Aargau
Wildwuchs beim Sicherheitsdienst: Ausbildner fordert klare Regeln

Fast 150 Sicherheitsfirmen gibt es im Aargau – nicht alle bilden ihre Mitarbeiter seriös aus. Ein Ausbildner wünscht sich genauere Regelungen für die Firmen und schlägt eine dreijährige Lehre für private Sicherheitsleute vor.

Janine Müller
Merken
Drucken
Teilen
Mit Worten, klaren Zeichen und einem Pfefferspray versucht die private Sicherheitsfrau, die Übungssituation zu deeskalieren.

Mit Worten, klaren Zeichen und einem Pfefferspray versucht die private Sicherheitsfrau, die Übungssituation zu deeskalieren.

Emanuel Freudiger

Spätabends in einer Bar. Ein betrunkener Gast rastet aus, will mit einer Bierflasche auf Menschen losgehen. Eine Sicherheitsfrau greift ein, versucht mit Worten den Mann zu beschwichtigen und ohne Gewalt deeskalierend zu wirken.

Situationen wie diese gehören zum Ausbildungskonzept von K-Swiss, dem Ausbildungszentrum für private Sicherheitsleute in Uerkheim (siehe Box).

Auf eine gute Ausbildung legt Armin Koller, Gründer von K-Swiss, viel Wert. Damit will er sich gegen das häufig negative Image privater Sicherheitsleute wehren.

«Bei uns sind nicht die zwei Meter grossen, 100 Kilogramm schweren Türsteher gesucht», sagt Koller. «Das Bodyguard- und Türsteher-Image hat nichts mit der Realität zu tun.»

K-Swiss in Uerkheim

K-Swiss gibt es seit 1996. Im Zentrum stehen Ausbildungen und Beratungen im Bereich der Sicherheit. 2005 wurde das Ausbildungszentrum in Uerkheim eröffnet. Seit 2011 wird der Ausbildungslehrgang für den eidgenössischen Fachmann Sicherheit und Bewachung durchgeführt. 25 Ausbilder und Experten unterrichten, alle müssen in der Praxis tätig sein. Verschiedenste Situationskulissen ermöglichen eine praxisnahe Ausbildung. Ein grosser Teil der Kunden sind kleinere Sicherheitsfirmen, Einzelpersonen werden nur ausnahmsweise zugelassen. (jam)

Bei K-Swiss werde auf präventive Massnahmen gesetzt und versucht, mit Sozialkompetenz Situationen zu lösen. Wenn einer solche Kompetenzen nicht mitbringe oder im Ausbildungskurs negativ auffalle, werde er der Firma gemeldet, sagt Koller.

Die Kursteilnehmer werden bei K-Swiss auch in Rechtswissen und Fachwissen, wie etwa im Umgang mit Sicherheitsanlagen, ausgebildet. Dazu kommt auch ein praktischer Teil in Selbstverteidigung, «falls es mal notwendig sein sollte», sagt Koller.

Ausbildung gegen Wildwuchs

Er ist sicher, dass er damit auf dem richtigen Weg ist. «Gute Ausbildung in diesem Bereich ist wichtig, die Nachfrage danach steigt.» Die Gründe für die Zunahme: Ein Konkordat über private Sicherheitsfirmen und der neue Gesamtarbeitsvertrag schreiben eine Grundausbildung vor. Doch das reicht Koller nicht.

Er fordert eine klarere Regelung seitens des Kantons und hofft auf dessen Beitritt zum Konkordat (siehe Kasten). «Das würde den Wildwuchs bei den privaten Sicherheitsfirmen eindämmen», ist Koller überzeugt.

Regeln für private Sicherheitsdienstleistungen

Das Konkordat über private Sicherheitsdienstleistungen soll die Arbeit und Ausbildung von privaten Sicherheitsunternehmen regeln und gesamtschweizerisch eine vereinheitlichte Bewilligungspflicht schaffen.

Im Kanton Aargau sieht das Polizeigesetz bisher nur eine Betriebsbewilligung für private Sicherheitsunternehmen vor. Die Sicherheitsangestellten unterliegen bloss einer Meldepflicht. Die Ausbildung wird lediglich in einer Weisung des Regierungsrates behandelt, die nur eine Verhaltensrichtlinie für die privaten Sicherheitsdienste ohne direkte Aussenwirkungen darstellt. Diese Ausbildungsrichtlinien basieren auf dem Branchen-Gesamtarbeitsvertrag der Sicherheitsdienstleister. Dem Konkordat beigetreten sind bisher die Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Basel-Stadt, St. Gallen, Solothurn, Thurgau, Tessin und Uri. In der Westschweiz besteht bereits ein ähnliches. Im Kanton Aargau wurde der Beitritt zum Konkordat im Juni 2012 vom Grossen Rat abgelehnt. Der Antrag wurde an den Regierungsrat zurückgewiesen.

Laut Andreas Senn (CVP), Präsident der Sicherheitskommission, soll der Regierungsrat nun die Entwicklung in den anderen Kantonen abwarten. Das Konkordat soll am 1. Januar 2016 in Kraft treten. Sofern der Kanton dem Konkordat beitreten möchte, muss das Geschäft nochmals im Grossen Rat behandelt werden. Wegweisend für den Aargau dürfte auch der Entscheid im Kanton Zürich sein, der wohl in den nächsten Monaten fallen wird. (jam)

Dieser Wildwuchs ist auch Herbert Hürzeler von der Fachstelle Siwas (Sicherheit und Waffen) von der Kantonspolizei Aargau ein Dorn im Auge. Rund 145 Sicherheitsfirmen bieten zurzeit im Kanton Aargau ihre Dienste an. Die Fluktuation ist gross. Einerseits gibt es viele kleine Firmen, die sich gegenseitig Aufträge wegschnappen. Zudem sieht das Binnenmarktgesetz vor, dass Sicherheitsfirmen, die in einem anderen Kanton zugelassen sind, ihre Dienstleistungen in jedem anderen Kanton anbieten können. Der Kanton Aargau muss diesen Firmen im Anerkennungsverfahren ebenfalls eine Bewilligung erteilen, auch wenn die Erstzulassung in einem Kanton ohne Bewilligungspflicht erfolgte.

Zwischendurch gibt es Probleme mit der Polizei. «Es kommt vor, dass wir an Konflikte ausrücken müssen, bei denen festgestellt wird, dass die Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirmen die Aggressoren waren, statt zu schlichten», sagt Hürzeler. Es sind Vorkommnisse wie diese, welche die Zusammenarbeit zwischen den privaten Sicherheitsfirmen und der Polizei erschweren. Auch für Sicherheitsfirmen, die gute Arbeit abliefern.

Dreijährige Lehre als Lösung

Eine dreijährige Lehre für private Sicherheitsleute möchte Armin Koller deshalb einführen. «Es wäre die beste Kombination zwischen Praxis und Theorie.» Doch bisher fehlt es dem Verband Schweizerischer Sicherheitsunternehmen (VSSU) an Ressourcen, eine solche Lehre auszuarbeiten.

Koller hofft darum auf die schweizweite Einführung des Konkordats. Und er wünscht sich die genaue Definierung der Aufgaben und der Ausbildung. Damit sollen der Wildwuchs privater Sicherheitsfirmen, die Dumpinglöhne und die Probleme mit der Polizei verschwinden.