«Talk Täglich»
Wolf riss im Aargau 2 Ziegen: «Für ihn war zufälligerweise der Imbissstand noch offen»

Ein Jagd- und ein Bauernvertreter diskutieren im "Talk Täglich" über den Umgang mit dem Wolf im Aargau.

Stefania Telesca
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Ein Foto hat die Diskussion um das Raubtier entfacht. Der Wolf tappte vor wenigen Wochen in Erlinsbach nicht nur in eine Fotofalle, sondern riss im selben Zeitraum auch zwei Ziegen. Dies zum Leidwesen eines Bauern aus Oberhof, der die verendeten Tiere auf seinem Grundstück entdeckte.

«Es ist eine emotionale Angelegenheit», sagte Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbandes in der Sendung «Talk Täglich» auf Tele M1. «Viele Bauern halten kleine Tiere als Haustiere und geben ihnen auch Namen.» Trotzdem rät er den Bauern im Aargau «cool zu bleiben». Problematisch werde der Wolf erst, wenn er sich immer wieder im selben Territorium aufhalte und wenn immer wieder die gleichen Bauern betroffen wären. «Der hohe Aufwand eines wolfsicheren Zauns ist im Aargau noch nicht gerechtfertigt», so Bucher. Man könne im Moment nicht davon ausgehen, dass der Wolf wieder kommt.

Ziegen als Imbiss

Rainer Klöti, Präsident von Jagd Aargau freut sich darüber, dass der Wolf den Weg in den Aargau gefunden hat. Er vermutet, dass es sich beim fotografierten Wolf um ein junges Tier handelt, das auf der Suche nach einem Gspänli ist. Der Erlinsbacher Wolf sei unbedenklich, sagt Klöti: «Ich glaube, für ihn war zufälligerweise der Imbissstand noch offen, es stand niemand da und er hatte Hunger», kommentiert er die zwei gerissenen Ziegen augenzwinkernd.

Man vergesse gerne, dass der Mensch die Lebensräume immer mehr in Beschlag nehme, so Klöti: «Der Bauer muss produzieren und der Mensch will seine Freizeit haben», das ergebe ein Dilemma zwischen Natur und Mensch. Die Jagd soll dabei eine Vermittlerrolle spielen, «als Anwalt der wildlebenden Tiere, aber auch, um dafür zu sorgen, dass nicht allzugrosse Schäden durch Wildtiere entstehen».

Von einem Problemtier spreche man erst dann, wenn ein Wolf innert kürzester Zeit 77 Schafe reisse, sagt Bauern-Vertreter-Bucher. «Dann wäre es im Interesse aller Beteiligten, dass man einen solchen Wolf abschiesst».

Die anderen Wildschäden

Moderator Rolf Cavalli spricht die kürzlich publizierte Jagdstatistik des Aargau an und weist auf die hohe Anzahl getöteter Wildtiere hin. 1045 Wildschweine wurden im 2018 geschossen. Diese bereiteten den Bauern im Aargau bei weitem die grössten Sorgen, sagt Bucher. Alleine im vergangenen Jahr verursachten diese einen Schaden von über 800'000 Franken. Bei den Vögeln seien es die Rabenkrähen, die Saatgut aus dem Boden picken und auf den Feldern einen Totalausfall der Ernte auslösen können.

Der vergütete Schaden nehme tendenziell zu, sagt Jäger-Präsident Klöti, jedoch seien die 800'000 Franken nur ein Bruchteil der über 600 Millionen Franken Umsatz, welche die Aargauer Landwirtschaft produziere. Klöti spricht erneut das Dilemma des Jägers an: «Auf der einen Seite sind wir verantwortlich dafür, dass sie Tiere einen Lebensraum haben, auf der anderen müssen wir den Schaden bekämpfen.» Nur Schadensbekämpfer alleine wollen die Jäger aber nicht sein. Es gelte das Problem der regionalen Schäden gemeinsam mit den Bauern zu lösen.

Es sei aber auch ein Strukturproblem der Landwirtschaft: «Warum hatten wir vor 10 oder 15 Jahren keine Schäden auf den Wiesen?», fragt Klöti. Man habe eine andere Form von Landwirtschaft betrieben, antwortet er gleich selbst. «Man hat heute viel mehr Tiere draussen über eine lange Zeit.» Es bestehe ein direkter Zusammenhang zwischen der Zeit, in der die Tiere auf der Wiese seien, dort ihre Fäkalien hinterliessen und dem Schaden, der später entstehe. «Unter dem Fladen entsteht Eiweiss, die Würmer kommen und das wiederum lockt die Wildschweine.

Die Zunahme der Wildschweine habe auch mit der Form der Landwirtschaft zu tun. Das Problem könne nicht allein die Jagd lösen.

Der Talk in voller Länge: