Steuergesetzrevision
«Wir bräuchten doppelt so viele Unternehmen, um den Verlust auszugleichen»

Die Auswirkungen der im Jahr 2006 beschlossenen Steuerrevision zeigt erste Auswirkungen. Zwar sind von 2007 auf 2009 mehr Firmen hinzugezogen und haben gleichzeitig mehr Gewinn gemacht – durch niedrigere Steuern sanken die Einnahmen aber trotzdem.

Kim Ghilardi
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Die Steuerstatistik der juristischen Personen des Kantons Aargau für das Steuerjahr 2009 ist erschienen.

Die Steuerstatistik der juristischen Personen des Kantons Aargau für das Steuerjahr 2009 ist erschienen.

Keystone

Aus der Steuerstatistik der juristischen Personen von 2009 kann man ablesen, dass gegenüber 2007 im Aargau 7.9 Prozent mehr Firmen entstanden oder zugezogen sind. Im gleichen Zeitraum sind die Gewinne dieser Unternehmen um 7,2 Prozent in die Höhe geschossen und deren Eigenkapital kletterte sogar um 8,7 Prozent. Umwandlungen von Einzelfirmen zu juristischen Unternehmensformen, wegen günstigeren Steuerbedingungen, machten einen wichtigen Teil des Wachstums aus.

Auswirkungen sind deutlich erkennbar

Was nach einem sehr guten Resultat klingt ist zu einem guten Teil der Revision zu verdanken, die vor sechs Jahren beschlossen wurde und die Kapitalsteuer 2007 halbierte. Seit dem Jahr 2009 erlaubt sie Unternehmen, tiefere Reingewinnsteuersätze und Anrechenbarkeit der Gewinn- an die Kapitalsteuer.

Das macht den Kanton für ordentlich besteuerte Kapitalgesellschaften und Genossenschaften attraktiver. Die gleiche Steuerreform ist aber schuld daran, dass die Steuereinnahmen im Endeffekt um 11,7 Prozent gesunken sind.

Bezirke schwanken erheblich

Die Bezirke erreichen teils sehr unterschiedliche Ergebnisse: Grosses Wachstum beim Reingewinn verzeichneten vor allem die Unternehmen der Bezirke Baden (+29,1 %), Brugg (+17,4 %), Bremgarten (+13,3 %) und Lenzburg (+13,2 %).

Steuereinnahmen sinken trotz Zuwachs

Der steuerbare Reingewinn der ordentlich besteuerten Unternehmen stieg zwischen 2007 und 2009 um 7,2 Prozent auf insgesamt 3,7 Milliarden Franken, das Eigenkapital um 8,7 Prozent auf 26,9 Milliarden Franken. 462 Unternehmen wiesen einen steuerbaren Reingewinn von einer Million Franken und mehr auf. Trotz dieser positiven Zuwachsraten sank die einfache Kantonssteuer aufgrund der Änderungen des Steuergesetzes um 11,7 Prozent.

Die Steuereinnahmen der juristischen Personen waren nur gerade im Bezirk Baden höher als in der Vorperiode (+6,3 %). In den übrigen Bezirken sanken die Einnahmen stark (zwischen 3,6 % und 42,2 %).

Warum diese Steuerreform?

Gemeinden senken bisweilen den Steuerfuss, um Besserverdiener anzulocken. Standen bei der Steuerreform 2006 ähnliche Absichten im Hintergrund? Das kantonale Steueramt verneint: «Die Steuerrevision soll dazu dienen, den Kanton auf lange Sicht konkurrenzfähig zu halten», erklärt Roland Aregger von der Stabsstelle Volkswirtschaft. Es sei wichtig das man sich den Steuersätzen der Kantone anpasst, die mit niedriger Besteuerung um die Unternehmen buhlen.

So diene die Revision an erster Stelle der Prävention. Sie soll verhindern, dass steuerpflichtige Unternehmen in andere Kantone abwandern. Vor allem die kleineren Kantone in der Zentralschweiz, darunter vor allem Luzern, haben die Steuern massiv gesenkt.

Um den Verlust durch die niedrigeren Steuern mit dem Zuwachs an neuen Unternehmen wettzumachen, würde es viel zu lange dauern: «Dazu bräuchten wir doppelt so viele Unternehmen und das würde weit länger als zehn Jahre dauern», sagt Aregger. Man sei mit der Revision trotzdem auf Kurs und sei mit den Resultaten zufrieden.

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