Beizen-Bewegungen
Wie sich die Aargauer Gastro-Szene 2017 verändert hat – die interaktive Karte

Die Aargauer Gastro-Szene verändert sich gerade grundlegend. Das Beizensterben forderte auch 2017 seine Opfer. Es gingen aber auch diverse Restaurants neu auf. Eine Übersicht.

Mark Walther
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Restaurantschliessungen und -öffnungen im Aargau 2017
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Das Steakhouse zur alten Schmitte in Birmenstorf hat dieses Jahr neu eröffnet.
Im Traditionslokal Speck übernimmt eine neue Wirtin.
Erfolgsgeschichte: Nach mageren Jahren ist die Pizzeria Toscana erfolgreich – und baut aus.
Kulinarische Bereicherung für die Suhr: «Deliziosa»-Wirt Giuliano Caranci übernimmt das «Kreuz».
Elif und Eren Ertas wollen in der Trotte in Erlinsbach als neue Wirte alte Traditionen weiterführen – auch das Engagement an der Fasnacht.
Nach 137 Jahren geschlossen: die Wirtschaft Täfern Dättwil.
Manuela Hofmann führt seit Anfang April das "Warteck" in Kaisten.
Der «Sternen» in Leimbach geht wieder auf: Einziges Restaurant im Dorf ist jetzt eine Pizzeria.
Guido Maier sucht für die «Probstei» in Laufenburg einen Nachfolger für die Wirtin Manuela Imhof.
Zu wenig Restaurant-Gäste: Der Pächter des "Rheinfels Park" in Stein geht vorzeitig.
Der neue Pächter des «Weissen Winds» in Freienwil will das Dorf ab März 2018 mit gutbürgerlicher Küche verwöhnen.
Nach acht Jahren eröffnet das Restaurant Sternen in Eggenwil erneut.
Das Sinser «Einhorn» sucht frühzeitig einen neuen Wirt.
Wirtin Irène Hofmann-Weber hat ihr neues Restaurant Steinbock in Stein eröffnet.
Neue Ära im Treffpunkt für Wanderer, Biker, Bauern und Reiter: Der Wannenhof in Unterkulm.
Das Restaurant La Cappella in Baden schliesst seine Türen.
Wieder verschwindet eine traditionsreiche Beiz: Der "Horner" in Hendschiken schliesst.
Der neue Gastrobetrieb an der Badener Bahnhofstrasse mit zwei Restaurants und einer Café-Bar trägt den Namen «Colombo».
«Bad Schwarzenberg» in Gontenschwil: Nach fast vierzig Jahren übergibt das Wirtepaar an die Tochter.
Im Mai ging das leerstehende Restaurant Post in Münchwilen wieder auf.
Nach 17 Jahren hat «Hirschen»-Wirt Samet Rustemi das Restaurant in Gipf-Oberfrick verlassen und...
... nach Frick in den «Rebstock» gewechselt.
Bäckerei, Restaurant und Laden in Wohlen – Local soll für Nachhaltigkeit stehen.
Aarau bekommt eine vegane Beiz: Aus dem «3. Stock» wird das «Max-Moriz».
Das Hotel Adler in Muri ist verkauft und der Betrieb mit erfahrenen Gastronomen gesichert.
Die Kafi Mokka Lounge hat am 1. Juli am Laufenburger Marktplatz eröffnet.
Das Laufenburger «Castillo» hat seine Türen geschlossen.
Eigentlich hätte das neue Hilton-Hotel mit Restaurant in Spreitenbach diesen Herbst eröffnen sollen. Doch die Eröffnung verzögert sich um ein halbes Jahr.
Daniel Rall leitet neu den Ochsen in Schöftland.
Vom «Kiöskli» zum Gourmettempel: Nach elf Jahren luden die Grabers im Familienbad Bottenwil zum Abschieds-Apéro.
Das neue Bistro im Rehmann-Museum Laufenburg heisst «Erwin’s» und steht unter der Führung von Claudia Steinacher.
Neue Café-Bar: spanisches Flair aus Holzpaletten im Carma in Lenzburg.

Restaurantschliessungen und -öffnungen im Aargau 2017

AZ/Montage: Mark Walther

«Traditionsbeiz ‹Täfern› schliesst nach 137 Jahren».

«Burebeiz ‹Schnägg› geht zu.»

«‹Alpenblick› macht nach 125 Jahren für immer dicht.»

Schlagzeilen über das Beizensterben waren auch dieses Jahr Stammgäste in der AZ. Fast 20 Schliessungen zwischen Möhlin und Gontenschwil fanden den Weg in die Zeitung.

Jeder Bericht verstärkt das Gefühl des unaufhaltsamen Beizensterbens. Dieses existiert jedoch gar nicht, wenn man Bruno Lustenberger, Präsident von Gastro Aargau, glaubt. Es gebe nicht weniger Restaurants, weil auch neue eröffnet würden.

Über folgende Restaurantschliessungen, -eröffnungen und -wechsel hat die AZ 2017 berichtet:

Wissen Sie weitere Restaurants, die geschlossen, eröffnet oder neue Wirte oder Pächter haben? Melden Sie sich unter online@azmedien.ch mit dem Betreff "Gastro Aargau".

Die Karte mit den Veränderungen in der Aargauer Gastronomie gibt ihm recht – die Zahl der Restaurants im Aargau sinkt nicht. Im Gegenteil: Die AZ berichtete 2017 über deutlich mehr Restauranteröffnungen als -schliessungen. Ein Grund für das Übergewicht von Eröffnungen: Manches Restaurant, das seine Türen schliesst, wird später von einem neuen Wirt wieder eröffnet. Oft unter neuem Namen und mit neuem Konzept. Ein Beispiel dafür ist das «Mekong» in Brugg: Drei Monate nach der Schliessung eröffnete Tenzin Dorjee im gleichen Haus das «Taste of Asia». Von vietnamesischen ging das Haus in tibetische Hände über.

Neubau-Komplex statt Beiz

Einige Beizen sterben aber tatsächlich. Viele weichen Neubauten. Der «Kappelerhof» in Baden macht einer Überbauung mit rund 60 Wohnungen Platz. Wo die «Täfern» in Dättwil steht, ist ein Geschäftshaus-Komplex geplant. Der «Frohsinn» in Buchs und der «Horner» in Hendschiken gehören Immobilieninvestoren, die die Gebäude wohl nicht mehr für Gastro-Zwecke nutzen werden.

Auf dem Land haben es die Beizer schwer. Sie bevorzugen deshalb urbane Gebiete. Es findet eine gastronomische Verschiebung vom Land in die Städte statt. Dort sind es nicht klassische Stammtischbeizen, die neu entstehen – sondern Lokale, die mit modernen Konzepten versuchen, Gäste anzulocken. Beispiele dafür sind das vegane «Max und Moriz» in Aarau oder das «Colombo» in Baden. Dieses bietet Mittelmeerküche ebenso an wie amerikanische Menüs – auf verschiedenen Stockwerken.