«Traditionsbeiz ‹Täfern› schliesst nach 137 Jahren».

«Burebeiz ‹Schnägg› geht zu.»

«‹Alpenblick› macht nach 125 Jahren für immer dicht.»

Schlagzeilen über das Beizensterben waren auch dieses Jahr Stammgäste in der AZ. Fast 20 Schliessungen zwischen Möhlin und Gontenschwil fanden den Weg in die Zeitung.

Jeder Bericht verstärkt das Gefühl des unaufhaltsamen Beizensterbens. Dieses existiert jedoch gar nicht, wenn man Bruno Lustenberger, Präsident von Gastro Aargau, glaubt. Es gebe nicht weniger Restaurants, weil auch neue eröffnet würden.

Über folgende Restaurantschliessungen, -eröffnungen und -wechsel hat die AZ 2017 berichtet:

Wissen Sie weitere Restaurants, die geschlossen, eröffnet oder neue Wirte oder Pächter haben? Melden Sie sich unter online@azmedien.ch mit dem Betreff "Gastro Aargau".

Die Karte mit den Veränderungen in der Aargauer Gastronomie gibt ihm recht – die Zahl der Restaurants im Aargau sinkt nicht. Im Gegenteil: Die AZ berichtete 2017 über deutlich mehr Restauranteröffnungen als -schliessungen. Ein Grund für das Übergewicht von Eröffnungen: Manches Restaurant, das seine Türen schliesst, wird später von einem neuen Wirt wieder eröffnet. Oft unter neuem Namen und mit neuem Konzept. Ein Beispiel dafür ist das «Mekong» in Brugg: Drei Monate nach der Schliessung eröffnete Tenzin Dorjee im gleichen Haus das «Taste of Asia». Von vietnamesischen ging das Haus in tibetische Hände über.

Neubau-Komplex statt Beiz

Einige Beizen sterben aber tatsächlich. Viele weichen Neubauten. Der «Kappelerhof» in Baden macht einer Überbauung mit rund 60 Wohnungen Platz. Wo die «Täfern» in Dättwil steht, ist ein Geschäftshaus-Komplex geplant. Der «Frohsinn» in Buchs und der «Horner» in Hendschiken gehören Immobilieninvestoren, die die Gebäude wohl nicht mehr für Gastro-Zwecke nutzen werden.

Auf dem Land haben es die Beizer schwer. Sie bevorzugen deshalb urbane Gebiete. Es findet eine gastronomische Verschiebung vom Land in die Städte statt. Dort sind es nicht klassische Stammtischbeizen, die neu entstehen – sondern Lokale, die mit modernen Konzepten versuchen, Gäste anzulocken. Beispiele dafür sind das vegane «Max und Moriz» in Aarau oder das «Colombo» in Baden. Dieses bietet Mittelmeerküche ebenso an wie amerikanische Menüs – auf verschiedenen Stockwerken.