Marché-Concours
Souverän wirken, trotz totaler Ahnungslosigkeit – unser Reporter setzt sich zum ersten Mal auf ein Pferd

Der AZ-Reporter Dominic Kobelt begleitet den Pferdetreck an den Marché-Concours – er hatte Gelegenheit, zum ersten Mal auf ein Pferd zu sitzen.

Dominic Kobelt
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«Was, du bist noch nie geritten, und steigst hier auf ein Pferd? Mutig, mutig.» Das ist der erste Kommentar, den ich am Dienstagmorgen höre. Die Aargauer Delegation, die den Gastkanton am Marché-Concours vertritt, reitet an diesem Tag von Balsthal nach Grenchen, und ich soll, gleich zum Start, auf Merlin reiten.

Nun ja, reiten ist vielleicht auch übertrieben, denn ich gebe dem Tier keine Kommandos, das übernimmt eine Reiterin neben mir, die das Tier auch führt. Ich muss nur dasitzen, die Zügel locker in der Hand halten und die Bewegungen mitmachen.

Das erste Mal sitzt unser Reporter Dominic Kobelt auf einem Pferd.

Das erste Mal sitzt unser Reporter Dominic Kobelt auf einem Pferd.

Zvg

Tönt einfach, und trotzdem grinsen alle etwas hämisch, als ich in Reitermontur und Helm den Platz entlang schreite, um mich dem Abenteuer zu stellen. Eine Dame rät mir:

«Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass du runter fällst. Dann musst du dich einfach wieder drauf setzen.»

Das Aufsteigen klappt recht gut, ich kann die Stufen der Kutsche zu Hilfe nehmen und mich in den Sattel hieven.

«Wie fühlst du dich?», möchte Stefanie wissen, die selber schon jahrelang fast tagtäglich ausreitet. «Wie ein König», sage ich wahrheitsgemäss. Es ist ein erhabenes Gefühl, so hoch oben auf dem Rücken eines Pferdes. «Morgen nicht mehr», sagt sie trocken und lacht.

Die Bahnschranke und der erste Trab

Merlin läuft los, ich gewöhne mich an seinen Gang und fühle mich wohl, die Nervosität hat sich gelegt. Nach wenigen hundert Metern werden wir dann vom Rest abgeschnitten: Als wir zu einem Bahnübergang kommen, fährt die Schranke herunter, wir sind die Vordersten, die warten müssen.

Das ist nicht weiter schlimm, denn Merlin und Princess, das Pferd, das neben ihm läuft, kennen die Situation und lassen sich nicht nervös machen. Doch als der Zug vorüber ist und sich die Schranke wieder hebt, müssen wir aufholen. «Sorry, wir müssen dich ins kalte Wasser schmeissen, jetzt traben wir», erklärt man mir, gefolgt von einigen Instruktionen, wie ich mich bewegen und festhalten sollte.

Als Merlin dann Gas gibt, nutzt das nur wenig, es schüttelt mich durch wie einen Wodka Martini. Mit der Zeit gewöhne ich mich etwas besser daran. Doch angenehm ist es nicht. Trotzdem bekomme ich von den meisten – in Berücksichtigung meiner nicht vorhandenen Kenntnisse – gute Stilnoten. Auf dem Rest der Strecke halte ich mich recht gut, ganz nach dem Motto: Souverän wirken, trotz totaler Ahnungslosigkeit.

Der Pferdetreck auf seiner zweiten Etappe.

Der Pferdetreck auf seiner zweiten Etappe.

Zvg

Kommen die Schmerzen am Tag danach?

Rund zwei Stunden darf ich reiten, und am Nachmittag nochmals so lange. Während des zweiten Ausritts wird nicht mehr getrabt – böse bin ich darüber nicht. Bei der ersten Pause spüre ich noch fast nichts, doch nach und nach macht sich mein Gesäss bemerkbar. «Morgen wirst du leiden», prophezeit man mir.

Das kann ich mir zwar vorstellen, doch die Erfahrung war es wert. Merlin ist ein Pferd für Anfänger, auf dem auch Kinder reiten können. Er neckt auf dem Weg immer wieder seine Nachbarin Princess, und dass er von mir keine Befehle bekommt, gefällt ihm, erklärt man mir.

Dass jedes der Tiere seinen ganz eigenen Stil und Charakter hat, der sich beim Reiten zeigt, berührt mich. Einmal zu erleben, mit welcher Kraft und Eleganz sich ein solches Tier bewegt, ist einzigartig.