Aargau

Wurde auf dieser Kantonsstrasse gepfuscht, weil zu schnell gebaut wurde?

Die sanierte Kantonsstrasse zwischen Schafisheim und Seon.Chris Iseli

Die sanierte Kantonsstrasse zwischen Schafisheim und Seon.Chris Iseli

Weil die sanierte Kantonsstrasse zwischen Schafisheim und Seon früher wieder für den Verkehr frei war als geplant, gibts für die Strassenbauer einen Bonus. Autofahrer wundern sich.

Meister, die Arbeit ist fertig, soll ich sie gleich flicken? Der Spruch dürfte manchem Autofahrer durch den Kopf gegangen sein, der in den letzten Tagen die nach Sanierungsarbeiten eben wieder eröffnete Seetalstrasse zwischen Schafisheim und Seon befahren hat. Die Strasse war seit dem 14. Juli für den Einbau des neuen Deckbelags komplett gesperrt. Letzte Woche meldete das Baudepartement nicht ohne Stolz, die gute Vorbereitung und der grosse Einsatz aller Beteiligten hätten sich ausbezahlt, deshalb könne die Strasse bereits am Abend des 31. Juli und nicht wie geplant erst am 10. August wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Doch nun besteht der Verdacht, dass beim Einbau der 4100 Tonnen Belag auf dem rund zwei Kilometer langen Strassenabschnitt etwas schiefgelaufen ist. Auch ihm sei aufgefallen, dass der Belag «etwas wellig» ist, sagt Mathias Blaser, der zuständige Projektleiter beim Baudepartement. Von Pfusch will er aber keinesfalls sprechen. Jedenfalls noch nicht. Es wurden Ebenheitsprüfungen veranlasst. Erst diese in den nächsten Tagen erfolgenden Messungen würden zeigen, ob die Toleranzwerte eingehalten sind, so Blaser. Davor lasse sich auch nicht darüber spekulieren, ob und welche Nachbesserungen am Werk nötig sind und wer dafür haftbar wäre.

Während der Sperrung musste auch der öffentliche Verkehr umgeleitet werden, eine Bushaltestelle in Seon blieb unbedient. Um die Verkehrsbehinderungen so kurz wie möglich zu halten, setzte der Kanton auf ein Anreizsystem. Die beauftragte Bauunternehmung setzte zusätzliche Maschinen und Personal ein, dafür winkte ihr ein Bonus, wenn die Arbeiten vor dem geplanten Termin fertig würden. Bei einer Verspätung hätte sie dem Kanton einen Malus bezahlen müssen.

Solche Verträge seien im Aargau bisher eher die Ausnahme gewesen, erklärt der stellvertretende Kantonsingenieur Matthias Adelsbach. Es sei aber denkbar, dass man in Zukunft bei Projekten mit besonders hohem Verkehrsdruck, wie zum Beispiel beim Schulhausplatz in Baden, vermehrt auf solche Anreizmodelle setzt.

Prämienmodelle für schnelles Arbeiten würden die Bauleitung vor eine besondere Herausforderung bei der Qualitätssicherung stellen, räumt Adelsbach ein. Ihm sei aber kein Fall bekannt, wo es deswegen zu Mängelrügen gekommen sei

Dass die Kantonstrasse zwischen Schafisheim und Seon wegen Sanierungsarbeiten zehn Tage weniger lang gesperrt bleiben musste als geplant, sei auch dank einem «Anreizsystem» möglich gewesen, teilte das Baudepartement letzte Woche mit. Will heissen: Die Bauunternehmung bekommt zusätzlich zum offerierten Preis eine Prämie für ihre schnelle Arbeit. Das ist im Strassenbau nicht unüblich, die ohnehin unter hartem Margendruck arbeitenden Firmen verdienen sich damit keine goldene Nase. Denn wenn zusätzliches Personal und mehr Maschinen für einen schnelleren Abschluss eingesetzt werden, können sie das nicht separat in Rechnung stellen. Die allfällig auszurichtende Prämie sei jeweils in den Kreditreserven für ein Projekt enthalten, erklärt der stellvertretende Kantonsingenieur Matthias Adelsbach. Für den Kanton entstehen also auch keine Mehrkosten im eigentlichen Sinn.

So weit, so gut. Nur melden sich jetzt Autofahrer, die beim Befahren der Strecke zwischen Schafisheim und Seon verunsichert sind, ob mit ihrem schaukelnden Wagen etwas nicht in Ordnung ist. Ebenheits-Messungen in den nächsten Tagen werden nun zeigen müssen, ob die Toleranzwerte eingehalten sind.

Für den Bauabschluss vor dem geplanten Termin gabs einen Bonus für die beauftragte Unternehmung, bei einer Verspätung hätte sie dem Kanton einen Malus zahlen müssen. Mit detaillierten Angaben zur Höhe der in solchen Fällen vereinbarten Prämien hält man sich zurück. Sie lägen zwischen einem und zwei Prozent der Bausumme pro Woche oder sogar Tag, um den ein Termin unterboten wird, so Adelsbach. Der genehmigte Kredit für die K246 zwischen Schafisheim und Seon beläuft sich auf 4,3 Millionen.

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