Zugausfälle
WSB-Chefs räumen ein: Seit März 2014 kündigten 11 von 50 Lokführern

Nach dem die Aargauer Zeitung den Ausfall mehrerer Züge publik gemacht hat, räumt die Führung der Wynental- und Suhrentalbahn Personalmangel ein. Und dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter in den letzten Jahren gesunken ist.

Fabian Hägler
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Die WSB-Führung erklärt sich: Mathias Grünenfelder und Kaspar Hemmeler bei der Medienkonferenz. Chris Iseli
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Am letzten Freitag fielen zwei Züge der Wynental- und Suhrentalbahn vollständig aus.
«Es tut uns leid, dass die zwei Züge ausgefallen sind», sagt WSB-Verwaltungsratspräsident Kaspar Hemmeler (rechts) an der Medienkonferenz.
WSB-Chefs bei PK

Die WSB-Führung erklärt sich: Mathias Grünenfelder und Kaspar Hemmeler bei der Medienkonferenz. Chris Iseli

Chris Iseli/AZ

Am Mittwoch machte die Aargauer Zeitung publik, dass bei der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) letzten Freitag zwei Züge ausgefallen sind, weil kein Lokführer zur Verfügung stand. Erwin Rosenast, der Sprecher des Unternehmens, räumte Personalmangel bei der Bahn ein. Dies hat die WSB-Führung veranlasst, kurzfristig eine Medienkonferenz einzuberufen.

«Es tut uns leid, dass die zwei Züge ausgefallen sind», sagt WSB-Verwaltungsratspräsident Kaspar Hemmeler. Allerdings sei es aus Sicherheitsgründen nicht möglich gewesen, einen Ersatz-Lokführer aufzubieten. «Wir halten uns an die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes und wollen kein übermüdetes Personal im Führerstand», betont Hemmeler.

Personalbestand unter dem Soll

Mathias Grünenfelder, Direktor von AAR bus+bahn, erläutert den Ausfall im Detail. «Wir bekamen um 11 Uhr am Freitag die Meldung, dass ein Lokführer krank ist und seine Schicht um 15 Uhr nicht antreten kann.» Insgesamt hätte der Mann zwölf Fahrten absolvieren sollen – für sieben wurden Ersatzlokführer gefunden, drei Kurse wurden durch Busse ersetzt, zwei Züge fielen aus.

«Für unsere Kunden bedeutete dies eine Verspätung von 15 Minuten, weil die Ausfälle während des Viertelstundentakts stattfanden», sagt Grünenfelder. Bereits am Nachmittag habe man informiert, Reklamationen von Passagieren habe es keine gegeben.

Doch weshalb standen keine Ersatz-Lokführer zur Verfügung? Grünenfelder gibt zu, dass bei der WSB seit längerem Personalmangel herrsche und der Sollbestand von gut 50 Lokführern nicht erfüllt sei. «In der Zeit von März 2014 bis heute haben elf Lokführer gekündigt, dies zu kompensieren, ist für uns nicht einfach», sagt Grünenfelder. Selbstkritisch räumt er ein, es sei der WSB im ersten Anlauf nicht gelungen, den Firmenarbeitsvertrag so anzupassen, dass dieser für junge Lokführer gute Bedingungen biete.

WSB-Personal ist unzufrieden

Erst bei der Überarbeitung des Vertrags mit der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) habe man weitere Verbesserungen erzielt. «Offenbar kam dies aber zu spät, der Unmut bei den Lokführern war schon zu gross», bedauert Grünenfelder.

Edith Graf-Litscher, bei der Gewerkschaft SEV für die WSB zuständig, sagte gestern gegenüber der az, die Stimmung beim Bahnpersonal sei schlecht: «Wer ständig am Anschlag arbeiten muss, ist unzufrieden und fühlt sich gestresst.»

Diese Einschätzung bestätigt ein Blick in den aktuellen Geschäftsbericht der WSB. Seit 2004 wird alle drei Jahre eine Umfrage zur Mitarbeiterzufriedenheit durchgeführt. In diesem Zeitraum ist der Zufriedenheitswert von 77 auf 63 Punkte gesunken.

Schon bei der ersten Mitarbeiterumfrage der Bahn im Jahr 2004 war die hohe Arbeitsbelastung ein Kritikpunkt. Damals hiess es im Geschäftsbericht, «die Dienstpläne des Personals sind aus wirtschaftlichen Gründen zum Teil unattraktiv», in diesem Bereich bestehe Handlungsbedarf. «Zusammen mit Personalvertretern sollen Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet werden», kündigte die WSB-Führung vor elf Jahren an. Bahnpräsident Hemmeler sagt, die WSB arbeite an Verbesserungen.

«Der grosse Wunsch der Lokführer sind einfachere Dienste, doch dies ist schwierig zu erfüllen.» Direktor Grünenfelder erklärt, die Bahn könne sich lange Stillstandszeiten und bezahlte Pausen für die Lokführer nicht leisten. «Das ist auch eine politische Frage», wirft Hemmeler ein, «der Kanton ist nicht bereit, mehr Geld in den öffentlichen Verkehr zu investieren, daraus ergibt sich ein Kostendruck.» Er bestreitet aber, dass die WSB auf Kosten der Lokführer sparen wolle.

Sechs neue Lokführer dieses Jahr

Hemmeler kündigt vielmehr an, er wolle das Gespräch mit den Lokführern suchen. Dies ist laut Edith Graf-Litscher auch dringend nötig. «Die WSB-Führung muss auf die Personalkommission und die Gewerkschaft zukommen», fordert sie. Es gehe nicht an, dass ohne Rücksprache neue Spezialdienstpläne eingeführt würden, wie dies die WSB kürzlich gemacht habe.

«Nicht nur die Arbeitsbelastung, sondern auch die Kommunikation seitens der Firmenleitung wird von Lokführern immer wieder kritisiert», sagt sie. Zu oft würden diese nicht angehört und bei Entscheiden nicht einbezogen, die sie betreffen.

Dass die verbleibenden Lokführer auf Freitage verzichteten, um die fehlenden Schichten abzudecken, könne längerfristig auch keine Lösung sein, kritisiert Graf-Litscher. Zumindest der akute Personalmangel bei der WSB soll laut Grünenfelder aber in absehbarer Zeit behoben sein. Schon im Mai haben drei Lokführer die Ausbildung abgeschlossen, im September werden nochmals drei dazukommen.

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