ewz-Kraftwerk Wettingen
Wieso Kies von der Turnhallen-Baustelle den Fischen in der Limmat hilft

In der Limmat findet sich kaum mehr Sand und Kies. Das sogenannte Geschiebe wird durch die Kraftwerke zurückgehalten, was die Fische vor Schwierigkeiten stellt: Sie brauchen es, um ihren Laich abzulegen. Darum landen jetzt tonnenweise Kies beim ewz-Kraftwerk in Wettingen.

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Unterhalb des vom Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) betriebenen Kraftwerks in Wettingen werden in diesen Tagen 2000 Kubikmeter Aushubmaterial in die Limmat gekippt. 600 Kubikmeter stammen von der nahen Baustelle der neuen Dreifachsporthalle der Kantonsschule auf der Klosterhalbinsel. Dieses Vorgehen habe drei Vorteile, schreibt das kantonale Umweltdepartement in einer Mitteilung: «Sehr kurze Transportwege, keine Ausbeutung von Kiesgruben und tiefere Projektkosten.»

Schwer beladen: Das Raupenfahrzeug pflügt sich durchs Wasser.
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Nun lässt das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) nun 2000 Kubikmeter Aushubmaterial in den Fluss schütten, um den sogennanten Geschiebehaushalt zu erneuern.
Verwendet wurde dazu Kies von der Baustelle der Dreifachturnhalle der Kantonsschule Wettingen.
Bereits vom 13. bis 15. September landeten 400 Kubikmeter Kies in der Limmat (1 Kubikmeter = 1000 Liter).
Das ewz-Kraftwerk in Wettingen ist eines von mehreren, das den natürlichen Geschiebevorgang in der Limmat verhindert. (Archiv)
Sabin Nater von der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer leitet das Projekt. Christoph Busenhart ist Betriebsleiter der ewz-Kraftwerke Limmat.
Die Limmat ist heute praktisch frei von Kies und Sand.
Das führt auch zur Erosion am Flussboden. Die Limmat frisst sich immer tiefer in den Untergrund.
Schüttungen dürfen wegen der Laichzeit der Tiere nur bis am 1. November durchgeführt werden.

Schwer beladen: Das Raupenfahrzeug pflügt sich durchs Wasser.

Das Problem betrifft viele Wasserkraftwerke. Deren Betreiber sind durch das Gewässerschutzgesetz verpflichtet, den Geschiebehaushalt zu sanieren. Denn Kies und Sand fehlen auch in der Limmat zusehends. Die Stauhaltung der Kraftwerke verhindert den natürlichen Geschiebevorgang. Sand und Kies werden flussabwärts abgeschwemmt, der Flussboden erodiert. Damit fehlt den Fischen die Grundlage, um ihren Laich abzulegen. Um den natürlichen Zustand wiederherzustellen, lässt das ewz Geschiebe in den Fluss kippen. Bereits vom 13. bis 15. September landeten 400 Kubikmeter Aushubmaterial in der Limmat.

Nach Wettingen folgen flussabwärts die Kraftwerke Aue, Oederlin, Kappelerhof, Schiffmühle, Turgi, Gebenstorf und Stroppel, bei denen mehrheitlich ebenfalls Handlungsbedarf besteht. Diese Anlagen sind in den nächsten fünf bis zehn Jahren an der Reihe. Insgesamt sollen im Kanton Aargau bis 2030 über 60 Kraftwerke in Bezug auf das Geschiebe und die Fischgängigkeit saniert werden. (mbü/mwa)

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