Susanne Hochuli
«Wir haben Frau Hochuli keinen Maulkorb verpasst»

Die Organisatoren des Feldschiessens wollten die Aargauer Militärdirektorin Susanne Hochuli erst nicht auftreten lassen. Das stimme so nicht, sagt Verbandspräsident Victor Hüsser. Und man habe Hochuli vor negativen Reaktionen schützen wollen

Fabian Hägler
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Susanne Hochuli und Victor Hüsser.

Susanne Hochuli und Victor Hüsser.

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Herr Hüsser, warum wollten die Aargauer Schützen Frau Hochuli am Kick-off zum Feldschiessen nicht reden lassen?

Victor Hüsser: Es war die Absicht von Feldschiessen-Chef Werner Stauffer, dieses Jahr andere Personen zu berücksichtigen. Auf der ersten Rednerliste waren neben Grossratspräsident Thierry Burkart und Nationalrätin Sylvia Flückiger keine weiteren Namen aufgeführt, sondern nur Vertreter aus Politik und Militär.

Victor Hüsser

Seit Ende März ist Victor Hüsser aus Rudolfstetten der höchste Aargauer Schütze. Der bisherige Vizepräsident übernahm die Führung des Aargauischen Schiesssportverbandes vorerst für ein Jahr. Hüsser folgte damit auf Werner Häusermann, der am 5. März verstorben war.

Kreiskommandant Rolf Stäuble und das Departement Hochuli sagen, die Militärdirektorin habe bisher immer eine Rede gehalten am Feldschiessen. Warum wurde Hochuli nicht informiert, dass sie diesmal nicht zum Zug kommen sollte?

Ich weiss nichts von einer Abmachung, dass Frau Hochuli dieses Jahr eine Ansprache halten sollte. Dass die definitive Rednerliste, wo Frau Hochuli nicht draufstand, nicht bis zu ihr gelangt ist, war sicher ein Fehler. Damit wäre klar gewesen, dass sie am Montag nicht auftreten würde.

Nur weil der Kreiskommandant darauf bestand, durfte Frau Hochuli doch reden. Haben Sie wirklich gedacht, die Militärdirektorin würde den Maulkorb der Schützen akzeptieren?

Wir haben Frau Hochuli keinen Maulkorb verpasst, sondern einfach andere Redner ausgewählt. Als mich Werner Stauffer am Montag fragte, ob Frau Hochuli doch noch eine Rede halten dürfe, habe ich sofort zugestimmt. Vorher hat sie ihm ja versichert, dass sie nichts zum Gripen sagen würde.

Gleich mehrere Redner setzten sich für ein Ja zum Gripen ein. Hatten Sie Angst, dass sich Frau Hochuli kritisch zum neuen Kampfflugzeug äussern würde?

Mit ihrem Einsatz gegen den Gripen hat die Militärdirektorin aus meiner Sicht nicht die beste Figur gemacht. Dass ihre Haltung bei den armeefreundlichen Schützen nicht gut ankommt, ist auch klar. Ich bin sicher, dass kritische Äusserungen von Frau Hochuli zum Gripen am Montag zu negativen Reaktionen geführt hätten - davor wollten wir sie schützen.

Sie befürchteten also, dass die Schützen eine kritische Rede von Frau Hochuli mit Pfiffen und Buhrufen quittiert hätten?

Das wäre durchaus möglich gewesen, und dies wollten wir verhindern. Das würde nicht zur fröhlichen Stimmung beim Kick-off für das Feldschiessen passen.

Von verschiedenen Seiten ist zu hören, der Plan, Frau Hochuli nicht reden zu lassen, sei am Habsburgschiessen vor zehn Tagen ausgeheckt worden.

Das kann gar nicht sein, denn weder Herr Stauffer noch ich selber waren beim diesjährigen Habsburgschiessen dabei.