Wahlen

«Wir haben starke Frauen gesehen, das macht Mut» — Frauenzentrale Aargau lädt Grossratskandidatinnen ein

Am Donnerstag trafen sich Grossrätinnen und Grossratskandidatinnen, um die zukünftigen Aargauer Politikerinnen zu stärken. Organisiert wurde der Anlass von der Frauenzentrale Aargau. Der Einladung folgten 30 Frauen.

Die Organisation Frauenzentrale Aargau hat die amtierenden Grossrätinnen und die neu antretenden Kandidatinnen eingeladen, um mit ihnen eineinhalb Monate vor den Wahlen die Förderung von Frauen in der Politik zu diskutieren.

Gefolgt sind der Einladung längst nicht alle Eingeladenen, aber 30 Frauen kamen so am Donnerstagabend im Grossratssaal zusammen. «Wir wollen mindestens 50 Prozent Frauen im Grossen Rat», forderte einleitend Marlene Campiche, Geschäftsführerin der Frauenzentrale. Und Grossratspräsidentin Edith Saner dankte allen Kandidatinnen für ihren Mut, sich an den Wahlen zu beteiligen.

Als Politikerin nicht immer ernst genommen

Mit Christiane Guyer (Grüne), Patricia Hegglin und Cybel Dickson (beide Juso) pochten auch drei der fünf Regierungskandidatinnen auf die Wichtigkeit eines Regierungssitzes in Frauenhand. «In 200 Jahren hatten wir nur drei Frauen in der Aargauer Regierung», mahnte Patricia Hegglin. Für Christiane Guyer wäre eine Frau im Regierungsrat eine «Bereicherung», wie sie sagte: «Ich will die fehlende Frauenperspektive und Frauenthemen einbringen», so die Stadträtin von Zofingen. «Für uns war es wichtig, dass wir nicht nur als Frauen kandidieren, sondern auch, weil wir viel verändern wollen», sprach Cybel Dickson aber auch an, dass sie nicht nur fürs Frausein, sondern auch für ihre Politik gewählt werden will.

Danach eröffnete Marlene Campiche die Fragerunde. Die Grossrätinnen erklärten den neu Antretenden, wie die Arbeit in den Fraktionen aussieht und wie man Unterstützung für einen Vorstoss findet. Doch es kamen auch spezifische Anliegen der Frauen zur Sprache. Ob es denn schon verbale Angriffe auf Frauen im Parlament gegeben habe, wollten die «Neuen» wissen. Dies zwar nicht, antwortete Gertrud Häseli von den Grünen, die Frauen würden jedoch häufig nicht gleich ernst genommen. GLP-Grossrätin Renata Siegrist erinnerte an einige scharfe Angriffe auf alt Regierungsrätin Susanne Hochuli. Auch die Vereinbarkeit von Politik, Arbeit und Familie wurde rege diskutiert. SP-Grossrätin Simona Brizzi erzählte, wie sie schweren Herzens nach der Geburt ihrer Zwillinge aus dem Grossen Rat zurücktrat, weil die Zeit fehlte. Als gut vereinbar mit dem Familienleben sieht hingegen Suzanne Marclay von der FDP das Mandat, wünschte sich aber mehr Frauensolidarität, wie sie sagte. Die CVP-Grossrätinnen Edith Saner und Maya Bally fanden dagegen, dass man nicht partout jedes Frauenanliegen unterstützen müsse, wenn man nicht damit einverstanden sei.

«Egal, wie es rauskommt: Bleibt dran!»

Marlene Campiche sieht den Mehrwert des Anlasses gerade in diesem Erfahrungsaustausch. «Wir haben starke Frauen gesehen, das macht Mut», fühlte sich etwa Magi Keller aus Gontenschwil für ihre Kandidatur für die Grünen bestärkt. Daniela Kramer aus Tägerig, die für die SVP antritt, ärgerte sich über die unterschiedliche Wahrnehmung von Politikerinnen und Politikern: «Die Männer sind die coolen Typen, und bei den Frauen fragt man: Wie bringt sie alles unter einen Hut?» Und SP-Kandidatin Eva Marti aus Ennetfelden störte sich am Vorwurf, dass die Frauen sich nicht wählen lassen wollten: Dies sei wegen Familie, Beruf und traditionellen Rollenbildern halt nicht immer möglich. «Egal, wie es rauskommt: Bleibt dran!», gab Campiche den neu antretenden Kandidatinnen denn auch mit auf den Weg.

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