Talk Täglich

«Wir haben auf das falsche Geschlecht gesetzt»

Talk der Aargauer Parteipräsidenten: «Wir haben auf das falsche Geschlecht gesetzt»

Die Aargauer Parteipräsidenten Thomas Burgherr (SVP), Daniel Hölzel (Grüne) und Gabriela Suter (SP) im Schlagabtausch.

Nach Cédric Wermuths überraschenden Rückzieher vonden Ständeratswahlen diskutierten die Parteichefs von SP, Grünen und SVP im Talk Täglich über die Folgen für den zweiten Wahlgang. Dabei machten die beiden Linksparteien ein Eingeständnis.

Der Wahlkampf für den zweiten Wahlgang vom 24.November ist lanciert. Für den Ständerat treten Thierry Burkart (FDP), Hansjörg Knecht (SVP), Ruth Müri (Grüne) und Marianne Binder (CVP) an. Die Überraschung vom Dienstag: Der im ersten Wahlgang drittplatzierte Cédric Wermuth (SP) hat sich zugunsten von Ruth Müri zurückgezogen. Für den freigewordenen Sitz im Regierungsrat kommt es zwischen Jean-Pierre Gallati (SVP) und Yvonne Feri (SP) zum Zweikampf.

Das war die soeben bereinigte Situation als sich die Parteipräsidenten Thomas Burgherr (SVP) Daniel Hölzle (Grüne) und Gabriela Suter (SP) zum Wahltalk auf TeleM1 trafen.

Wie weiter für den zweiten Wahlgang, das war das Thema mit dem Moderator und Chefredaktor der Aargauer Zeitung, Rolf Cavalli, in die Diskussion einstieg. 

Die Selbstkritik von Grünen-Chef Hölzle

Daniel Hölzle zeigte sich gleich zu Beginn selbstkritisch: "Es macht jetzt Sinn, dass wir die Strategie neue ausrichten, nachdem wir bei Regierung und Ständerat das falsche Geschlecht portiert haben. Bei den Regierungsratswahlen sieht man klar, dass die Bevölkerung eine Frau will." Die Grünen hatten bei der Regierungsratswahl auf Severin Lüscher gesetzt, die SP auf Cédric Wermuth. Sie haben zugunsten von Ruth Müri (Ständerat) und Yvonne Feri (Regierungsrat) verzichtet. Damit zeigte sich auch: Grüne und SP spannen eng zusammen.

Umgekehrt Suter: Sie wich einem klaren Statement zum "falschen Kandidaten Wermuth" aus. Immerhin liess sie sich entlocken: "Grüne und SP arbeiten partnerschaftlich zusammen. Wir haben drei Kandidierende und zwei Sitze, das funktioniert nicht, deshalb steht die SP zurück. Es ist ein Geben und Nehmen."

Die Frauenfrage

Und Hölzle erklärte die besseren Chancen seiner Kandidatin Müri gegenüber Wermuth damit: "Die Bevölkerung hat am Wochenende gezeigt, dass Frauenfragen eine wichtige Rolle spielen, deshalb hat Ruth Müri noch Luft nach oben. Eine rein männliche Regierung und zwei Ständeräte wären ein krasser Widerspruch zur Wahlergebnis vom Sonntag."

Thomas Burgherr zeigte Zuversicht: "Im Aargau habe ich keine Angst, dass die grüne Welle, Hansjörg Knecht überrollt." Und weiter: "Unser Ziel ist eine bürgerliche Doppelvertretung im Ständerat. Wir wollen die beste Vertretung im Ständerat und nicht zwei Lager, sonst heben sich die Aargauer Standesstimmen immer auf, weil einer Ja, einer Nein stimmt." 

Was Burgherr zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht wusste. Die FDP wird seine Kandidaten Knecht und Gallati nicht offiziell unterstützen, sondern sich auf den eigenen, Thierry Burkart, konzentrieren. Offen ist eine Unterstützung seitens der CVP. Um Knecht in Position zu bringen, betont Burgherr wiederholt Knechts bürgerliche Politik und dessen Unternehmertum.

SVP-Burgherr attackiert Grüne Müri

Burgherr attackierte Müri: "Hansjörg Knecht bringt als Nationalrat im Gegensatz zu Ruth Müri nationale Politikfahrung mit."

Der Konter von Hölzle und Suter liess nicht lange auf sich warten. Hölzle: "Ruth Müri bringt 25 Jahre Politikerfahrung mit, sie wird sich in Bern schnell einschaffen können, da mache ich mir keine Sorgen. Übrigens habt ihr (an Burgherr gerichtet), Franziska Roth gebracht, die keine Erfahrung hatte…" Damit zielte Hölzle auf die nach nur zwei Jahren aufgrund von Turbulenzen zurückgetretene Franziska Roth (SVP). Eine offensichtliche Fehlbesetzung der SVP.

Den ganzen Talk-Täglich finden Sie hier: 

Die grosse Wahl-Analyse

Feri zu links? Gallati zu angriffig?

Auf diesen Schwachpunkt der SVP zielte auch Gabriela Suter als der Talk zum Thema Regierungsratswahl überging. Suter: "Es gibt viele, die Jean-Pierre Gallati nicht unterstützen können, das hängt auch mit seiner Art zu politisieren zusammen. Stichwort Dubler in Wohlen oder der Fall Franziska Roth. Wegen dem Fall Roth haben wir überhaupt eine Ersatzwahl."

Vielen Leute in den falschen Hals gekommen ist Gallatis Rolle beim Sturz des Wohler Gemeindepräsidenten Walter Dubler (parteilos), aber auch Gallatis harsche Kritik an Roth, um deren Sitz er sich jetzt bewirbt. 

Burgherr verteidigt seinen Kandidaten Gallati: "Zum Vorwurf der Schmutzkampagne: In seinem Bezirk und bei den Kantonsspitälern sind Dinge vorgefallen, die nicht vorfallen dürfen. Da hat Gallati den Finger drauf gehalten. Das ist doch seine Aufgabe als Fraktionschef im Grossen Rat."

Ist Yvonne Feri zu links, was ihr immer wieder vorgeworfen wird? Oder haben es ihr Kampf für Frauenrechte im konservativen Kanton Aargau zu schwer? Burgherr griff die Frage nicht auf. Aber: Zu Feris Vorwurf, ohne sie sei die Aargauer Regierung ein reines Männergremium, was nicht mehr zeitgemäss sei, äusserte sich Burgherr: "Das ist frech von ihr das zu sagen. Auch andere Kantone haben reine Männerregierungen, etwa Luzern. Das ist auch nicht meine Lieblings-Zusammensetzung. Aber in der jetzigen Situation wäre es die Best mögliche."

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