Zofingen
«Wir haben regelmässig Bilder von Wildschweinen in unserer Fotofalle»

Momentan ist Jagdzeit. Doch für einmal ist die Spaziergängerin Regula Wildi im Kölliker Wald die «Gejagte». Zusammen mit ihren beiden Hunden wurde sie von einer Rotte Wildschweinen überrascht.

Raphael Nadler
Merken
Drucken
Teilen
Eine Wildschweinbache beschützt ihre Frischlinge auch mit dem Leben, da ist es für die Menschen ratsam, auf sichere Distanz zu gehen.

Eine Wildschweinbache beschützt ihre Frischlinge auch mit dem Leben, da ist es für die Menschen ratsam, auf sichere Distanz zu gehen.

shutterstock
«Es war, als würde eine Gruppe Pferde vorbeigaloppieren», Regula Wildi begegnete einer Rotte Wildschweinen im Wald.

«Es war, als würde eine Gruppe Pferde vorbeigaloppieren», Regula Wildi begegnete einer Rotte Wildschweinen im Wald.

Zofinger Tagblatt

«Seit 16 Jahren habe ich nun Hunde und bin täglich im Kölliker Wald unterwegs», sagt Regula Wildi. «Doch so etwas habe ich zuvor noch nie erlebt.» Am Mittwochmorgen, um acht Uhr, war sie mit ihren beiden Hunden Lana und Jolly im Wald zwischen Kölliken und Safenwil unterwegs, als sie eine Pause einlegte, um ihren Schrittzähler zu kontrollieren. «Im gleichen Moment rannte aus dem Dickicht heraus eine Gruppe Wildschweine an mir vorbei», erzählt die 39-Jährige. «Ich bin total erschrocken, denn ich wusste gar nicht genau, was passiert. Es war, als würde eine Gruppe Pferde an uns vorbeigaloppieren.»

Bis sie realisierte, was genau passiert war, war alles schon vorbei. Fast jedenfalls, denn die junge Jolly spielte die Mutige und rannte den Wildschweinen hinterher. «Alles Rufen nützte nichts», erzählt Regula Wildi weiter. «Erst nach einer gewissen Zeit kam mein Hund zurück. Unversehrt zum Glück.» Die ältere Lana zeigte sich unbeeindruckt und blieb artig bei ihrer Herrin stehen.

Helfen bei der Verjüngung

Was Regula Wildi und ihre beiden Hunde auf ihrem Spaziergang erlebten, ist nicht selten, wie mehrere Wildhüter übereinstimmend erklären. «Es sind meist Tiere, die weiterziehen», erzählt Peter Suter, Jäger und Förster aus Kölliken. «Standwild hat es hier keines.» Er selbst hat in den letzten zwei bis drei Jahren des Öftern Spuren von Wildschweinen im Wald zwischen Kölliken und Safenwil gefunden und bezeichnet die Anzahl als «langsam zunehmend». Selbst ist Peter Suter noch nie lebenden Wildschweinen in diesem Gebiet begegnet.

Als Chef des Forstbetriebs Kölliken-Safenwil hat er keine Probleme mit Wildschweinen, er begrüsst ihren Aufenthalt im Wald sogar: «Wenn sie bei der Nahrungssuche den Waldboden aufbrechen, hilft das der Naturverjüngung.» Im Gegensatz dazu haben Bauern und Landbesitzer keine Freude, wenn die Schwarzkittel, wie die Wildschweine umgangssprachlich und in der Jägersprache auch genannt werden, zu Besuch kommen. Sie können beim Durchwühlen des Bodens erheblichen Schaden auf landwirtschaftlichen Nutzflächen verursachen, denn sie fressen alle Feldfrüchte und Getreidesorten besonders gerne.«Es ist nicht ungewöhnlich und überrascht keineswegs, dass Wildschweine nördlich der Autobahn gesichtet werden», sagt Ernst Steiner, Betriebsleiter des Forstbetriebs Region Zofingen.

«Die Tiere kommen in der Regel vom Jura her und werden dann auf ihrem Weg nach Süden durch den Wildschutzzaun an der Autobahn aufgehalten.» In der Region Zofingen werden deshalb südlich der Autobahn nur sporadisch Wildschweine beobachtet. «In letzter Zeit wandern aber Wildschweine von Südwesten her in den nordwestlichen Teil des Kantons Luzern ein», sagt Steiner weiter und bestätigt damit Aussagen von Wildhütern im Suhrental.

Einmarsch aus Luzern

«Ich habe im letzten Jahr eine Wildsau in unserem Revier gesehen», sagt Roger Steiner, Jagdaufseher aus Kirchleerau. «Im Luzerner Surental nahm die Population in den letzten Jahren stetig zu und es wurden dort auch schon mehrere Tiere geschossen», weiss Roger Steiner.

Das ist zu tun

Wildschweine sind nur in Extremfällen gefährlich, erklären die regionalen Jagdaufseher. Wer sie antrifft, soll sich unauffällig und ruhig verhalten und sich den Tieren nicht nähern und schon gar nicht entgegenstellen. Dies ist vor allem dann angebracht, wenn es sich um eine Rotte aus Mutter- und Jungtieren handelt. Gefährlich sind auch verletzte Tiere, denn sie sind besonders aggressiv und greifen immer wieder an. In diesem Fall sollte umgehend die Polizei unter 117 oder der Wildhüter kontaktiert werden. (ran)

«Es dürfte deshalb nur noch eine Frage der Zeit sein, bis diese Tiere auch südlich der Autobahn auftauchen», ist der Zofinger Ernst Steiner überzeugt. «Wir haben regelmässig Bilder von Wildschweinen in unserer Fotofalle», sagt Hans Eichelberger, Jagdaufseher im Revier 171 Aarburg-Oftringen. «Zurzeit sind es zwei Bachen mit rund zehn Frischlingen.»

Was rät der Jäger beim Kontakt mit Wildschweinen? «An diesem Anblick sollte man sich erst einmal erfreuen und ihn geniessen», sagt Jagdaufseher Roger Steiner aus Kirchleerau. «Denn, wer auf den Waldwegen bleibt, begegnet nur in ganz seltenen Fällen Wildschweinen.»

Zum Geniessen blieb Regula Wildi aus Kölliken letzte Woche wenig Zeit, denn zum einen war sie total erschrocken, als sie die Wildschweine sah und zum andern dauerte es nur einige Sekunden, bis die Tiere wieder verschwanden.