Bei einem Blick in die Bevölkerungsstatistik wird schnell klar, warum die AHV in Schieflage gerät. Im Aargau leben heute über 110'000 Personen im Rentenalter, das sind mehr als doppelt so viele wie in den 1980er-Jahren. Die Einwohnerzahl hat im gleichen Zeitraum aber «nur» um gut 40 Prozent zugenommen, der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung ist von 11 auf 17 Prozent gestiegen. Und was an sich ja ein Segen ist, stellt für die Finanzierung der Altersversicherung eine echte Herausforderung dar: Die Lebenserwartung steigt. Aargauer Männer, die heute in Rente gehen, haben statistisch gesehen noch gut 19 Jahre vor sich, bei den Frauen liegt die Lebenserwartung mit 65 sogar bei gut 22 Jahren. 1980 waren es erst 14 beziehungsweise 18 Jahre. Immer mehr Menschen beanspruchen also immer länger eine Altersrente, das bedeutendste Schweizer Sozialwerk steckt in der Demografiefalle.

Jungbrunnen oberes Freiamt

Was den Aargau betrifft, so ist er im schweizerischen Vergleich sogar eher ein «junger» Kanton. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung (etwas über 41 Jahre) liegt hier zwar nur etwa ein halbes Jahr unter dem Landesmittel, es ist aber immerhin in 16 Kantonen mehr oder weniger deutlich höher als im Aargau.

Wobei: Es gibt grosse regionale Unterschiede. Besonders viele jüngere Leute leben im oberen Freiamt. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt hier praktisch in jeder Gemeinde unter dem Kantonsmittel, in Abtwil, Geltwil und Auw bei 36 Jahren und nur leicht darüber. Das dürfte wohl am Zuzug junger Familien liegen, die im Aargau einfacher erschwinglichen Wohnraum finden als in Zug.

Geltwil, der Jungbrunnen des Kantons.

Geltwil, der Jungbrunnen des Kantons.

Wenn Abtwil, Geltwil und Auw die Kinderstube des Kantons sind, dann sind Gemeinden wie Olsberg, Widen und Bad Zurzach das Altersheim: Hier liegt das Durchschnittsalter um satte zehn Jahre höher und die über 65-Jährigen machen bereits einen Viertel der Dorfbevölkerung aus.

Drei Erwerbstätige pro Rentner

Eine massgebende Grösse in der Diskussion um die Altersvorsorge ist der sogenannte Altersquotient: das Verhältnis zwischen der Anzahl der über 65-Jährigen und den 20- bis 64-Jährigen, also zwischen Rentnern und Erwerbstätigen bzw. der erwerbsfähigen Bevölkerung. Der Wert liegt in Abtwil bei 11,2, in Olsberg bei 46,7, für den ganzen Aargau bei 26,7 und landesweit bei 29,0.

Das heisst für die Finanzierung der AHV im Umlageverfahren: Wäre das ganze Land ein grosses Abtwil, hätten wir paradiesische Verhältnisse, denn auf jeden Rentner kämen 10 Erwerbstätige, die seine AHV finanzieren. Würde hingegen die Bevölkerungsstruktur kantons- und landesweit jener von Olsberg entsprechen, kämen schon heute nur noch zwei Erwerbstätige auf einen Rentner. Bis es tatsächlich so weit ist, dürften nach aktuellen Prognosen immerhin noch etwa 20 Jahre vergehen.

Gemeinden mit einem ähnlich tiefen Altersquotienten wie Abtwil sind Geltwil, Baldingen und Oberrüti. Zu jenen mit den höchsten Altersquotienten gehören neben Olsberg etwa Widen, Bad Zurzach und Oberrohrdorf.

Weniger als 2000 Franken

Im Aargau werden rund 112'000 Alters- und 5700 Hinterlassenenrenten der AHV ausbezahlt (Stand 2015). Die jährliche Rentensumme dürfte inzwischen weit über zweieinhalb Milliarden betragen (es liegen erst die Zahlen für 2014 vor: 2,53 Milliarden).

Die durchschnittliche Altersrente beträgt im Aargau monatlich 1874 Franken für die Männer und 1885 Franken für die Frauen. Das ist deutlich unter der Maximalrente von 2350 Franken, aber etwas über dem schweizerischen Durchschnitt (Männer 1840, Frauen 1870 Franken). Damit macht man keine grossen Sprünge. Etwa 11'000 AHV-Rentner sind im Aargau auf Ergänzungsleistungen angewiesen, also jeder zehnte. Die kantonale Sozialversicherungsanstalt SVA Aargau zahlte 2015 über 125 Millionen Franken AHV-Ergänzungsleistungen aus. Auch hier folgt die Zunahme der demografischen Entwicklung, Tendenz also weiter steigend. Insbesondere nach einem Heimeintritt sind viele betagte Personen auf Ergänzungsleistungen angewiesen, weil das Einkommen aus AHV und Pensionskasse nicht reicht, um die Heimkosten zu decken. Etwa ein Viertel der EL-Bezüger im Aargau lebt in einem Pflegeheim oder einer IV-Institution.