Gesundheit

Wo gibt es im Aargau überall einen Defibrillator?

Das könnte Leben retten: Wenn Laien bei einem Herzstillstand einen Defibrillator vorfinden würden. Nur: Im Aargau weiss niemand, wie viele Defibrillatoren es wo gibt. Die Regierung hat kein grosses Interesse, etwas daran zu ändern.

Ganz in der Nähe der Stelle, wo eine 73-jährige Frau am 17. Dezember in Fislisbach ums Leben kam, befindet sich ein öffentlich zugänglicher Defibrillator. Die Gemeinde hat ihn 2009 im Foyer der Mehrzweckhalle installiert. Ob bei einem früheren Eintreffen des alarmierten Rettungsdienstes oder durch einen schnellen Einsatz des Defibrillators durch Laien das Leben der Frau hätte gerettet werden können, bleibt Spekulation. Tatsache ist: Niemand weiss, wie viele Defibrillatoren zur Reanimation von Patienten mit Herzstillstand im Aargau installiert sind und wo sie stehen.

Handlungsbedarf umstritten

Die Politik tut sich schwer damit, hier Handlungsbedarf zu erkennen. Nachdem sie selber mitten in einer Ratsdebatte einen Herzstillstand erlitten hatte (und dank dem schnellen Eingreifen von Ärzten im Parlament gerettet wurde), wurde die Solothurner SP-Nationalrätin Bea Heim 2006 aktiv. Ihre Motion forderte rechtliche Grundlagen für eine möglichst flächendeckende Ausrüstung öffentlicher Orte mit hohem Publikumsverkehr mit Defibrillatoren.

Und es sei für eine Ausbildung möglichst breiter Kreise der Bevölkerung im Umgang mit den Geräten zu sorgen. Der Bundesrat zeigte sich skeptisch. Abgesehen davon, dass die Gesundheitsversorgung in der Kompetenz der Kantone liegt, zweifelte er am Nutzen eines flächendeckenden Programms. Der Vorstoss wurde 2009 abgeschrieben.

Im Kanton Aargau griff CVP-Grossrat Markus Dieth, Gemeindeammann von Wettingen, das Thema dieses Jahr auf. Er regte ebenfalls Massnahmen für eine möglichst flächendeckende Abdeckung des Kantons mit Defibrillatoren und vor allem auch zur Bekanntmachung der Standorte an. Das Anliegen blitzte auch bei der Aargauer Regierung ab.

Die Vorbehalte: Selbst bei einer flächendeckenden Versorgung wäre ein erfolgreicher Einsatz von Defibrillatoren durch ungeschulte Laien in der bei einem Herzstillstand gebotenen Frist von wenigen Minuten alles andere als garantiert. Über 50 Prozent der Patienten erleiden einen Herzstillstand nicht an Orten mit Publikumsverkehr, sondern in den eigenen vier Wänden. Letztlich wäre nur die Ausstattung sämtlicher Gebäude mit Defibrillatoren zielführend, und das sei nicht finanzierbar.

Der Kanton setzt auf private Initiativen

Was eine Erfassung und Bekanntmachung der bestehenden Standorte betrifft, sah der Regierungsrat ebenfalls keinen Handlungsbedarf. Defibrillatoren sind weder bewilligungs- noch meldepflichtig, deshalb hat man keinen Überblick über vorhandene Geräte. Der Kanton setzt auf private Initiativen und verweist zum Beispiel auf die App «Lifesaver» oder das Portal «www.herzsicher.ch», wo Defibrillator-Standorte registriert werden können.

Das Angebot verbreitet sich allerdings nicht gerade in Windeseile. Sucht man zum Beispiel in Aarau via «Lifesaver» nach einem Defibrillator, ist der nächstgelegene Standort eine Drogentherapie-Einrichtung in Zürich. Auf «www.herz-sicher.ch» sind 34 Defibrillator-Standorte im Aargau zu finden – die Mehrzweckhalle in Fislisbach ist nicht darunter. (mou)

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1