Primarschule
Wieso immer weniger junge Männer Lehrer werden wollen

Vor 50 Jahren noch lag der Anteil von Lehrern an den Primarschule bei 60 Prozent. Heute stehen in der Primarschule zu 80 Prozent Frauen vor den Klassen. Pädagogischen Hochschule Zürich (PH Zürich) zeigt nun, wieso das so ist.

Peter Siegrist
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Immer selteneres Bild: Lehrer im Schulzimmer.

Immer selteneres Bild: Lehrer im Schulzimmer.

Keystone

Die männlichen Jugendlichen würden sich schon früh gegen den Lehrerberuf entscheiden,schreibt die PH Zürich in einer Medienmitteilung.

Thomas Leitch, Grossrat und Mitglied der Bildungskommission sagte gegenüber Radio Argovia: «Es ist immer noch so, dass Lohn- und Karrieremöglichkeiten die Berufswahl beeinflussen.» Es brauche Freude am Umgang mit Kindern, an Teamarbeit und musisch-kreatives Gestalten. Die Verantwortung im Lehrerberuf sei heutzutage so gross, dass viele diesen Job nicht mehr zu 100 Prozent ausüben könnten, sagte Leitch.

Die PH Zürich schlägt vor, die Schüler sollten bereits in der Primarschule ermuntert werden «pädagogische Erfahrungen zu sammeln», etwas in altersdurchmischten Gruppen oder später in der Jugendarbeit. Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauischen Lehrervereins steht diesem Vorschlag skeptisch gegenüber, wie er im Interview mit Radio Argovia äussert. Dass man Kinder im Primarschulalter mit Werbemassnahmen beeinflussen könne, später Lehrer zu werden, dies glaube er nicht.

Vorurteile abbauen - Wertschätzung steigern

Für Leitch wäre die Mittelschule der richtige Rahmen, um den Lehrerberuf an die Gymnasiasten heranzutragen. Es gehe darum, Vorurteile abzubauen und dafür zu sorgen, dass die Wertschätzung gegenüber des Lehrerberufes wieder steige. Mit Tages- oder Wochenpraktika könnte da ein Einblick gewährt werden. Stöckli und Leitch wünschen sich, dass das Bildungsdepartement eine Untersuchung veranlasste, um festzustellen, «wieso der Lehrerberuf bei Männern derart an Attraktivität verloren hat». Für Leitch ist klar, dass die Knaben in der Schule auch männliche Vorbilder haben sollten, «damit sie von gängigen Klischees wegkommen.»

Die PH Zürich erwähnt in ihrer Medienmitteilung, es sei wichtig, dass Gymnasiasten auf den Lehrberuf aufmerksam gemacht würden. Häufig werde im Gymnasium nur ein Studium an einer Universität oder an der ETH in Betracht gezogen. Eine weitere Strategie wäre, vermehrt Quereinsteiger für den Lehrberuf zu gewinnen.