Wer sät, wird ernten. Oder in diesem Fall: Wer Fische einsetzt, wird Fische fischen. Die Idee, junge Äschen, Forellen oder Hechte in den Flüssen auszusetzen, leuchtet ein – und hat auch im Kanton Aargau eine jahrzehntelange Tradition.

Auf diese Weise gelangten grosse Bestände in die Gewässer. Allein Äschen wurden pro Jahr durchschnittlich 100 000 eingesetzt. Das Ziel: Die Populationen pflegen und vergrössern. Das kostet Geld; Jahr für Jahr investierte der Kanton rund 60 000 Franken in den Äschenbesatz.

Doch nun zeigen Ergebnisse einer vom Kanton in Auftrag gegebenen Studie: Der grosse Aufwand war vergebens. Genutzt haben die Aktionen nichts – im Gegenteil. «Der Fischbesatz war teilweise gar kontraproduktiv, weil er den Druck auf die lokalen Populationen erhöht hat», sagt David Bittner, Bereichsleiter Fischerei beim Kanton Aargau. Die eingesetzten Fische verschwinden schleichend aus dem Gewässersystem, wie sich mit genetischen Untersuchen nachweisen liess. Alle gefangenen Äschen stammen aus dem natürlichen Vorkommen, nicht aus der Gruppe der eingesetzten Tiere.

Bittner erklärt den Misserfolg in erster Linie mit dem Einsetzen fremder Fische. «Sie sind im Konkurrenzkampf mit den lokalen Populationen total untergegangen.»

Denn Fische passen sich seit Jahrhunderten den lokalen Begebenheiten an. Neu eingesetzte und an andere Bedingungen gewöhnte Tiere sind deshalb klar im Nachteil. Wie genau die eingesetzten Äschen verschwunden sind, lässt die Studie allerdings offen.

Über die Gründe kann Bittner deshalb nur spekulieren. «Vermutlich sind viele im Winter gestorben. Andere waren leichte Beute für fischfressende Vögel, weil sie in einer Zucht aufgewachsen sind und dort nicht gelernt haben zu flüchten.»

«Eine radikale Änderung»

Die neuen Erkenntnisse zeigen bereits Wirkung: Im ganzen Kanton werden keine Äschen mehr ausgesetzt. Die Pächter aller Flussreviere im Aargau haben sich dafür entschieden, künftig das vom Kanton erhaltene Geld in die Renaturierung und die Verbesserung der Lebensräume statt in den Äschenbesatz zu investieren.

«Das hat mich sehr erstaunt, weil es sich um eine radikale Änderung handelt. Vor zwei Jahren hätte das niemand für möglich gehalten», sagt Bittner. Der Entscheid sei freiwillig erfolgt, betont er. «Der grösste Teil der Basis trägt das neue Vorgehen mit.»

Das bestätigt auch Hans Brauchli. Der Präsident des Aargauischen Fischereiverbands sagt, anfänglich seien viele ein wenig kritisch gewesen, doch die wissenschaftlichen Erkenntnisse seien unumstösslich. «Wir müssen akzeptieren, dass wir damit nichts erreicht haben. Das ist natürlich frustrierend, weil wir die Fische mit guten Absichten ausgesetzt haben.»

Der Nutzen sei über die Jahre nie hinterfragt worden, sagt Bittner. «Man hat geglaubt, der Natur damit etwas Gutes zu tun.» Nun fände langsam ein Umdenken statt, doch das brauche Zeit. Derzeit laufen Studien bei zwei anderen unter Fischern beliebten Arten. Womöglich werden im Aargau deshalb schon bald weniger oder gar keine Hechte und Forellen mehr ausgesetzt – David Bittner erwartet ähnliche Ergebnisse wie bei den Äschen.