TV-Debatte

«Wir können Sie nicht als dumme Kuh bezeichnen»: Der CVP fehlt im Kampf ums Stöckli das Feindbild

Die erste TV-Debatte zum Aargauer Ständeratswahlkampf

Die wichtigsten Momente der ersten TV-Debatte zum Aargauer Ständeratswahlkampf.

Bei der ersten TV-Debatte zum Ständeratswahlkampf schielten Linke und Rechte zur Mitte – und die CVP auf beide Seiten.

Wer ist geeignet für den Ständerat, wer hat die besten Chancen? Diese zwei Fragen standen im TalkTäglich bei Tele M1 im Fokus. Hansjörg Knecht, der als SVP-Kandidat feststeht, Andre Rotzetter, der den CVP-Wahlkampf organisiert, und Gabriela Suter, die seit kurzem die SP Aargau präsidiert, diskutierten dies mit Moderator Kaspar Loeb.

Dieser wollte von Knecht wissen, warum er nach der Niederlage gegen Philipp Müller 2015 nun der richtige Kandidat sei. Der SVP-Nationalrat antwortete, er sei Unternehmer und wolle etwas bewegen. Knecht gab sich moderat und versprach, er würde sich dafür einsetzen, «dass alle genügend Arbeit haben und einen gerechten Lohn dafür erhalten».

Für einen Ständeratssitz muss der SVP-Mann in der Mitte Stimmen holen, wie dies SP-Frau Pascale Bruderer gelang. Knecht verwies darauf, dass er bei den Nationalratswahlen 2015 am zweitmeisten Stimmen auf der SVP-Liste erhalten habe. Ganz staatsmännisch merkte der Kandidat an, er sei hart in der Sache, aber sehr konsensfähig.

CVP tritt mit nur 8,5 Prozent an

Mit einem Wähleranteil von 38 Prozent im Jahr 2015 kann die SVP auf eine starke Basis bauen. Bei der CVP sieht dies mit lediglich 8,6 Prozent anders aus – trotzdem wolle man nächstes Jahr mit einer Ständeratskandidatur antreten, sagte Wahlkampfleiter Andre Rotzetter. «Es geht nicht darum, wie viele Stimmen die Partei macht, sondern wie gut man akzeptiert wird über das eigene Lager hinaus», hielt er fest.

Nur einer sitzt gemäss seiner politischen Ausrichtung richtig: Andre Rotzetter (CVP-Wahlkampfleiter, Mitte), Hansjörg Knecht (SVP-Kandidat, links, politisch rechts), und Gabriela Suter (SP-Präsidentin, rechts, politisch links) im Fernsehstudio.

Nur einer sitzt gemäss seiner politischen Ausrichtung richtig: Andre Rotzetter (CVP-Wahlkampfleiter, Mitte), Hansjörg Knecht (SVP-Kandidat, links, politisch rechts), und Gabriela Suter (SP-Präsidentin, rechts, politisch links) im Fernsehstudio.

Rotzetter lobte die nicht mehr antretende Pascale Bruderer und sagte, die SP-Ständerätin hätte «in vielen Fällen auch bei der CVP politisieren können».

Es gebe in der Politik einen linken und einen rechten Block, dazu einen Block in der Mitte, dessen Kandidaten holten auf beiden Seiten ihre Stimmen.

Ob die CVP dies für den Ständerat mit Parteipräsidentin Marianne Binder versucht, wollte Rotzetter noch nicht bekannt geben.

SP-Präsidentin: nicht zu links

Von links zur Mitte schielt die SP, wobei Kantonalpräsidentin Gabriela Suter betonte, in ihrer Partei gebe es auch nach dem Verzicht von Pascale Bruderer noch überparteilich mehrheitsfähige Personen. «Wir haben zum Beispiel sehr gut gewählte Leute im Nationalrat». Moderator Loeb konterte, dass sowohl Yvonne Feri, die ihr Interesse an einer Kandidatur angemeldet hat, als auch Cédric Wermuth, der sich bedeckt hält, zu weit links stünden, um bürgerliche Stimmen zu erhalten.

Die neue SP-Aargau-Präsidentin sieht dies anders. «Ich empfinde Yvonne Feri als sehr eingemittet in der SP», hielt Gabriela Suter fest. Letztlich müsse die Wählerschaft aber entscheiden, ob sie eine linke Vertretung aus dem Aargau im Ständerat wolle.

Kampf ums Stöckli

Kampf ums Stöckli im Aargau: Sehen Sie hier die erste TV-Debatte zu den Ständeratswahlen in voller Länge.

Die Sache mit der «dummen Kuh»

Etwas lebhafter wurde der Talk im zweiten Teil, als es zum Pingpong zwischen links und rechts kam. Suter bezeichnete Knecht als konservativen, rückwärtsgewandten Politiker, was dieser nicht stehen liess. «Ich bin schon für Neues, aber nur, wenn es besser ist als Altes.»

CVP-Wahlkampfleiter Rotzetter kam kaum zu Wort, hielt danach aber fest, seine Partei gewinne im Aargau fast jede Abstimmung. Nicht gewählt werde die CVP, weil sie kein Feindbild habe, «wir können nicht sagen, das ist eine dumme Kuh», sagte er mit Seitenblick auf die verdutzte Gabriela Suter, «oder er ist nur rückwärtsgewandt» mit Kopfdrehung zu Hansjörg Knecht.

Rotzetter liess sich gar auf die gewagte Prognose hinaus, SP und SVP würden bei den Ständeratswahlen jeweils rund 30 Prozent der Stimmen holen, gewinnen werde aber eine Mittekandidatur.

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