Feiertage
Wo an Ostern die Aargauer Eier, Hasen und Forellen herkommen

Für viele bringt die Osterzeit etwas Freizeit – bei Eierfärbern, beim Schoggihasen-Hersteller und bei den Fischzüchtern läuft die Produktion in diesen Tagen hingegen auf Hochtouren.

Fabian Hägler
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Osterei, Schoggihase und Bioforelle
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Schoggihasen werden bei Chocolat Frey in Buchs in riesigen Mengen produziert, für das Ostergeschäft sind es sieben bis acht Millionen Stück. ZVG
Bio-Fischzüchter August Nadler aus Aarau Rohr nimmt frische Forellen aus dem Wasser – der Gründonnerstag ist sein umsatzstärkster Tag im Jahr. David Egger

Osterei, Schoggihase und Bioforelle

Alex Spichale

Sie gehören ganz einfach zu Ostern, die farbigen Eier, die draussen gesucht und danach «getütscht» werden. Gefärbt werden sie im Aargau zum Beispiel auf dem Geflügelhof Gisi in Mellingen. «Wir sind ein kleiner Betrieb», sagt Heidi Gisi, die zusammen mit ihrem Mann den Hof führt und für das Eierfärben verantwortlich ist. Die Bezeichnung «klein» ist allerdings relativ, werden in Mellingen doch rund 280 000 Eier für das Ostergeschäft gefärbt.

«Wir spritzen sie alle von Hand mit der Farbpistole und Lebensmittelfarben», sagt Heidi Gisi. Bestellt werden die Eier schon im Herbst bei mehreren regionalen Lieferanten, mit dem Färben beginnt das Team dann im Januar. Damit sind drei Mitarbeiter beschäftigt, zwei weitere packen danach die Eier ein. Verkauft werden die farbigen Ostereier aus Mellingen an Läden in der Region oder im Hofladen. «Es gibt auch sehr viele Kirchgemeinden, die Eier bei uns beziehen», sagt Gisi. Besonders beliebt bei Kindern seien knallige Farben wie Pink und Neongelb, sagt die Geschäftsführerin. «Wir können als kleiner Betrieb auch auf individuelle Farbwünsche eingehen, das ist sicher ein Vorteil gegenüber den Grossen, die maschinell färben.»

Wiederaufbau nach Brand

Auch in Veltheim, auf dem Hühnerhof von Susanne Blum, wurden bis letztes Jahr regelmässig Ostereier gefärbt. «Es waren zwischen 36 000 und 40 000, dies mit einer eigens konstruierten Färbemaschine», sagt Blum. Im Bereich dieser Maschine entzündete sich am 17. März 2015 die Farbe, die Folge war ein verheerender Grossbrand, bei dem 6300 Hühner starben und ein Schaden von einer Million Franken entstand.

Schon kurz nach dem Brand kündigte Susanne Blum an, ihren Betrieb wieder aufzubauen. Inzwischen sind die Pläne weiter fortgeschritten, wie sie auf Anfrage sagt. «Ich hoffe, dass ich im Mai ein Baugesuch einreichen kann.» Es seien noch einige Fragen zu Auflagen und Genehmigungen zu klären, sie sei aber zuversichtlich, dass die Baueingabe klappe.

Ein Hase für jeden Schweizer

Eier für Ostern produziert auch Chocolat Frey in Buchs – sie sind aus Schokolade, gepunktet und bei der Kundschaft sehr beliebt. Das süsse Ostersymbol schlechthin ist aber der Schoggihase. «Wir produzieren praktisch für jede Schweizerin und jeden Schweizer einen Osterhasen», sagt Pascale Buschacher, Leiterin Unternehmenskommunikation. Der Produktionsbetrieb der Migros ist die Nummer 1 im süssen Ostergeschäft und stellt jedes Jahr zwischen 7 und 8 Millionen Schoggihasen her. Die Produktion beginnt im Spätsommer, vier bis fünf Monate lang laufen die Osterhasen vom Band. Der schwerste Frey-Hase wiegt 850, der leichteste gerade einmal 18 Gramm. Das gesamte Ostersortiment umfasst 135 Produkte, dafür werden 2206 Tonnen Schokolade verarbeitet.

Chocolat Frey produziert seit mehr als 100 Jahren Schokolade-Osterhasen, am beliebtesten bei der Kundschaft sind auch heute noch die Modelle aus Milchschokolade. Pascale Buschacher sagt aber: «Unsere farbigen Hasen mit Namen Funny, Sunny, Lucky, Shiny und Happy sind ein grosser Trend.»

60 Prozent beissen in die Ohren

Ob farbig oder nicht – am Ende geht es den meisten Schoggihasen an den Kragen. Oder besser gesagt an die Ohren, wie eine Umfrage von Chocolat Frey vor drei Jahren zeigte. Demnach beissen rund 58 Prozent der Konsumenten dem Hasen zuerst in die Löffel. Weit seltener als der Biss in die Hörorgane ist es, den Hasen zu zerschlagen (14,6%), den Kopf (13,7%) oder Stück für Stück (12,5%) abzubrechen. Die repräsentative Umfrage zeigte auch: In der Schweiz gibt es einen Hasengraben. Die Westschweizer greifen demnach deutlich häufiger zum Hammer: Dort zerschlagen fast doppelt so viele (21,4%) ihren Osterhasen wie in der Deutschschweiz (12,4%).

Vorbildlich ist, dass 87 Prozent der Schweizer, die nicht alle oder nicht den ganzen Osterhasen essen konnten, diese weiterverwenden: Übrig gebliebene Hasen werden entweder weiterverarbeitet, verschenkt, eingefroren oder anderweitig weiterverwendet. Die meisten landen laut Umfrage im Kochtopf, darin verwandeln sie etwa 41 Prozent von Herr und Frau Schweizer zu Schokoladekuchen oder -crème. Oft werden die Schokoladeprodukte auch weiterverschenkt (28%), weniger beliebt ist einfrieren (6,4%).

Osterhasen-Recycling bietet Chocolat Frey übrigens nicht an, die Firma nimmt keine Osterhasen zurück, die im Verkauf angeboten wurden. «Die Vorstellung, dass Osterhasen wieder eingeschmolzen werden, um dann ein zweites Leben als Weihnachtsmänner zu führen, ist falsch», heisst es in einer Medienmitteilung des Unternehmens.

Aargauer Fisch für Karfreitag

Ostereier und Schoggihasen werden bis Sonntag verkauft – und sogar darüber hinaus, dann einfach mit Rabatt. Anders sieht dies bei den einheimischen Fischen aus: Der umsatzstärkste Tag in den Fischzuchten im Aargau ist morgen Gründonnerstag, schliesslich gilt Fisch als traditionelles Fastengericht am Karfreitag. Davon gibt es mehrere im Kanton, eine ist die Bio-Fischzucht von August Nadler und seiner Frau in Aarau Rohr. Sie haben ihren Betrieb vor 15 Jahren auf Bio umgestellt, sind mit dem Knospe-Label zertifiziert und beliefern unter anderem Coop. Im Vergleich zu herkömmlichen Fischzuchten brauchen die Tiere deutlich länger – 18 statt 12 Monate – bis sie ihr Schlachtgewicht von 250 bis 300 Gramm erreichen.

Die Regenbogenforellen, Bachforellen und Saiblinge schwimmen in einem Bach aus glasklarem Grundwasser, den sogenannten Giessen, woher auch die Stadt Aarau ihr Trinkwasser bezieht. Gefüttert werden die Tiere mit Fischmehl, dazu kommen Ballaststoffe aus Getreide und Fett aus Fischtran. Aufgrund der Bio-Vorgaben verzichten die Züchter vollständig auf Antibiotika. Nadler liefert nicht nur an Coop, sondern verkauft seine Biofische auch direkt. Wer eine Vorbestellung macht, erhält eine fangfrische Forelle, die erst am Abholtag aus dem Wasser geholt, gewürzt und in Alufolie verpackt wird.

Auch Thomas Rüppel, der Inhaber der Fischzucht Bremgarten, registriert vor Ostern eine grosse Nachfrage. «Wir verkaufen 80 Prozent der Produktion über Coop, den Grosshändler Bianchi in Zufikon und weitere Läden in der Region», sagt Rüppel. Doch in der Karwoche kommen viele Kunden direkt in Bremgarten vorbei, um frischen Fisch zu kaufen. «Es sind jeweils 500 bis 600 Leute am Donnerstag und Karfreitag, die Nachfrage nach einheimischem Fisch ist gross», sagt Rüppel. In den Becken der Zuchtanlage schwimmen Tausende von Bach- und Regenbogenforellen. «Im Ostergeschäft verkaufen wir rund zwei Tonnen, das sind etwa 6000 Fische.»