Wildtiere

Wolf reisst drei Lämmer in Oberhof – bis zur Bestätigung vergingen über zwei Monate

Im Februar 2019 wurde in Erlinsbach der erste Wolf im Aargau fotografiert - er tappte in eine Fotofalle.

Im Februar 2019 wurde in Erlinsbach der erste Wolf im Aargau fotografiert - er tappte in eine Fotofalle.

Mitte Mai hat ein Wolf in Oberhof im Fricktal drei junge Schafe gerissen, bestätigt ist der Fall aber erst seit Donnerstag. Ob es derselbe Wolf ist, der im Februar 2019 ebenfalls in Oberhof zwei Ziegen riss und in Erlinsbach von einer Fotofalle abgelichtet wurde, ist noch offen.

In mehreren Kantonen gibt es einen SMS-Dienst zu Wolfsichtungen, dieser zeigte einem AZ-Leser am Donnerstag folgende Meldung: "Information Wolfnachweis: Genetisch bestätigter Nutztierriss, 14. Mai, 2020, Art des Tieres: Schaf, Gemeinde Oberhof, Kanton Aargau."

Ein Blick auf die Webseite der kantonalen Abteilung Jagd und Fischerei zeigt: Der Vorfall ist auch dort aufgeführt. Zum Opfer fielen dem Wolf laut dem Eintrag auf der Seite zu Grossraubtieren im Aargau drei Lämmer. Doch warum wurde der Fall nicht früher publik, immerhin sind seit dem Wolfsriss in Oberhof inzwischen zweieinhalb Monate vergangen?

Wolfsriss von Mitte Mai erst Ende Juli bestätigt

«Der Wolfsriss von Mitte Mai in Oberhof ist seit Donnerstag bestätigt, die Analysen am spezialisierten Labor der Universität Lausanne haben offenbar länger gedauert", sagt Erwin Osterwalder, Fachbereichsleiter Jagd beim Kanton, auf Anfrage der AZ. Schon im Februar 2019 riss ein Wolf in derselben Gemeinde Nutztiere, damals waren zwei Ziegen betroffen. Noch am selben Tag tappte das Tier in Erlinsbach in eine Fotofalle, damit wurde die Präsenz eines Wolfes im Aargau zum ersten Mal bildlich bestätigt.

Hat nun, rund anderthalb Jahre später, derselbe Wolf in Oberhof die drei Schafe gerissen? Dies ist laut Erwin Osterwalder noch offen, das spezialisierte Labor werde versuchen, eine Bestimmung des Einzeltieres vorzunehmen. Ob der Wolf noch im Aargau ist, weiss Osterwalder nicht: "Angaben über den aktuellen Aufenthaltsort des Wolfes liegen uns nicht vor. Wir gehen davon aus, dass er weitergezogen ist", sagt er.

Nicht derselbe Bauer betroffen wie vor einem Jahr

Betroffen vom Wolfsriss ist indes ein anderer Fricktaler Bauer, als noch im Februar 2019. «Beim Tierhalter, dessen Schafe nun gerissen wurden, handelt es sich nicht um den gleichen Bauern, dessen zwei Ziegen betroffen waren", sagt Osterwalder. Der Bauer, dessen drei Lämmer vom Wolf gerissen wurden, hatte dies beim Kanton gemeldet, ein Mitarbeiter der kantonalen Abteilung Jagd und Fischerei überprüfte dies vor Ort.

"Mit der Bestätigung, dass ein Wolf die Lämmer gerissen hat, ist nun auch klar, dass der Bauer für die Tiere entschädigt wird», erklärt Osterwalder. Der Jagd- und Wildtierspezialist rechnet nicht damit, dass sich solche Fälle im Aargau künftig häufen. «Wir gehen weiterhin von einzelnen wandernden Wölfen aus, die gelegentlich Nutztiere reissen können", sagt Osterwalder.

Kanton rechnet mit einzelnen wandernden Wölfen

Bisher ist im Schnitt ein Wolf pro Jahr im Aargau aufgetaucht, weitergehende Schutzmassnahmen für die Tierhalter seien deshalb nicht verhältnismässig. "Es gibt im Aargau auch keine Sömmerungen von grossen Schaf- oder Ziegenherden, betroffen sind eher Kleintierhalter mit wenigen Tieren", erläutert Osterwalder. Mit einer guten Einzäunung liessen sich Wolfsrisse oftmals verhindern, ansonsten greife das System der Entschädigungen.

Eine Dauerpräsenz des Wolfes im Aargau sei aufgrund des Lebensraumes, der Siedlungsnähe und der vielen Verkehrsachsen aktuell wenig wahrscheinlich. Und auch für Menschen besteht kaum Gefahr, wie es in den Grundsätzen des Kantons zur Wolfsthematik heisst: "Wandernde Individuen verhalten sich in ungewohnter Umgebung umso vorsichtiger, was Konflikte mit Menschen unwahrscheinlich macht." 

Wer einen Wolf sieht, soll ihn fotografieren

Durch die temporäre Wolfspräsenz bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung, heisst es im Grundsatzpapier weiter. Deshalb empfiehlt der Kanton: "Wenn ein Wolf beobachtet wird, wenn möglich fotografieren und das Foto an die Jagdverwaltung schicken." 

Tierhalter, die einen möglichen Wolfsriss feststellen, bittet der Kanton, dies dem lokalen Jagdaufseher zu melden und das gerissene Tier für die Untersuchung vor Ort belassen. Die Jagdaufseher haben die Möglichkeit, ausgebildete Rissexperten beizuziehen.

Meistgesehen

Artboard 1