Die spektakuläre Entdeckung der Burgstelle auf dem «Schlosshübel» in Staffelbach war nicht geplant, sondern ergab sich eher zufällig. Bei der Vorbereitung des Kulturerbe-Tages 2019 der Kantonsarchäologie in Staffelbach diskutierten die Staffelbacher mit den Kantonsarchäologen, was im Dorf auch noch sehens- und zeigenswert wäre.

Da meldete sich Priska Hauri, Präsidentin des Sandsteinmuseums, zu Wort. Sie schlug vor, die Archäologen könnten sich doch mal um den «Schlosshübel» kümmern. Denn es gebe da ja die Sage vom «Lochluegenjäger». Und in dieser Sage sei von einer Burg etwa an dieser Stelle die Rede.

Ohne grosse Erwartungen nahm die Kantonsarchäologie den Hinweis auf. Denn bisher war der «Schlosshübel» nichts weiter als eine unverdächtige landwirtschaftliche Parzelle mit wunderbarer Aussicht.

Die Erdoberfläche des Hügels wurde gescannt und man erkannte deutlich eine leichte Erhebung. Nun wurde die Spurensuche intensiviert. Im Juli nahm der Archäologe Manuel Buess eine Geoprospektion vor. Diese Methode erlaubte, ähnlich dem Röntgen, einen Blick ins Innere des «Schlosshübels».

«Die Ergebnisse sind überraschend», sagte Georg Matter, Leiter Kantonsarchäologie: «Auf dem Schlosshübel liegt eine bisher unbekannte Burgstelle.» Die Prospektionsbilder zeigen eine mutmassliche Ringmauer und die Überreste eines Turms. «Wir haben im Aargau seit Jahrzehnten keine vergleichbare Burgstelle mehr gefunden», sagt Matter.

«Das ist sehr aussergewöhnlich»: Kantonsarchäologe Georg Matter im Gespräch

«Das ist sehr aussergewöhnlich»: Kantonsarchäologe Georg Matter im Gespräch.

  

Am Sonntagnachmitag erzählten die Mitarbeitenden den Staffelbachern, was sie gefunden haben und wie sie sich die Burg vorstellen, deren Reste unter dem «Schlosshübel» liegen. Die Dorfbewohnerinnen und -bewohner strömten denn auch neugierig und zahlreich herbei; denn dass plötzlich eine Burg zum Dorf gehört, ist doch ungewöhnlich und hat wohl auch Konsequenzen: So muss die Dorfgeschichte ergänzt, vielleicht gar umgeschrieben werden.

Vielleicht waren es die Herren von Reinach

Wer erwartet hatte, irgendwelche Überreste der Burg zu sehen, wurde enttäuscht, immerhin hatten die Archäologen mit Absperrband und Profilstangen die ungefähre Grösse der Burg sichtbar gemacht. Da bei der Prospektion geophysikalische Methoden angewendet wurden, musste nicht gegraben werden.

Vor allem die elektrische Widerstandmessung habe gute Angaben über den Untergrund geliefert, erklärte Manuel Buess, und er demonstrierte, wie sich mit dieser Methode Gebäudestrukturen im Boden feststellen lassen, ohne dass Erde abgetragen werden muss.

Bisher sei eine Burg Staffelbach unbekannt gewesen, bestätigte Reto Bucher, Mittelalterspezialist bei der Kantonsarchäologie. So gebe es bisher auch nur Vermutungen über die Besitzer. Wahrscheinlich stamme die Burg aus dem 13. Jahrhundert; was man bisher gefunden habe, lasse auf einen Grundriss schliessen, der ähnlich auch bei anderen Burgen gefunden wurde, etwa in Tegerfelden oder Lieli (Luzern).

Eine naheliegende Vermutung sei auch, dass die Burg den Herren von Reinach gehört haben könnte. Diese standen auf der Seite der Habsburger. Nach der Niederlage der Habsburger in der Schlacht von Sempach 1386 seien viele Burgen der Habsburger zerstört worden; möglicherweise habe auch die Burg in Staffelbach dazugehört.

Ausgrabung der Burg ist eher unwahrscheinlich

Die Burg Staffelbach bestand wohl aus einer rund zwei Meter dicken Ringmauer, einem Turm und einer Reihe von Nebengebäuden, vorwiegend aus Holz. Vielleicht gehörte auch eine Vorburg mit einem zweiten Turm dazu. «Aber es gibt hier noch viele Konjunktive, vieles wissen wir einfach noch nicht sicher», relativierte Bucher.

Mehr Klarheit sollen Sondierbohrungen bringen. Aber eine grössere Ausgrabung der Burg Staffelbach sei nicht vorgesehen, sagte Georg Matter. Denn der beste Schutz für die Burg sei der «Schlosshübel»; dieser Schutz habe ja ganz offensichtlich die letzten Jahrhunderte hervorragend funktioniert.

So kann es also durchaus geschehen, dass auf dem «Schlosshübel» wieder Ruhe einkehrt, sobald die Archäologen ihre Arbeit beendet haben.

Vielleicht muss es den Staffelbacherinnen und Staffelbachern genügen, dass ihre unverhofft entdeckte Burg für das Auge unsichtbar unter dem «Schlosshübel» verborgen bleibt; zumindest in der Sage lebt sie aber weiter.