Januar

Winterwetter im Aargau: Kalt wie seit 30 Jahren nicht mehr und ungewöhnlich trocken

An der Reuss bei Mühlau wurde gar ein Rekord gebrochen: Am 10. Januar lag die Abflussmenge so tief wie nie.

Eistag – so lautet der Fachbegriff, wenn die Temperatur den ganzen Tag lang nicht über 0 Grad steigt. Von diesen Eistagen gab es im Januar ungewöhnlich viele, laut einer SRF-Meteo-Mitteilung waren es bis gestern bereits zehn.

Der Temperatur-Durchschnitt für den Januar liegt im Mittelland derzeit unter –3 Grad, deutlich tiefer als der langjährige Wert von 0,3 Grad. «Man muss lange blättern in der Statistik, bis man einen ähnlich kalten Januar findet», heisst es in der Mitteilung. 2006 war demnach auch kalt, aber «nur» –2,2 Grad im Schnitt.

Der letzte kältere Winter liegt laut SRF Meteo schon 30 Jahre zurück: 1987. Das war der Winter, als in La Brévine der heute noch geltende Kälterekord von –41,8 Grad gemessen wurde.

Damals war der Januar im Schnitt –4,3 Grad kalt – dieser Wert dürfte im laufenden Monat nicht erreicht werden. «Bis zum 31. Januar wird es langsam wärmer, die Eistage haben am Wochenende wahrscheinlich ein Ende», heisst es in der SRF-Meteo-Meldung.

Minusrekord an der Reuss

Der Januar ist im Mittelland nicht nur besonders kalt, sondern auch sehr trocken. «Der fehlende Regen hat sich schon im Verlaufe des Dezembers in den Gewässern bemerkbar gemacht», teilt das Bundesamt für Umwelt mit. Im Januar sind die Wasserstände der Seen und Abflussmengen der Flüsse noch weiter zurückgegangen.

Verbreitet seien Werte gemessen worden, wie sie nur alle zwei bis zehn Jahre vorkommen. «An manchen Messstationen wurden auch noch tiefere Abflüsse registriert, so zum Beispiel an der Reuss in Mühlau», heisst es in der Mitteilung.

Hanspeter Hodel, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Umwelt, ist seit 1999 für die Messstation in Mühlau verantwortlich. Er sagt auf Anfrage: «Derzeit führt die Reuss wirklich extrem wenig Wasser, am 10. Januar haben wir gar einen neuen Minusrekord registriert.» Bei der Messstation Mühlau lag die Abflussmenge bei 23,3 Kubikmeter pro Sekunde, leicht unter dem bisherigen Tiefstwert aus dem Jahr 1951.

Diese sogenannte Minimalspitze trat laut Hodel nur für kurze Zeit auf, der Auslöser dürfte ein flussaufwärts liegendes Kraftwerk gewesen sein, das Wasser zurückhielt. «An der Messstation in Mellingen, weiter unten an der Reuss, zeigt sich zur gleichen Zeit derselbe Ausschlag, ein Messfehler ist ausgeschlossen.»

Fischer beobachten Wasserstände

Kurt Braun, der Präsident des Aargauischen Fischereiverbandes, verfolgt die Entwicklung der Wasserstände aufmerksam. «Zwar verkleinert sich der Lebensraum für die Fische, das Niedrigwasser ist aber grundsätzlich kein Problem, solange der Pegel nicht schnell sinkt», sagt er.

Bei kalter Witterung ziehen sich die Tiere laut dem Fischer-Präsidenten in tiefere Wasserschichten zurück, «stellen ihren Organismus auf Winterbetrieb um, bewegen sich nur noch wenig und warten, bis sich das Wasser wieder erwärmt».

Dass sich die Fische an tieferen Stellen aufhalten, mache das Fischen nicht einfacher, räumt Braun ein. Eingeschränkt werden die Fischer auch durch Schonzeiten für einzelne Arten. So darf die Forelle von Anfang Oktober bis Ende Februar nicht gefangen werden.

Das sei immer so und habe mit dem Niedrigwasser nichts zu tun, sagt Kurt Braun. «Und die aktuelle Situation hat auch etwas Gutes: Wir sehen viel mehr vom Flussbett und von der Struktur», sagt er.

Kürzlich habe ihm ein Fischerkollege erzählt, in den vielen Jahren, die er am Rhein fische, habe er noch nie so tiefe Einblicke gehabt. Dies kann laut Braun später im Jahr von Vorteil sein: «Ein wichtiger Aspekt beim Fischen ist, wie gut wir das Gewässer kennen, der Fangerfolg hängt massgeblich davon ab.»

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