Der Klingnauer Stausee ist eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete der Schweiz. Und seit rund zehn Jahren der Schauplatz eines Konflikts zwischen dem Kanton und dem Aargauischen Fischereiverband. Dabei sind sich alle einig: Eine Ausbaggerung ist nötig, weil die seit 80 Jahren fortschreitende Verlandung durch Sedimentablagerungen den Lebensraum von Wasser- und Watvögeln zu zerstören droht.

Bedrohlich ist allerdings auch, was in den Sedimentablagerungen schlummert, etwa die als krebserregend geltende und heute verbotene Chemikalie PCB. Entsprechend heftig waren die Proteste der Fischer, als der Kanton 2010 beschloss, eine Rinne aus 40 000 Kubikmeter Sediment auszugraben und den Schlamm weiter unten an der Rheinmündung wieder in den Fluss einzuleiten.

«Der Aargauische Fischereiverband hat auch viel Positives bewirkt», sagt der für das Projekt zuständige Patrick Rötheli vom Aargauer Baudepartement heute rückblickend. Das erste Projekt, kann man daraus folgern, hatte also noch Verbesserungspotenzial.

Das Problem: Mit dem vom Grossen Rat bewilligten Kredit von 2,44 Millionen Franken war die vom Fischereiverband (AFV) geforderte vollständige Entsorgung des Aushubs in einer Deponie nicht finanzierbar. So wurde das Projekt im Lauf der Zeit nach und nach redimensioniert. Aus den ursprünglich geplanten 40 000 Kubikmeter Aushub wurden 28 000, wovon noch 20 000 in den Rhein geleitet worden wären.

Und nun präsentiert der Kanton eine weitere Überarbeitung: Ausgebaggert werden sollen nur noch 23 500 Kubikmeter, wovon 16 000 bei der Rheinmündung wieder in den Fluss gelangen und 7500 in Deponien entsorgt würden.

«Ein optimales Projekt»

Trotz der Redimensionierung: «Gesamtheitlich betrachtet ist das aktuelle Projekt optimal», sagt Rötheli. Man habe bei dieser Überarbeitung die Linienführung der Rinne optimieren und dadurch das Aushubvolumen reduzieren können.

Die nun vorgenommene Reduktion von 28 000 auf aktuell 23 500 Kubikmeter gelang dank des Verzichts auf eine Durchgängigkeit des Seitenarms. Dieser wird nun nur noch unten an die rechts vorbeifliessende Aare angeschlossen. Gleichzeitig sollen zwei aktuell verlandete Flächen in 50 Zentimeter tiefe, laut Rötheli sehr wertvolle Flachwasserzonen verwandelt werden.

Er attestiert dem Projekt einen «Qualitätsstandard, der auch als Massstab für andere ähnliche Projekte dienen kann». Die Schadstoffkonzentration im Material, das in den Fluss zurückgelangt, entspreche der natürlichen Hintergrundbelastung und werde die Wasserqualität des Rheins nicht verändern. Die Kritik aus Deutschland – Ende 2014 hatte sich Waldshuts Bundestagsabgeordnete zu Wort gemeldet – sei deshalb verstummt.

Baustart im nächsten Sommer?

Nicht verstummt sind die Fischer. Das jetzt präsentierte Bauprojekt sei «an und für sich nichts Neues», sagt AFV-Vizepräsident Hans Brauchli. Man bleibe bei der Forderung an den Kanton, alle Sedimente in Deponien zu entsorgen. «Die Sicherheit, dass nicht doch stark belastetes Material in den Rhein zurückgelangt, kann dieser gar nicht geben.»

Der Fischereiverband wird gegen das bis Anfang November öffentlich aufgelegte Bauprojekt deshalb sicher Beschwerde einreichen und würde laut Brauchli auch vor einem Gang bis vor das Bundesgericht nicht zurückschrecken. «Wir wollen wissen ob es legal ist, belastetes Material in den Fluss zurückzugeben», erklärt er. Dies auch, weil der Umgang mit den Sedimenten in Klingnau ein Präzedenzfall für anderswo anstehende ähnliche Projekte sein könne.

Ob die Bagger wie vom Kanton geplant im nächsten Sommer auffahren, ist also ungewiss. Und sollte der Fischereiverband doch einlenken, stellt sich auch noch die Kostenfrage. Rötheli rechnet zwar damit, den Kreditrahmen des Grossen Rats einhalten zu können. Falls nicht, müsste der Kanton einen Zusatzkredit beantragen. Oder das Projekt erneut verkleinern.