«Wir müssen uns öffnen»

Merken
Drucken
Teilen

Die Badener Kommunikationsberaterin Marianne Binder ist seit 2016 Präsidentin der CVP Aargau. Letztes Jahr wurde sie in den Nationalrat gewählt und trat nach sechs Jahren aus dem Grossen Rat zurück.

Welchen Wähleranteil und wie viele Sitze erreicht die CVP bei den Wahlen?

Die CVP-Fraktion hat 19 Sitze. Zwei mehr als zu Beginn der Legislatur. Diese Sitzzahl wollen wir behalten und damit auch den Wähleranteil wesentlich steigern.

Was erhoffen Sie sich davon, dass mit der BDP eine Mittepartei weniger zu den Wahlen antritt? Kann die CVP deren Wähler gewinnen?

Mit den Listen CVP Die Mitte und verschiedenen ehemaligen Kandidierenden der BDP binden wir die BDP-Basis ein, si­gnalisieren aber auch Öffnung über die Wahlen hinaus für viele weitere Mitte-Wähler.

Eine starke Mitte ist Programm – die Partei soll in Zukunft «Die Mitte» heissen, das C verschwinden. Goutieren das Ihre Wählerinnen und Wähler?

Sieht man die Entwicklung der CVP der letzten vierzig Jahre, kann man ja sehen, wie die Wählerinnen und Wähler das C goutieren. Gemäss Umfragen würden viele CVP wählen, meinen aber, man müsse bei uns katholisch sein oder fühlen sich durch eine konfessionell konnotierte Partei nicht abgeholt. Da kann man jammern, aber für mich ist es klar: Die CVP hat als grosse staatstragende Partei die Schweiz geprägt. Ihre Funktion als vereinende Kraft ist nicht ­Geschichte, sie muss Zukunft haben. Wir müssen uns öffnen.

Welches war der grösste Erfolg der Aargauer CVP in den letzten vier Jahren?

Dass wir bei den nationalen Wahlen den Abwärtstrend von vierzig Jahren stoppten und um 1,3 Prozent zulegten.

Was die grösste Niederlage?

Dass wir bei den letzten Grossratswahlen in zwei Bezirken einen Sitz verloren. Dies trotz hohem Wähleranteil und Spitzenresultaten unserer Exponenten. Aber das ist halt das System des Herrn Pukelsheim. Ich bin Politikerin, er Mathematiker. Wir verstehen uns da nicht ganz.

Was ist das Ziel der Partei für die nächsten vier Jahre?

Die Öffnung der Partei voranzutreiben, um viele neue Mitte- Wähler zu gewinnen.

Sie sind aus dem Grossen Rat ausgetreten, stehen also nicht zur Wahl. Haben Sie trotzdem etwas Wahlfieber oder sind Sie entspannt?

Ich bin Kantonalpräsidentin, also im Wahlfieber. Es liegen intensive und herausfordernde Zeiten vor und hinter uns. Ich bin beeindruckt, einmal mehr, was in der CVP miteinander geleistet wird. (eva)