az-Jasskönig

Wie sich CVP-Grossrätin Marianne Binder am Jasstisch selber überraschte

Am dritten Qualifikationsabend auf Schloss Lenzburg ging für Turnierleiterin Anne-Käthi Kremer alles auf – und eine Grossrätin stapelte völlig zu Unrecht tief.

Das grosse Jassturnier von az Aargauer Zeitung und Aargau Tourismus ging am Freitag in die dritte Runde. Nach Schloss Klingnau im Februar und Böttstein im März wurde diesmal auf Schloss Lenzburg gejasst – oder «auf dem schönsten Schloss der Schweiz», wie Schlossführer Hermann Käppeli zu sagen pflegt.

Bevor die 108 Teilnehmenden an den Tischen Platz nehmen, lernen sie auf einem Rundgang viel über die Herren von Lenzburg und Habsburg – und auch, dass man schon damals gejasst hatte: Käppeli zeigt die Replik eines mittelalterlichen Kartenspiels, das ein Habsburger in Auftrag gegeben hatte.

Die Farben: Wappen statt Symbole – Ungarn, Deutschland, Böhmen, Frankreich. «Spielen kann man es heute leider nicht mehr», musste Käppeli die Jassfreunde enttäuschen. Die Anleitung für das Spiel mit 48 Karten sei leider nicht überliefert worden.

Still im Saal

Prominenteste Jasserin des Abends ist Marianne Binder, CVP-Kantonalparteipräsidentin und Grossrätin aus Baden: «Ich hatte 20 Jahre lang ein Frauen-Jassgrüppli.» Heute jasse sie weniger, man solle die Erwartungen ja nicht allzu hoch schrauben.

Nach dem Nachtessen werden im grossen Rittersaal französische Karten verteilt. «Jetz dörfe Sie do eini zieh», sagt Turnierleiterin Anne-Käthi Kremer und vergibt die Standblätter. Denn gespielt wird Einzelschieber mit zugelosten Partnern, das Standblatt gibt die Paarungen vor.

Dann wird es still im Saal, für die Teilnehmenden gibt es die ersten Stiche und für die Spielleiterin 30 Minuten Zeit für Ghackets, Hörnli und Apfelmus. «Die Schnellsten brauchen eine halbe Stunde für einen Durchgang», weiss die Expertin von jass-events.ch aus Erfahrung.

Unter sich lösen

Normalerweise gebe es während des Spiels kaum Fragen. «Nur, wenn sich ein Tisch mal über eine Regel nicht einig ist, geht eine Hand in die Höhe.» An Plauschturnieren wie hier lösten die Spieler Regelverstösse eher unter sich.

Nach jeder Passe à 12 Spielen kontrollieren Anne-Käthi Kremer und ihr Team die Punkte. Am Schluss wird addiert. Es sind die Minuten der Sprüche: Je nach Jasserfolg fällt das Fazit leiser oder lauter aus. Auch die Turnierleiterin darf mal einen Spruch fallen lassen: «In der Regel kommt das gut an. Aber hatte einer ein schlechtes Blatt, sagt man besser nicht viel.»

Sie mache diesen Job sehr gerne: «Man kann die verschiedenen Jasstypen studieren und manchmal etwas dazulernen.» Schade sei, dass sie das Gelernte selten anwenden könne: «Selber komme ich kaum mehr zum Jassen.» Am Schluss muss das Team die Resultate in den Computer übertragen und die Liste mit den Blättern gegenchecken. Es geht alles auf.

Und wie schneidet Marianne Binder ab? Sie wird zur eigenen Überraschung Zweite und qualifiziert sich locker mit den Top 10 für den Final. Geschlagen wird sie von Trudy Buchser (Aarau), Brigitte Lüssi (Brugg) wird Dritte.

Die vollständige Rangliste findet sich hier.

Autor

Mario Fuchs

Mario Fuchs

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