213 Gemeinden zählt der Kanton – und die Mehrzahl von ihnen führt traditionellerweise eine Bundesfeier durch. Die az hat sich durch 63 Programme aus allen Bezirken gelesen. Wer wurde wo engagiert? Welche Wahlkämpfer nutzen den Feiertag, um Werbung für sich zu machen? Welche Prominenten finden den Weg in den Aargau? Wer ist besonders redefreudig und tritt gleich mehrmals auf?

Vorab fällt auf: Bei den 63 «geprüften» Bundesfeiern, zu denen detaillierte Informationen erhältlich waren, sind die sprechenden Männer (47) gegenüber den Frauen (16) deutlich in der Überzahl. Auf den zweiten Blick bestätigt sich die Vorahnung, dass jene, die im Reden ohnehin geübt sind – unsere Politikerinnen und Politiker – auch die meisten Festreden halten.

Etwa der Regierungsrat: Alle Mitglieder der Exekutive sind am 31. Juli und 1. August unterwegs. Stephan Attiger (Lenzburg und Freienwil) und Urs Hofmann (Wildegg und Eggenwil) reden je zwei-, Alex Hürzeler (Seengen, Brittnau und Möhlin) sogar dreimal. Bei den Frauen ist CVP-Grossrätin Marianne Binder-Keller Königin der Mehrfachredner, auch sie spricht dreimal (Fislisbach, Würenlos, Boswil).

37 ausgewählte August-Redner im Aargau

Logistisch einfacher hätte es theoretisch die Führungsetage der Aargauer SVP: Am Abend des 31. Juli gastiert Thomas Burgherr in Dintikon und Andreas Glarner in der Nachbargemeinde Dottikon. Weil sie aber in unterschiedlichen Ecken des Kantons wohnen, wird wohl nichts aus einer Fahrgemeinschaft. Im (Vor-)Wahlkampf unterwegs sind die Regierungsratskandidaten Markus Dieth (CVP, in Menziken) und Franziska Roth (SVP, in Remigen und Othmarsingen).

Tour de 1. August

Tour de 1. August

Die Schweiz feiert sich selbst. Im ganzen Land werden Reden gehalten, Feuerwerke vor malerischen Landschaften abgelassen, landestypische Leckereien verspeist und ausgelassen gefeiert.

Killias: «Anfrage war vorher»

Die grösste Überraschung birgt wohl das Programm der Rupperswiler Bundesfeier. Hier ist der bekannte Strafrechtler und Kriminologe Martin Killias angekündigt. Hat der Gemeinderat um Ammann Ruedi Hediger thematisch auf den Vierfachmord vom vergangenen Dezember reagiert? «Nein», sagt Killias, «die Anfrage hatte ich lange vorher erhalten.»

Er wird über die Nationalhymne als Symbol einer Versöhnungskultur sprechen oder über den interessanten Fakt, dass einst in Schweizer Religionskriegen nie jemand das Ziel gehabt hatte, die Unterlegenen auszurotten. «Egal, wer gewonnen hatte, es kam nie zu einem Versuch, die Verlierer auszutilgen. Nördlich des Rheins gab es hingegen grausame Massaker.»

Wird sich Killias also auf historische Begebenheiten konzentrieren und den Vierfachmord bewusst nicht ansprechen? Er sagt: «Ich sehe das nicht als meine Aufgabe als Festredner. Aber klar: Das Thema bewegt die Leute nach wie vor, entsprechend werden sie gerade von mir auch einige Worte dazu erwarten.» Das werde er berücksichtigen.

Korpskommandant André Blattmann weiss derweil noch nicht genau, was er in Erlinsbach sagen wird. Sein Sprecher lässt ausrichten: Der Chef der Armee ist die nächsten zwei Wochen in den Ferien und schreibt seine Rede «weitestgehend daheim».

Junge mit Mut

Im Gegensatz zu Blattmann ist sich der junge Landmaschinenmechaniker und Offizier Massimo Marcella aus Birrwil noch nicht gewohnt, offizielle Reden zu halten. Dennoch wurde er in seinem Heimatort – 2013 wurde der italienische Secondo in Birrwil eingebürgert – als Festredner gewählt.

Wie kam das? «In einem Leserbrief in der az kritisiert ein Alt-Gemeinderat, die heutige Jugend sei apolitisch. Ich antwortete darauf mit einem Leserbrief, dass es auch noch andere Jugendliche gebe – woraufhin ich vom Gemeinderat angefragt wurde.» Er werde eine persönliche Rede halten, über das Dorf, die Politik und eigene Erfahrungen. «Es wird schon speziell sein, vor so vielen Bekannten zu sprechen», sagt Marcella, «aber im Militär ging das auch, also wird es auch hier klappen.»

Die Fahne der Jugend hochhalten wird auch Jungpolitikerin Joya Kirchhofer: Sie spricht als «Jungrednerin» vor Susanne Hochuli in Windisch.