1968, drei Jahre vor der Einführung des Frauenstimmrechts, war der Vorstand der Frauenzentrale Aargau noch zurückhaltend. Der damalige Regierungsrat Adolf Richner bat den Vorstand um eine Stellungnahme zum Regierungsentwurf. Doch die Frauen beschlossen, «vorerst gar nichts zu tun, wenigstens so lange, bis der Grosse Rat Stellung bezogen hat», heisst es im Protokoll. Da Richner allerdings eine Vernehmlassung erwartet, werde der Vorstand ein «liebenswürdiges, aber nichtssagendes Schreiben» entwerfen.

In den Abstimmungskampf eingemischt haben sich die Frauen erst später, mit einer eigenen Strategie. Denn die Propaganda des Aktionskomitees der Männer war ihnen zu konservativ. Die Aargauerinnen setzten, inspiriert durch die Frauen im Kanton Solothurn, auf 20 000 Zündholzbriefchen und 36 000 Plastiktragtaschen mit einem modern gestalteten Signet. So sollten die Männer in dem vom Bund als unsicher eingestuften Kanton Aargau überzeugt werden, ein Ja in die Urne zu legen.

Nur knapp kein Nein

Trotz Anstrengungen fiel das Resultat am 7. Februar 1971 relativ knapp aus: Für die kantonale Vorlage sprachen sich 51,7 Prozent der abstimmenden Männer aus, für die eidgenössische sogar nur gerade 50,2 Prozent.

Die nächsten kantonalen Wahlen standen zwei Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts an. Die erste Grossrätin, Marlene Bänziger, wurde jedoch nie gewählt. Sie wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nominiert. Nach dem Rücktritt von Grossrat Ernst Wyss war auf der Liste der Fraktion der Freien Stimmberechtigten und parteilosen Wähler nämlich kein Ersatzmann mehr aufgeführt. Die Nominierung von Marlene Bänziger sorgte jedoch für Irritationen im Rat. Sie sei ohne Wissen der Fraktion erfolgt, stellte der damalige Grossrat Edwin Schmid klar. Die Fraktion habe beschlossen, den Sitz angesichts der kurz bevorstehenden Wahlen unbesetzt zu lassen.

So kam es, dass die erste Aargauer Grossrätin nur kurz später auch zur ersten Frau wurde, die nicht wiedergewählt wurde. 13 andere Frauen schafften damals den Sprung in den Grossen Rat. Die SP und CVP stellten mit sechs beziehungsweise vier Grossrätinnen die meisten Frauen. Obwohl auch bei der FDP und SVP Frauen kandidierten, wurde aus diesen Reihen keine gewählt.

Auch Ursula Mauch kandidierte 1973 für den Grossen Rat. Damals noch nicht für die SP, sondern auf der Liste des Team 67. Sie holte gleich viele Stimmen wie ihr Parteikollege Peter Kamm. «Weil die Liste alphabetisch war, wurde er gewählt», sagt Ursula Mauch. Sie habe daraufhin ein Telegramm von einem Mann namens Breitschmid erhalten, mit den Worten: «Hättest Du mich geheiratet, wäre es jetzt anders.» Lange warten musste Ursula Mauch allerdings nicht. Nach einem Jahr ging Peter Kamm auf Weltreise und sie übernahm seinen Sitz.