Der neuste Gemeindeinfrastrukturbericht des Kantons nimmt sich nebst vielem anderen der Frage an, wie sich die Steuerfüsse fusionierter Gemeinden von 2006 bis 2017 entwickelt haben. Der Zeitraum gerade für erst jüngst fusionierte Gemeinden ist kurz, ein abschliessendes Urteil noch nicht möglich. Die Daten zeigen aber einen Trend.

«Bei Gemeindezusammenschlüssen wird in den meisten Fällen der tiefste Steuerfuss der sich zusammenschliessenden Gemeinden übernommen», sagt Yvonne Reichlin, Leiterin der Gemeindeabteilung des Kantons.

«Zum andern hatten von den 31 an einer Fusion beteiligten Gemeinden 20 Ortsteile im Jahr 2017 immer noch einen tieferen Steuerfuss als vor dem Zusammenschluss. Fünf Ortsteile hatten einen gleich hohen, sechs Ortsteile einen höheren Steuerfuss als vor dem Zusammenschluss.»

Noch etwas fällt auf: Bei bevölkerungsmässig kleinen Gemeinden und bei Gemeinden von unterschiedlicher Grösse können die Entlastungen bei den Verwaltungskosten stark durchschlagen, so Reichlin. Kleine Gemeinden haben nämlich vergleichsweise hohe Pro-Kopf-Kosten in der Verwaltung, die sich bei einer Fusion reduzieren lassen. Je nach Konstellation, sagt Reichlin weiter, können sich auch Entlastungen in anderen Bereichen ergeben, zum Beispiel bei Feuerwehr oder Schulen.

Nachhaltigkeit noch offen

Für Renate Gautschy, langjährige Frau Gemeindeammann von Gontenschwil, und Präsidentin der kantonalen Gemeindeammännervereinigung (GAV), steht angesichts des kurzen Zeithorizonts nicht fest, wie nachhaltig sich die Steuerfüsse der Fusionsgemeinden entwickeln, insbesondere auch wie nachhaltig Fusionen generell sein werden. Sie sagt: «Fusionszustüpfe können auch Gelüste auslösen.»

In den ersten vier Jahren bekommen die meisten Fusionsgemeinden Übergangsbeiträge des Kantons, die – politisch gewollt – manches abfedern. Gautschy: «Der Kanton leistet hier einen Zustupf für den Prozess und zur Verbesserung der Ausgangslage. Da die meisten Gemeinden nicht in einer Komfortzone leben, ist das sehr gerechtfertigt.» Fusionierte und damit grössere Gemeinden müssten schliesslich auch grössere Aufgaben bewältigen.

«Aber», so Gautschy, «die, die schon länger fusioniert haben, konnten sich inzwischen festigen und optimieren.» Das heisse nicht immer, dass sofort alles günstiger werde. Um sich für die Zukunft bestmöglich aufzustellen, müssten manche anfänglich gar vermehrt investieren. Die Früchte könne man erst nach Jahren ernten. Eins könne man aus den bisherigen Erfahrungen sicher ableiten, gerade am Beispiel Aarau/Rohr: «Wenn ein reicher, grösserer Partner mit einem kleineren, weniger gut situierten zusammengeht, kann der reichere den anderen gut auffangen.»

Es kann aber durchaus auch sein, dass der kleinere Partner anfänglich noch unbekannte verborgene Schätze mitbringt, wie zum Beispiel Land, Wasser, ideale Verkehrsanschlussmöglichkeiten usw., sagt Gautschy. Umgekehrt sieht sie es als grosse Herausforderung, wenn zwei nicht auf Rosen gebettete Gemeinden zusammengehen: «Solche Gemeinden bewundere ich.»

Wie eine Fusion herauskommt, das hänge von vielen Faktoren ab: «Entscheidend ist ganz sicher der respektvolle Umgang miteinander, damit bei der Bevölkerung Sicherheit und Vertrauen entstehen kann.» Richtig findet Gautschy, dass der Kanton Fusionen nicht pusht, sondern einfach bei der Entscheidfindung Hilfe anbietet: «So kann man frei entscheiden, ob man fusionieren will, weil sie über das Ganze gesehen Sinn macht und man nicht genötigt wird.»

Minimal Status quo

Im Hinblick auf Fusionen werden die Finanzpläne der Zukunftsgemeinde jeweils sehr sorgfältig ausgearbeitet. Würde die Finanzplanung zeigen, dass mit der Fusion keine finanziellen Vorteile resultieren beziehungsweise nicht mindestens der Status quo erreicht werden könnte, so würde wohl keine Fusion realisiert, ist Yvonne Reichlin überzeugt.

Doch: Die Welt stehe nicht still, «und es können Entwicklungen einsetzen, die eine Steuerfusserhöhung nötig machen».
Gründe dafür können beispielsweise hohe Investitionen in Infrastrukturanlagen sein. Auch können Gründe, welche in keinem Zusammenhang mit der Fusion selbst stehen, zu einer Steuerfusserhöhung führen, etwa durch Mehrkosten im Asyl- und Sozialwesen sowie im Pflegebereich.