Johannes Zulauf, Gartencenter Zulauf AG in Schinznach-Dorf, schüttelt den Kopf: Wo bleiben die Kunden, die ansonsten um diese Jahreszeit Schlange stehen, um Frühlingsblumen wie Osterglocken, Primeln oder Stiefmütterchen zu kaufen?

Nach langem Winter herrscht Flaute bei den Gärtnereien

Nach langem Winter herrscht Flaute bei den Gärtnereien

«Die Kundschaft ist in diesem Frühling äusserst zurückhaltend», sagt Zulauf und spricht «von einem Drittel Umsatzeinbusse, kumuliert auf das ganze Jahr.»

Besonders stark, so Zulauf, sei das Schinznacher Gartencenter im Bereich Gehölz und Sträucher. Auch diese werden normalerweise um diese Zeit verkauft. Doch jetzt verschiebe sich alles nach hinten.

Einbruch von 50 Prozent

Fabienne Straumann vom Wyss Gartenhaus in Aarau bestätigt Zulaufs Beobachtung. «Auch wir stellen eine Zurückhaltung fest. Die Kunden sind sehr vorsichtig - etwa beim Kauf einer klassischen Frühlingspflanze wie der Primel.» Gegenüber 2012 sei ganz klar ein Unterschied festzustellen.

«So lange kalt war es noch nie.» Walter Germann von der «Lägere Pflanze» in Wettingen, spricht ebenfalls von «einer Verlagerung nach hinten». Das Unternehmen verzeichnet im März 2013 - im Vergleich zu 2012 – einen Einbruch von 50 Prozent.

Waren die Wetterverhältnisse im vergangenen Frühling denn so anders? «Ja», sagt Walter Germann und verweist auf die damaligen Temperaturen von 6 bis 20 Grad. Davon sei man 2013 meilenweit entfernt.

Blumen zum halben Preis

Im Jahr 2008 hätten allerdings ähnliche Verhältnisse wie in diesem Jahr geherrscht. Was macht die «Lägere Pflanze» mit den Primeln? Beispielsweise eine Halbpreis-Aktion. Leidenschaftliche Blumen- und Gartenfreunde werden sich freilich auch trotz der kalten Temperaturen nicht länger abhalten lassen vom Kauf.

Ihnen allen empfiehlt Walter Germann, dass sie die Blumen und Pflanzen dort platzieren, wo sie geschützt sind - beispielsweise unter einem Vordach. Selbst wenn der Frühlingsverkauf für die Gartencenter nicht berauschend verläuft, lässt kein Geschäft den Kopf hängen. Denn jedes weiss: Das schöne Wetter kommt. Bloss wann.

Pilzbefall bei letztjähriger Ernte

Einen schlechten Einfluss hatte das nasse Wetter auch auf die letztjährige Ernte. Silomais, Körnermais und Winterweizen sind 2012 stärker mit giftigen Fusarium-Schimmelpilzen befallen gewesen als in den Vorjahren. Dies zeigen Stichproben der Forschungsanstalt Agroscope in den Kantonen Bern und Aargau, wie die Agroscope am Donnerstag mitteilte.

Beim Winterweizen, aus dem auch Brot gemacht wird, lag ein Viertel der Ernteproben über dem Grenzwert für das Pilzgift Deoxynivalenol. Acht Prozent der Proben lagen über dem Grenzwert für das Gift Zearalenon.

Bei Silo- und Körnermais, die Tieren verfüttert werden, lagen zwischen acht und 44 Prozent der Proben über dem erlaubten Grenzwert für die beiden Gifte. Dieser ist je nach Tierart unterschiedlich festgelegt.

Diese Mykotoxine werden von Schimmelpilzen produziert, die Pflanzen befallen. Fusarienpilze sind weniger giftig als die stark Krebs erregenden Aspergillus-Pilze, können aber bei Tieren zu Fruchtbarkeits- und Immunsystemstörungen führen.

Gefahr für den Menschen bestand jedoch nicht: Eine Übertragung der Gifte auf Milch und Fleisch sei vernachlässigbar, schreibt die Agroscope.

Befallenes Erntegut unverkäuflich

Die Proben stammten von 22 Betrieben im Kanton Aargau und 42 im Kanton Bern. Ursache für den höheren Pilzbefall war das nasse Wetter im Frühling 2012. Die Agroscope informierte die Kantonsbehörden über die hohen Toxinwerte. Befallenes Erntegut darf nicht verkauft werden. (EF./sda)