Wahlen
Wo sich die bürgerlichen Ständeratskandidaten unterscheiden

Der Kanton Aargau wird im Herbst 2015 einen neuen Ständerat oder eine Ständerätin bekommen. Die SVP und FDP haben ihre Kandidaten schon bestimmt: Hansjörg Knecht und Philipp Müller unterscheiden sich in einigen Punkten.

Mathias Küng
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Philipp Müller (links) kandidiert für die FDP, Hansjörg Knecht (rechts) für die SVP.

Philipp Müller (links) kandidiert für die FDP, Hansjörg Knecht (rechts) für die SVP.

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Am 18. Oktober 2015 erhält der Aargau sicher einen neuen Ständerat oder eine neue Ständerätin. Denn Amtsinhaberin Christine Egerszegi tritt nicht mehr an. Während in der CVP mit möglichen Kandidierenden noch Gespräche laufen, stehen die Kandidaten von SVP und FDP schon fest – vorbehältlich der Bestätigung durch die Parteitage.

Die SVP peilt zwar den Sitz von SP-Ständerätin Pascale Bruderer an. Dieser wird ihr aber kaum zu nehmen sein, womit FDP-Mann Philipp Müller und SVP-Mann Hansjörg Knecht faktisch Konkurrenten um den FDP-Sitz werden.

Wie unterscheiden sich die beiden rechtsbürgerlichen Politiker inhaltlich? Ein sehr gutes Bild geben die Smartspider. Sie zeigen, wo sie in acht grossen Themenkomplexen stehen. Da die Smartspider auf den Wahlen 2011 basieren, haben wir neun aktuelle Fragen gestellt.

Interessante Law-&-Order-Haltung

Der grösste Unterschied zwischen den beiden Unternehmern ist erwartungsgemäss in der aussenpolitischen Haltung zu erkennen. Müller und Knecht sind zwar beide gegen einen EU-Beitritt. Und beide sind der Meinung, dass das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der vom Volk angenommenen SVP-Masseneinwanderungsinitiative nicht vereinbar ist. Doch genau deswegen bekämpfte Müller die Initiative, derweil die SVP sie durchbrachte.

Klare Unterschiede auch beim Schengen-Dublin-Abkommen mit der EU: Müller will dieses beibehalten, Knecht will da raus. Auch das Engagement von Aussenminister Didier Burkhalter als OSZE-Vorsitzender in der schweren Ukraine-Krise beurteilen die beiden gegensätzlich.

Interessanterweise ist die Law-&-Order-Haltung und erwartungsgemäss auch die Unterstützung für eine liberale Wirtschaftspolitik sowie für eine liberale Gesellschaft bei Müller ausgeprägter als bei Knecht. Letzterer tritt dafür für eine noch restriktivere Finanzpolitik ein und ist gegenüber einem ausgebauten Sozialstaat noch zurückhaltender als Müller.

Im innerkantonalen Vergleich fällt auf, dass die FDP im Aargau gerade beim Thema Law & Order zurückhaltender ist als ihr Aushängeschild Müller. Und Hansjörg Knecht tritt laut Smartspider deutlich stärker für eine liberale Wirtschaftspolitik ein, ist dafür deutlich zurückhaltender gegenüber einem ausgebauten Sozialstaat als die SVP Aargau.

Knecht sei «ein Glücksfall»

Wie unterscheiden sich die beiden aus Sicht ihrer Kantonalpräsidenten? FDP-Präsident Matthias Jauslin wirbt für «seinen» Kandidaten Müller als einen «seit Jahren national bekannten Politiker mit Charisma, der sehr präsent und auch gefragt ist». In Parlamentarier-Rankings findet man ihn regelmässig unter den einflussreichsten Politikern des Landes.

Zudem sei er ein versierter Sachpolitiker und in vielen wichtigen Dossiers Meinungsführer. Jauslin: «Als Vertreter einer konstruktiven, staatstragenden und lösungsorientierten Partei, welche die Schweiz nachhaltig mitgestaltet, bringt Philipp Müller die besten Voraussetzungen für den Ständerat mit.» Und weiter: «Wir schicken mit Müller den besten Mann ins Rennen. Er verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Nationalrat, ist durchsetzungsfähig, sehr breit vernetzt und weiss, wie man Mehrheiten bildet.»

Demgegenüber ist SVP-Präsident Thomas Burgherr natürlich von «seinem» Kandidaten überzeugt. Knecht sei ein «absolut verlässlicher Politiker, der über die Partei hinaus hoch anerkannt ist, für die SVP und den Kanton Aargau ein Glücksfall». Burgherr empfiehlt ihn als seriösen Sachpolitiker mit grossen Dossierkenntnissen, aber auch als erfolgreichen Unternehmer und Präsident des Hauseigentümerverbandes.

Knecht sei ein ganz anderer Politikertyp als Philipp Müller. Er sei «bekannt als Anpacker und wählbar über die Parteigrenzen hinaus». Knecht habe keinen Konflikt mit andern politischen Ämtern, betont Burgherr mit Blick auf Müllers FDP-Präsidium. Knecht sei als 54-Jähriger im besten politischen Alter, und er werde unterschätzt, weil er seinen Leistungsausweis nicht ins Scheinwerferlicht stelle.

Nun bleibt bis zu den Wahlen genügend Zeit, damit sich die Wählerinnen und Wähler aufgrund von Podien und der Arbeit im Parlament ein noch genaueres Bild von den beiden und von den weiteren Kandidierenden machen können, die in den nächsten Monaten dazukommen werden.