Outlook

Wirtschaftsausblick im Aargau: Leerwohnungen bereiten Sorgenfalten, aber noch keine Angst

UBS, Kanton und Handelskammer schauen mit 600 Gästen in Aarau in die nahe Zukunft der Aargauer Wirtschaft. Und lernten von einem Hacker-Opfer.

Einmal im Jahr laden die UBS Aargau/ Solothurn, die Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK) und die Standortförderung des Kantons zum gemeinsamen Vorausschauen – oder eben zum «Outlook», wie man das in der Wirtschaftssprache nennt.

Unter dem Titel «Aus erster Hand» informieren Experten über Themen ihres Fachs. Das Kultur- und Kongresshaus Aarau ist jeweils voll, auch am Montagabend kamen über 600 Zuhörer.

AIHK-Präsidentin Marianne Wildi blickte als erste voraus und tat dies mit einem kurzen Rückblick: Die AIHK-Mitglieder seien «sehr optimistisch», wie sich in der jüngsten Wirtschaftsumfrage der Handelskammer gezeigt habe. Sie hätten den Kostendruck des harten Frankens «irgendwie durch harte Arbeit überstanden».

Regierungsrat Urs Hofmann schloss sich dem Lob an. Als traditioneller Industriekanton dürfe der Aargau «zurecht stolz sein» auf seine Unternehmen, die sich an veränderte Bedingungen anzupassen wüssten und immer wieder neue Arbeitsplätze schüfen.

Doch auch starke und gesunde Banken brauche es für einen dynamischen Wirtschaftsstandort. «Die UBS und die weiteren Banken im Kanton sind sich ihrer Bedeutung für den Aargau bewusst und nehmen ihre Verantwortung wahr», sagte Hofmann.

Er hoffe, dass Kalt die positiven Signale, die er in den letzten Wochen gehört habe, bestätigen könne. Mit Kalt meinte Dr. Urs Hofmann Dr. Daniel Kalt, Chefökonom und Chief Investment Officer Schweiz bei der UBS. Schon 2013 war der Aargauer als Referent am «Outlook» im KuK. Damals sagte er voraus, «dass uns die Eurokrise noch lange beschäftigt». Das trat ein.

Viele Leerwohnungen im Aargau

Doch jetzt gebe es wieder «Rückenwind für die Schweizer Wirtschaft», konnte Kalt diesmal Entwarnung geben. Der Kurs entwickle sich langsam Richtung 1.20. «Die Überbewertung des Frankens hat sich mittlerweile abgebaut und ist wieder auf einem normalen Wert angekommen.»

Das sorge unter anderem dafür, dass auch wieder mehr Touristen aus dem Ausland in die Schweiz kämen. Kalt sieht «eine grundsätzlich positive Grunddynamik».

Zu viel Euphorie wollte er jedoch nicht verbreiten. Angst vor einem neuen Abwärtstrend müsse man zwar noch keine haben. Doch Donald Trump müsse man als potenzielles Risiko im Auge behalten.

«Er zettelt möglicherweise einen neuen Handelskrieg an. Wir werden sehen, ob er die Chinesen weiter angreift oder ob er als Nächstes beispielsweise auf die europäischen Autohersteller losgeht.» Im Auge behalten müsse man auch die Zentralbanken mit ihrer Zinspolitik. Aus dem aktuellen Negativzinsumfeld stehe uns noch «ein beschwerlicher Weg» bevor.

Im Aargau bereitet Kalt der Immobilienmarkt Sorgenfalten. Es bestehe ein Überangebot im Wohnungsmarkt, und trotzdem werde weiter fleissig gebaut. Als konkrete Beispiele nannte Kalt Oftringen oder Rheinfelden. Er wolle «den Teufel nicht an die Wand malen», betonte Kalt, «doch es entstehen im Aargau gewisse Ungleichgewichte».

88 000 Franken abgezügelt

«Jeder kennt jemanden, der irgendwie betroffen ist», leitete UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder zum zweiten Thema des Abends über: Hackerangriffe. Stefano Zoratti vom internationalen Kaffeehändler Blaser musste dies selber erleben.

Als Blaser 2016 via einen deutschen Agenten eine Partie Kaffee bei einem Händler in Papua-Neuguinea kaufte – ein eigentlich alltägliches Geschäft – kam das überwiesene Geld nie an. Bei Nachforschungen stellte sich heraus, dass Hacker ins System des Agenten eingedrungen waren, per Mail Blaser eine andere Bankverbindung durchgegeben und so 88 000 Franken abgezügelt hatten.

Eine Vergleichsverhandlung mit dem Agenten läuft noch. Auf dem finalen Podium waren sich IT-Experten von Swisscom, ETH und InfoGuard einig: Die grösste Schwachstelle sei nach wie vor der Mensch. Es brauche mehr Bewusstsein und Sorgfalt in den Unternehmen.

Autor

Mario Fuchs

Mario Fuchs

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