Aargau
Wohlen als Ausnahme – andere Kantonsschulen zahlen keine Studienreisen

Die Kanti Wohlen steht wegen einer Studienreise zweier Prorektoren nach China in der Kritik von SVP-Grossrat Andreas Glarner. Die Chinareise stellt allerdings die Ausnahme dar, an anderen Kantis gibt es vor allem Zeit statt Geld für Weiterbildung.

Elia Diehl
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2000 Franken pro Person und einen Teil der Flugkosten bezahlt die Kantonsschule Wohlen für eine Mitarbeiterweiterbildung. Die Studienreise zweier Prorektoren nach China mitten im Semester stösst der SVP schwer auf. SVP-Fraktionschef Andreas Glarner wird am Dienstag in der Bildungs-Spardebatte eine Interpellation im Grossen Rat einreichen (az berichtete).

Die Chinareise ist allerdings eine Ausnahme, wie die Nachfrage der az bei den Kantonsschulen Baden, Zofingen und der Alten Kanti Aarau (AKSA) zeigt. Die Lehrerweiterbildung findet bei den befragten Schulen so gut wie immer in der Schweiz statt; die Unterstützung erfolgt hauptsächlich mit Gewährung von Intensivurlaub.

Sprachaufenthalte für Immersions-Unterricht

«In den letzten fünf Jahren hatten wir lediglich zwei Fälle von Auslandsweiterbildungen für Immersionsunterricht», nennt Ulrich Salm, Prorektor an der AKSA, eine Ausnahme. Die Weiterbildung, an der sich die Kanti lediglich beteiligte, stand allerdings im direkten Nutzen für den Unterricht, was laut Salm ausschlaggebend sei. So hatte sie das Ziel, die Sprachfertigkeiten für den Sachunterricht in einer Fremdsprache zu verbessern. «Die beiden Lehrer unterrichten heute Geografie und Geschichte in Englisch.»

Dasselbe Bild zeigt sich an der Kanti Zofingen. «Wir beteiligten uns bisher nur an Schulkosten zweier dreimonatiger Auslandaufenthalte", sagt Rektor Stefan Prochaska, ebenfalls für Immersionsunterricht. Man habe aber an der kleinen Kanti Zofingen relativ wenig Geld für Intensivweiterbildungen zu Verfügung.

Zeit statt Geld

«An Lehrerweiterbildungen im Ausland zahlen wir im Normalfall nichts", erklärt Hans Rudolf Stauffacher, Rektor der Kanti Baden. Zwar gäbe es eine intensive Reisetätigkeit, diese lege den Fokus aber immer auf die Schüler. So gäbe es Schülerreisen nach China, Russland oder Kairo. Aktuell wird in Baden ein Austauschprogramm mit einer Mittelschule in Schanghai vorbereitet. Dieses Jahr seien bereits Schüler in ein Sommercamp in der künftigen Partnerschule eingeladen worden, sagt Stauffacher und betont: «Lehrern wird, wenn sie mit Schülerinnen und Schülern unterwegs sind, höchstens ein Teil der Spesen bezahlt.

Auch an der Alten Kanti Aarau reisen Lehrpersonen höchstens während Projektwochen im europäischen Ausland. «Die Kanti zahlt dann jeweils Spesen bis maximal 700 Franken», erklärt Ulrich Salm.

Als Hauptinstrument zur Unterstützung von Weiterbildungen nannten alle befragten Rektoren und Prorektoren dasselbe: Die Schulen können bezahlten Weiterbildungsurlaub gewähren. Das verfügbare Kontingent richtet sich nach der Zahl Vollzeitpensen. Der Kanti Baden hat beispielsweise jährlich total rund 9 Monate Intensivurlaub für 190 Lehrpersonen zur Verfügung. «Das Wichtigste ist für die Lehrpersonen die Zeit», sagt Ulrich Salm. Aufgrund der Angebote könnten Weiterbildungen nicht immer während der Ferien stattfinden. «Verglichen mit der Privatwirtschaft haben wir ein sehr kleines Weiterbildungsbudget», betont Salm.

Sinn oder Unsinn

Zum Fall Wohlen möchte sich der Aarauer Prorektor nicht äussern, da er die konkreten Hintergründe nicht kenne. Kein Problem sieht Hansruedi Stauffacher und stärkt damit seinem Wohler Rektor-Kollegen den Rücken. Stefan Prochaska zeigt indes Verständnis für «eine kritische Betrachtung» der Chinareise. «Es gibt sicherlich sinnvollere Weiterbildungsangebote.»

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