AKB bereits nach zwei Jahren wieder ihren CEO verliere, sagte Egloff auf die einleitende Frage von Moderator Rolf Cavalli, AZ-Chefredaktor ad interim.

Gerne hätte man die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem CEO fortgesetzt. Dennoch sei der Entscheid aber wohl richtig und zeuge von einer hohen Verantwortungskompetenz Koradis. «Wir ziehen alle davor den Hut.»

Man habe trotz allem ein längeres Gespräch geführt, um auch seine Sicht der Dinge in Erfahrung zu bringen: «Uns interessiert auch der Mensch Koradi. Es war ein schwieriger Entscheid für ihn, denn er war mit Leib und Seel in der Funktion tätig – und das mit grossem Erfolg.»

Dieter Egloff, AKB-Bankratspräsident, zum Rücktritt von Pascal Koradi: «Sein Entscheid war richtig und davor ziehen wir allen unseren Hut.»

Dieter Egloff, AKB-Bankratspräsident, zum Rücktritt von Pascal Koradi: «Sein Entscheid war richtig und davor ziehen wir allen unseren Hut.»

Kritischer äussern sich die Talk-Gäste aus der Politik. Für Thomas Burgherr (SVP) ist mit dem Untersuchungsbericht der Fall klar: Koradi habe vollumfänglich von den Tricksereien gewusst. Das müsse er auch als sehr guter Finanzfachmann.

Dass der abgetretene AKB-CEO dennoch nach wie vor das Gegenteil behaupte, sei ein Fehler, kritisiert Burgherr. Aber selbst wenn er es eingestanden hätte, würde dies nichts ändern: «Für den Job als AKB-Chef braucht es eine weisse Weste, da mag es gar nichts vertragen.» 

SVP-Nationalrat Thomas Burgherr gab es keine andere Konsequenz als Konradis Rücktritt: «Es braucht als AKB-Chef eine weisse Weste.»

SVP-Nationalrat Thomas Burgherr gab es keine andere Konsequenz als Konradis Rücktritt: «Es braucht als AKB-Chef eine weisse Weste.»

Ebenso sieht das CVP-Fraktionspräsident Peter Voser, der bei Bekanntwerden des Postauto-Skandals zwar noch vor einer Vorverurteilung Pascal Koradis gewarnt hatte: «Das tut mir sehr Leid für ihn, aber da hat man keine andere Wahl.» Basierend auf dem Bericht kritisiert auch Voser die unglaubwürdigen Aussagen Koradis: «Er kann nicht sagen, er wisse als Finanzchef des Post-Konzerns nichts über die Buchhaltung der Postauto.»

Auch Peter Voser kritisiert Koradis unglaubwürdige Äusserungen in der Öffentlichkeit.

Peter Voser hält Koradis öffentliche Äusserungen für unglaubwürdig

Nichtsdestotrotz fanden alle Talk-Gäste für Pascal Koradis Arbeit als AKB-Chef überaus lobende Worte, er sei ein ausgezeichneter Finanzfachmann, der einen guten Job gemacht und Erfolg gehabt habe. Unter ihm erwirtschaftete die AKB für 2017 mit 145,6 Millionen Franken den zweithöchsten Gewinn in ihrer Geschichte.

Das E-Mail und der Bericht

Sowohl Burgherr als auch Voser stützen ihre Kritik bezüglich Glaubwürdigkeit des Ex-AKB-CEOs auch auf E-Mail, die mit dem Untersuchungsbericht publik wurden. Davon erscheint besonders eine Nachricht von Koradi an einen unbekannten Mitarbeiter von Postauto betreffend «Creative Accounting» besonders brisant:

Dieser Ausschnitt aus dem Untersuchungsbericht zeigt den Inhalt des E-Mails.

Dieser Ausschnitt aus dem Untersuchungsbericht zeigt den Inhalt des E-Mails.

Auch der Bankrat besprach die Passage mit Konradi. Egloff räumt ein: «Ich würde davor warnen, dass man jetzt einfach sagt, ‹so ist es gewesen›.» Der Bankratspräsident stellt sowohl Bericht also auch die Untersuchungspraxis dezent in Frage.

So seien in diesem Rahmen über drei Millionen Dokumente mittels Software nach Stichworten gescannt worden. Dabei seien ein paar Tausend Seiten letztlich gesichtet worden und davon seien wiederum Textpassagen im Bericht gelandet.

Egloff bemängelt konkret, «dass von einem 330-seitigen Bericht nicht mal zwei Drittel veröffentlicht und die Dokumente lose zusammengestellt werden». Auf dieser Grundlage würde ein Urteil über Pascal Koradi gefällt, ohne dass er im Rahmen der Untersuchung die Möglichkeit gehabt hätte, dazu Stellung zu nehmen. «Ich bin überzeugt, hätte er rechtzeitig die Chance dazu gehabt, dann wäre das eine oder andere in einem anderen Licht dagestanden.»

Bankratspräsident Dieter Egloff: «Ich bin überzeugt, hätte er rechtzeitig die Chance dazu gehabt, dann wäre das eine oder andere in einem anderen Licht dagestanden.»

Bankratspräsident Dieter Egloff: «Ich bin überzeugt, hätte er rechtzeitig die Chance dazu gehabt, dann wäre das eine oder andere in einem anderen Licht dagestanden.»

Der Bankratspräsident fügt klärend an, er masse sich aber nicht an, die Deutungshoheit über diese Zitierungen zu haben. «Ich bin mir natürlich bewusst, dass das für Herr Koradi kompromittierende Textstellen sind.» Im Bankrat würden solche Passagen selbstverständlich sehr kritisch hinterfragt.

Moderator Rolf Cavalli hakt an dieser Stelle nochmals nach: «Ich höre Kritik am Verwaltungsrat der Post?» Egloff antwortet diplomatisch, es stehe ihm nicht zu, das Vorgehen der Post zu kritisieren – und fügt dennoch an: «Ich bin von Beruf Rechtsanwalt. Da muss ich mir selbstverständlich zu diesem Vorgehen gewisse Fragen stellen.» Das sei auch legitim, aber letztlich nicht der Grund, weswegen man nun hier zusammensitze und diskutiere (siehe Video ganz oben). 

Sehen Sie hier die ganze Sendung: 

Rücktritt von Pascal Koradi

TalkTäglich zum Rücktritt von AKB-Chef Pascal Koradi