Händewaschen

Wo der Kanton den Mitarbeitern das Warmwasser abstellt

Flüssigseife bleibt erlaubt, aber aus den Wasserhähnen in kantonalen Gebäuden im Kanton Aargau soll künftig nur noch kaltes Wasser fliessen zum Händewaschen. (Archivbild)

Flüssigseife bleibt erlaubt, aber aus den Wasserhähnen in kantonalen Gebäuden im Kanton Aargau soll künftig nur noch kaltes Wasser fliessen zum Händewaschen. (Archivbild)

Die Grüne Grossratsfraktion forderte, in Bauten des Kantons nur noch Kaltwasserhahnen zu installieren. Die Regierung antwortet: Das sei bereits umgesetzt, doch es gebe Ausnahmen.

Not macht bekanntlich erfinderisch, Geldnot sowieso. So hat die Grossratsfraktion der Grünen Ende Juni der Regierung einen erfinderischen Sparvorschlag unterbreitet. Auf Initiative von Hansjörg Wittwer – seines Zeichens Bauplaner – wurde ein Postulat mit folgendem Wortlaut eingereicht: «Der Regierungsrat wird beauftragt, die notwendigen Schritte zu unternehmen, dass in allen kantonalen und durch den Kanton finanzierten Gebäuden bei Renovationen und Neuinstallationen in den Toiletten kein Warmwasseranschluss für das Händewaschen mehr installiert wird.

Der Kanton kann Ausnahmen vorsehen (z. B. in Spitälern, Werkstätten usw.)». Wasser sei ein kostbares Gut, für dessen Aufbereitung man viel Energie benötige – und kaltes Wasser reiche doch in der Regel «gut aus, um die notwendigen Hygieneanforderungen zu erfüllen», begründeten die Grünen. Langfristig liessen sich so Kosten sparen.

Auf dem Campus bereits Realität

Gestern hat die Regierung nun den Vorstoss 16.144 beantwortet. Ihr Entscheid: «Entgegennahme unter gleichzeitiger Abschreibung». An die Adresse der Grünen heisst das so viel wie: Danke für den Tipp – aber ihr rennt damit offene Türen ein. In der Beantwortung schreibt der Regierungsrat, die zur Umsetzung erforderlichen Massnahmen seien «bereits implementiert».

Nur noch mit kaltem Wasser Hände waschen?

Nur noch mit kaltem Wasser Hände waschen?

Seit 6 Jahren werden in Ausbildungsstätten im Aargau nur noch Kaltwasser-Hähne verbaut. Nun ist dies auch für andere öffentliche Gebäude geplant.

Tatsächlich ist schon seit 2010 das Konzept «Nachhaltiges Bauen und Bewirtschaften» in Kraft. Seither «verzichtet der Kanton bei Neubauten, Gesamtsanierungen und Gesamterneuerungen von Sanitärinstallationen generell auf Warmwasseranschlüsse für das Händewaschen», erklärt Roland Hofer, Sprecher des Departements Finanzen und Ressourcen, auf Nachfrage. Als konkretes Beispiel führt er den Neubau des Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch an.

Doch es gebe Ausnahmen: etwa Duschanlagen, Küchen, Hauswirtschaftsräume und Räume mit spezifischen Betriebseinrichtungen wie Labors. Kalt duschen muss in Kantonsbauten also auch künftig niemand. Noch steht der Grundsatz nicht in allen Vorschriften. Die formale Ergänzung der kantonalen Immobilien-Standards erfolge bei der nächsten redaktionellen Überarbeitung.

Grüner lobt Regierung

Ist der Verzicht auf Warmwasser beim Händewaschen also grundsätzlich unproblematisch? Ja, sagt der Kanton. Für die Erreichung der Hygiene sei nicht die Temperatur entscheidend, sondern «der Einsatz von Seife, die Waschdauer und die Art und Weise des Waschvorgangs», lautet die saubere Antwort aus dem Departement von Regierungsrat Roland Brogli. Was hingegen noch unklar ist: Wie viel Energie und Geld man mit der Massnahme einsparen wird. Das Sparpotenziel könne «nicht seriös abgeschätzt werden», sagt Hofer. Entsprechende Messstellen seien nicht vorhanden und nicht üblich.

Und was sagt Postulant Wittwer zur knappen Stellungnahme des Regierungsrats? «Er hat gut reagiert», findet er, in wenigen Zeilen sei die richtige Antwort erfolgt. Für ihn als Bauberater sei der Verzicht auf Warmwasserhahnen eine Selbstverständlichkeit: «In Schulhäusern bauen wir sie längst nicht mehr ein.» Wittwer freut sich über die vielen Reaktionen, die er mit dem Vorstoss ausgelöst hatte. Und über jene, die ihn dafür belächelten, hat er selber ein lockeres Lächeln übrig: «Wir müssen uns bewusst sein, dass Wasser wertvoll ist, und warmes Wasser noch etwas wertvoller.»

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