Statistik-Serie Aargau

Wo die Leute gerne hinziehen – und von wo am meisten fortgehen

Wohin am meisten umgezogen wird im Aargau – und wohin nicht

Wohin am meisten umgezogen wird im Aargau – und wohin nicht

In einer zehnteiligen Serie verraten wir Ihnen mit interaktiven Karten und Grafiken interessante, überraschende und lustige Fakten und Zahlen über den Kanton Aargau. Heute Teil 2: Über das Umziehen.

Was muss eine Gemeinde haben, dass man gerne hinziehen würde? Und wann zieht man lieber weg? Diese Fragen lassen sich nicht generell beantworten. Was sich aber vielleicht mit Zahlen belegen lässt, ist, wo es die Leute im Aargau hinzieht – oder eben nicht.

Rund 30'000 Personen wechselten 2015 ihren Wohnort innerhalb des Kantons und machen damit den grössten Anteil aller Wanderungsbewegungen aus. Ja klar, man kann einfach mal behaupten: Es gibt eine Landflucht in die Stadt. Falsch!

Die nachfolgende interaktive Karte zeigt, welche Gemeinden durch Zu- oder Wegzüge wachsen oder schrumpfen. Und sie zeigt: Der Aargau ist grundsätzlich sehr beliebt und wächst mehrheitlich.

Bessere Ansicht für PC-Nutzer: Klicken Sie in der Grafik auf dieses Symbol Fullscreen, um die Karte in voller Grösse zu sehen.


Sie können zwei unterschiedliche Darstellungen wählen: (1) Absolute Zahlenund (2) relative Zahlen. Für eine aussagekräftige Karte wählen Sie jeweils nur einen Layer aus.

Grafik: Elia Diehl

Interaktive Karte: Wohin am meisten umgezogen wird im Aargau – und wohin nicht

Über 650'000 Menschen leben laut dem Statistischen Jahrbuch 2015 im viertgrössten Kanton der Schweiz. Den grössten Anteil am Wachstum hatte dabei nicht der Geburtenüberschuss, sondern der sogenannte Wanderungsüberschuss. Dieser entsteht, wenn die Zuzüge die Wegzüge zahlenmässig überwiegen. 

Top 5 und Flop 5

Die nachfolgende Grafik zeigt die Orte, in prozentual am meisten gewachsen sind (pro Einwohner) und welche am meisten abgezogen sind.

Grafik: Elia Diehl

Aargauer Top- und Flop-5: Zügeln

Die Gemeinde Uezwil im Bezirk Bremgarten ist, eingebettet in den beiden Ausläufern des Lindenberges, offenbar der beliebteste Zügel-Ort des Kantons. Laut dem statistischen Jahrbuch 2015 wurden 61 Personen neu in der 460-Seelen-Gemeinde begrüsst, 24 Menschen zogen weg. Das entspricht einer Veränderung von 37 Personen. Die Bevölkerung hat somit um stolze acht Prozent zugenommen, soviel wie nirgendwo im Aargau.

Was macht Uezwil für die Umzugswilligen so besonders oder ist das Ergebnis rein statistischer Zufall? Gemeindeschreiberin Brigitte Woodtli findet schnell eine Erklärung: «Wir haben keine 500 Dorfbewohner. Wenn bereits fünf Familien zu uns zügeln, wirkt sich das schnell auf die Statistik aus und kann Ergebnisse verzerren.»

Tatsächlich fällt auf, dass sich sowohl unter den beliebtesten als auch unbeliebtesten Zügel-Orten keine Gemeinde befindet, die mehr als 3000 Einwohner besitzt. Hinter Uezwil landen gemäss den Zahlen des statistischen Jahrbuchs 2015 bei den Top 5 die Gemeinden Birrwil (1078 Einwohner), Holderbank (1103 Einwohner), Hendschiken (1131 Einwohner), Fisibach (419 Einwohner) und Staufen (2757 Einwohner).

Heute wieder anders

Die Grafik zeigt, dass auch auf den hinteren Plätzen mit Bettwil (535 Einwohner), Mellikon (241 Einwohner), Mandach (308 Einwohner) und Wiliberg (165), der zweitkleinste Gemeinde des Kantons, Gemeinden mit tiefen Einwohnerzahlen vertreten sind (Stand 2014).

Nur rund 15 Autominuten von Spitzenreiter Uezwil entfernt, soll sich der unbeliebteste Zügel-Ort des Aargau befinden. Mit 26 Wegzügen und 15 Zuzügen bei einer Einwohnerzahl von damals 189 Personen (Stand 2014), führt Geltwil das Schlusslicht an. Auch in «Gältu», der kleinsten Gemeinde des Freiamts, ist man sich einig, dass die geringe Einwohnerzahl das Ergebnis verzerre und somit nicht allzu ernst zu nehmen sei.

In den neusten veröffentlichten Zahlen des Kantons sähe die Rangliste mit 13 Zu- und 12 Wegzügen bei 203 Einwohnern bereits wieder anders aus.

Freiamt durchaus attraktiv

Im regionalen Vergleich wächst das Freiamt prozentual gesehen sogar am stärksten. «Seit dem Autobahnanschluss nach Zürich durch den Uetliberg ist die Region attraktiver geworden», so Woodtli.

Investoren und Familien sind so vermehrt auf die Region aufmerksam geworden. Zu diesem Schluss komme auch der Sozialbericht des Kanton Aargau. Aufgrund der hohen Wohnungspreise in städtischen Zentren wie Zürich, wandere die Bevölkerung vermehrt in benachbarte Regionen ab. Der Aargau sei somit zu einem attraktiven Wohnort für Pendlerfamilien geworden.

 

 Mitarbeit: Sina Burger

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