Es war eine der dunkelsten Stunden seiner bisherigen Amtszeit: Bildungsdirektor Alex Hürzeler begab sich gestern Abend in aussichtsloser Mission in den «Schützen» im Aarauer Schachen, um bei 120 Bezirkslehrerinnen und -lehrern um Verständnis zu werben für das regierungsrätliche Sparpaket.

Vergeblich versuchte er den Saal zu überzeugen, dass das Bildungswesen 34,3 Prozent der gesamten Staatsausgaben verschlucke und deshalb bei sich abzeichnenden Defiziten nicht geschont werden könne.

«Ich gebe zu, es ist ein unglücklicher Zeitpunkt», sagte der Bildungsdirektor, anspielend auf die Tatsache, dass die anstehende Verkürzung der Oberstufe die Bezlehrer bereits extrem fordert (und einigen von ihnen die Stelle kostet).

«Optimierung» tönt zynisch

Unter den Sparmassnahmen treffen einige die Bezlehrer empfindlich, so die Erhöhung der Pflichtlektionen-Zahl von 27 auf 28, die Anhebung der minimalen Klassengrösse auf 18 Jugendliche, die Reduktion der Begabtenförderung oder die «Optimierung» der Wahlfächer.

Ein euphemistischer Ausdruck für die Aufhebung oder Kürzung mehrerer Fächer und Praktika.

Pikant: All diese Massnahmen liegen in der Kompetenz der Regierung, Parlament und Volk haben nichts dazu zu sagen. Sie sind deshalb schneller, theoretisch aufs nächste Schuljahr, umsetzbar.

Der Saal brodelt

Schon während Hürzelers Rede stieg der Unruhepegel im Saal, als er schloss (der Applaus blieb aus), brachen alle Dämme.

«Herr Hürzeler, Sie haben offenbar gar nichts begriffen!», «Sie sind ein schlechter Bildungsdirektor!», «Sie sind ein unsozialer Arbeitgeber!», «Warum haben Sie uns nicht gefragt, wo Sparen weniger wehtut?!» – so schallte es ihm entgegen. Hürzeler versuchte zu kontern, was ihm aber schlecht gelang.

Das Sparpaket ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Denn die Bezlehrer standen schon bei der Revision des Lohndekrets auf der Verliererseite. Und die Verkürzung der Oberstufe macht einen Viertel der Belegschaft überflüssig.

Mit allen gegen 0 Stimmen verabschiedete die GV eine 5-Punkte-Resolution und gab sie dem konsternierten Bildungsdirektor gleich mit.

«Unsinnige Sparmassnahmen», «Schlechte Personalpolitik», «Die neuerliche Kröte schlucken wir nicht», «Der Verschleiss von Ressourcen ist schlichtweg skandalös» – die schriftliche Fassung war nicht minder deftig als die mündliche, die Forderung nach Zurücknahme der vorgesehenen Sparmassnahmen nur die logische Folge.

Letzte BAP, neuer Lehrplan

Ob dieses dominierenden Themas gingen andere Neuigkeiten, die der Bildungsdirektor mitbrachte, fast etwas unter: Den Lehrplan 21 will er im Aargau frühestens 2017 einführen.

Bereits 2015 soll die letzte Abschlussprüfung (BAP) in heutiger Form stattfinden. Wie sich anschliessend der Übertritt gestaltet, ist allerdings noch nicht klar.

Wechsel im Präsidium

Schliesslich wählte die GV mit Martin Schaffner aus Baden einen neuen Präsidenten. Die bisherige Präsidentin Ursula Sauvin wurde für ihr langjähriges Engagement für den Berufsstand gebührend gewürdigt.