Wenn es um Windenergie geht, denken viele an riesige Parks von Windrädern in der Nordsee, oder vielleicht an die Anlagen auf den Jurahöhen. Der Aargau ist kein ausgesprochener Windkanton, dennoch heisst es im Richtplan: «Die technologische Entwicklung, zum Beispiel durch höhere Türme oder effizientere Rotoren, und die generelle Energiepreisentwicklung ermöglichen wirtschaftliche Windkraftanlagen auch an Standorten im Kanton Aargau.»

2013 hat der Grosse Rat fünf Gebiete festgelegt (siehe Grafik ganz unten), die für Windenergie-Anlagen geeignet sind. Derzeit ist auf der Windenergie-Karte des Bundes aber nur eine «kleine Einzelanlage» im Aargau eingezeichnet: Es handelt sich um ein 25 Meter hohes Windrad in Schmiedrued, das 2010 erstellt wurde.

Kanton führt Vorprüfungen durch

Dies soll sich künftig ändern, im Aargau gibt es gleich vier Projekte für Windparks mit mehreren grossen Anlagen. Thomas Frei, Planer bei der kantonalen Abteilung Raumentwicklung, möchte nicht darüber spekulieren, wo der erste Windpark gebaut wird. «Dies hängt einerseits von den Windmessungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Projektfirmen ab, andererseits auch davon, ob es lokalen Widerstand gibt und die nötigen Zonenplan-Änderungen oder Baubewilligungen angefochten werden.»

Am weitesten sind die Pläne für einen Windpark im Gebiet Burg im Fricktal: Dort ist die kantonale Vorprüfung abgeschlossen, die Unterlagen sind bei der Windpark Burg AG in Überarbeitung.

Thomas Frei erklärt, bei der Vorprüfung würden die Standorte auf die Vorgaben im Richtplan hin überprüft. «Ist eine genügende Windstärke nachgewiesen, gibt es übergeordnete Interessen, die einer Windkraft-Anlage an diesem Ort im Weg stehen, wie ist die Erschliessung der Anlage geplant, wird genug Rücksicht genommen auf Natur und Umwelt?»

Gegner wollen bis vor Bundesgericht

Nach der Richtplan-Festsetzung sollten sich laut dem Planer keine grundlegenden Hindernisse mehr ergeben. Frei betont aber, «auch in den fünf Gebieten, die als geeignet für die Windenergie festgelegt wurden, können bei der Vorprüfung mögliche Optimierungen aufgezeigt werden». Dennoch gibt es Ansatzpunkte für Gegner von Windparks.

«Sie können sich bei der Mitwirkung und öffentlichen Auflage der Zonenplan-Änderung einbringen, die darauf an der Gemeindeversammlung beschlossen wird, oder wenn das Baugesuch öffentlich aufliegt.» Zudem bestehe die Möglichkeit, die Umzonung und die Baubewilligung gerichtlich anzufechten. Genau dies hat der Verein Pro Burg vor, der einen Windpark verhindern will.

An der Generalversammlung vor knapp zwei Wochen wurde eine Resolution verabschiedet, die einen sofortigen Planungsstopp verlangt. Zudem hat der Verein beschlossen, das Projekt über alle Instanzen bis ans Bundesgericht zu bekämpfen.

Verein gegen «gigantische Anlagen»

Widerstand gibt es auch gegen den Windpark KiKu – die Abkürzung steht für Kirchleerau/Kulmerau – an der Grenze zu Triengen LU. Hinter dem Projekt steht die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW). Ob die Windräder, die 18 Millionen Franken kosten sollen, tatsächlich gebaut werden, steht aber nicht fest. Zuerst muss die CKW die Windmessungen auswerten und ein detailliertes Projekt ausarbeiten.

Für den Verein Pro Kulmerauer Allmend ist aber jetzt schon klar: Der Windpark muss verhindert werden. Auf der Website des Vereins ist die Rede von «gigantischen Grossanlagen für die Erzeugung von Windstrom». Pro Kulmerauer Allmend hält fest, mit Windrädern werde die Landschaft verschandelt, ohne einen sinnvollen Stromertrag zu generieren, weil der Wind im Projektgebiet zu wenig stark wehe.

Lindenberg-Projekt bisher ohne Gegner

Etwas weiter als beim Windpark KiKu ist die CKW mit ihrem Projekt auf dem Lindenberg. Dort sollen die Unterlagen für die Vorprüfung dem Kanton bis im Sommer eingereicht werden, wie Bruno Sidler, Gemeinderat von Beinwil/ Freiamt, an der Generalversammlung des Muri Energie Forums sagte.

Läuft alles nach Plan, rechnet Sidler im Jahr 2018 mit der Baubewilligung für das Projekt. Eine organisierte Gegnerschaft gibt es bisher nicht, deshalb stehen die Windchancen im Freiamt wohl am besten.

Ähnlich sieht der Zeitplan der «Windrad uf em Chalt AG» aus. Derzeit wird abgeklärt, welchen Einfluss die Windräder bei Reitnau auf ein Navigationsradar der Flugsicherung Skyguide hätten.

Opposition gibt es auch hier nicht, doch die Finanzierung ist noch offen: Hinter dem Projekt stehen Privatpersonen, keine grossen Energiefirmen. Heute können Aktienkaufrechte erworben werden, die eigentlichen Anteile sollen aber erst verkauft werden, wenn das Projekt bewilligt ist.