Knatsch
Wieso Nationalrat Reimann im Clinch mit den Hoteliers liegt

Am 10. Dezember kürt der Branchenverband Hotellerie Suisse die tourismusfreundlichsten Parlamentarier. Die Auszeichnung bringt den Aargauer SVP-Nationalrat Maximilian Reimann in Rage. Er hofft, dass die Gewinner den Preis ablehnen

Lorenz Honegger
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Maximilian Reimann

Maximilian Reimann

Keystone

Die Verantwortlichen des Branchenverbandes Hotellerie Suisse dürften nichts Böses geahnt haben, als sie auf der Einladung ihres Parlamentarier-Abendessens vom 10. Dezember die Auszeichnung der tourismusfreundlichsten Vertreter des National- und Ständerates ankündigten. Preisverleihungen sind ja normalerweise keine kontroverse Sache.

Wütender Leserbrief

Die Ankündigung versetzte den Aargauer SVP-Nationalrat Maximilian Reimann jedoch derart in Rage, dass er sich kurzerhand vom Nachtessen abmeldete, obwohl er Sessionsanlässe dieser Art laut eigener Aussage gerne besucht. Dann schrieb Reimann auch noch einen wütenden Leserbrief an die Redaktion der «Südostschweiz», worin er das «anstössige Lobbying» und den «politischen Flop» von Hotellerie Suisse kritisiert. Er hoffe, dass sich kein Ratsmitglied für die Auszeichnung hergebe. «Wo kämen wir hin, wenn alljährlich auch noch der eisenbahnfreundlichste Parlamentarier, die kehrrichtverbandsfreundlichste Parlamentarierin, der uhrenindustriefreundlichste Nationalrat oder die kursaalverbandsfreundlichste Ständerätin auserkoren würde?»

Als Jurist kann Reimann seine Kritik sogar mit einem staatspolitischen Argument untermauern: In seinen Augen verletzt die Preisverleihung den Geist des gesetzlichen Ordensverbotes, das es Parlamentariern und Verwaltungsangestellten untersagt, Orden, Ehrenzeichen und Titel von anderen Staaten anzunehmen.

Schliesslich fordert er den Verband auf, noch einmal über die Bücher zu gehen und den Preis wieder abzuschaffen.

Feldstecher für die Gewinner

Doch Hotellerie Suisse denkt nicht daran: «Die Auszeichnung des tourismusfreundlichsten National- und Ständerates ist ein symbolisches Dankeschön für das Engagement der Politiker», schreibt Sprecherin Susanne Daxelhoffer in einem E-Mail an die «Nordwestschweiz». Die Verleihung des Preises werde wie geplant stattfinden. Die Gewinner erhielten auch kein Geld, sondern einen Feldstecher – «für ihren touristischen Weitblick».