Vor rund 50 Jahren war Indien das Traumland der Hippies. Die 68-er-Bewegung hatte die Schweiz erreicht und sorgte für Aufregung, wirkte sich nachhaltig auf Politik und Gesellschaft aus. Als Gegenentwurf zu geltenden Konventionen irritierten die auch im Aargau präsenten Hippies mit ihren langen Bärten, selbst gestrickten Pullovern und ihrer seltsamen Lebensweise.

Was die Hippies weltweit miteinander verband, war auch die Sehnsucht nach Indien, wo sie Inspiration, manche gar Erleuchtung zu finden hofften. Regelmässiger Drogenkonsum sollte dabei die Selbsterfahrung positiv fördern.

Auch im Aargau sorgten die ersten Kommunen für Aufregung, Hippies reisten meist mit dem VW-Bus auf der klassischen Hippie-Route nach Indien. Allerdings weiss man bisher nur wenig über die Aargauer Indienreisenden aus den 70er-Jahren. Warum sie gereist sind, was sie erlebt haben, was aus ihnen geworden ist. Es gibt auch bisher kaum öffentlich zugängliche Fotos und andere Dokumente von diesen Reisen.

Bekannt ist, dass ein Mitglied der legendären Birmenstorfer Kommune 1971 mit einem Ford Transit via Teheran, Afghanistan und Pakistan nach Delhi unterwegs war. Acht Wochen soll die Hinreise gedauert haben. Informationen über andere Aargauer Indienreisenden sind aber sehr spärlich.

Aargauer Abenteuergeschichten

Doch das soll sich nun ändern. Der Historiker Patrick Zehnder ist Mitglied der Teams von «Zeitgeschichte Aarau», das die Geschichte des Kantons und seiner Bevölkerung seit 1945 erforscht.

In diesem Zusammenhang befasst sich «Zeitgeschichte Aargau» auch mit den internationalen Verbindungen des Aargaus in Verbindung mit den damaligen Jugendbewegungen. Dabei seien die Indienreisenden auf der Suche nach einem besseren Leben von besonderem Interesse, sagt Historiker Patrick Zehnder. «Konkret suchen wir Aargauer Indienreisende, die sich um 1970 auf den Hippietrail begaben», erklärt er. Dabei spiele es keine Rolle, ob sie als Rucksacktouristen per Autostopp oder im eigenen Auto unterwegs waren.

«Wir interessieren uns für Abenteuer der Aargauer Indienreisend, aber auch für ihre Fotos, Karten, Tagebücher und Mitbringsel», sagt Zehnder. Er hofft, dass sich einige der damaligen Reisenden, die heute wohl alle im Pensionsalter stehen, melden und von ihren damaligen Abenteuer erzählen und die alten Fotos oder Filme zeigen; vielleicht sind ja auch noch einige der damaligen Mitbringsel aus Indien erhalten.