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Wie können sich Menschen mit Behinderung autonomer bewegen?

Den Auftakt zu den Jubiläumsfeierlichkeiten der zeka machte eine Auslegeordnung: Was ist zu bewegen, damit sich Menschen mit Behinderungen so autonom wie möglich bewegen können?

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Für Rollstuhlfahrer gibt es viele Hindernisse zu überwinden – im Alltag wie im Arbeitsleben. (Symbolbild)

Für Rollstuhlfahrer gibt es viele Hindernisse zu überwinden – im Alltag wie im Arbeitsleben. (Symbolbild)

Kenneth Nars

Das Thema wurde an einem Podium im Kultur- und Kongresshaus erörtert. Es diskutierten Regierungsrat Alex Hürzeler, CVP-Nationalrat Christian Lohr, Susanne Schriber von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik, Konrad Stokar von der Vereinigung Cerebral Schweiz und Daniela Tenger vom Gottlieb-Duttweiler-Institut, moderiert von Journalistin Helen Issler. In einem Punkt herrschte in der Runde weitgehend Einigkeit. In der Schweiz sind zwar die gesetzlichen Rahmenbedingungen punkto Gleichstellung und Integration von behinderten Menschen nicht schlecht, aber wenn es um die Alltagspraxis geht, stehen wir sicher noch nicht dort, wo wir sollten – auch im internationalen Vergleich nicht.

Schnell kam die Runde auf das Thema Integration in den Arbeitsmarkt. Er sei als bürgerlicher Politiker kein Freund von Quoten, betonte Christian Lohr, aber: «Sehr oft bleibt es halt dann doch bei schönen Worten.» Er würde sich wünschen, dass hier gerade auch grosse öffentliche Unternehmungen oder etwa kantonale Verwaltungen ihre Verantwortung mehr wahrnehmen. Auch im Aargau fehlt ein konkreter Auftrag, sich als Arbeitgeber bei der Integration von Arbeitskräften mit einer Beeinträchtigung zu engagieren, räumte Alex Hürzeler ein.

Die Forderung ist klar: Es braucht nicht primär neue gesetzliche Regelungen, sondern einen gesellschaftlichen Wertewandel. Man sollte mehr auf die Ressourcen als auf die (manchmal vielleicht auch nur vermeintlichen) Defizite von Menschen mit Behinderungen fokussieren, war ein in der Diskussion wiederholt eingebrachtes Postulat. Wenn aber der steigende Effizienz- und Leistungsdruck trotz Unterstützung zum Beispiel von der IV zur Beschäftigung von Menschen mit einer Beeinträchtigung abschrecke, weil sie nun einmal oft weniger leistungsfähig seien, dann werde auch ein immer kleinerer Teil von ihnen in den Arbeitsmarkt integriert werden können, warnte Susanne Schriber. Wie schwierig das geforderte Umdenken im Kopf zu bewirken ist, veranschaulichten die Betroffenen allerdings gleich selbst: Wenn er mit Vertretern von Behindertenorganisationen zusammenkomme, sei er oft der Einzige, der selbst eine körperliche Beeinträchtigung hat, erzählte Konrad Stokar.

Im allgemeinen Wandel der Arbeitswelt sah man unter den Podiumsgästen allerdings auch durchaus eine Chance für mehr Chancengleichheit: Digitalisierung, neue Arbeitszeitmodelle, mehr Arbeit im Home Office – das könnten auch Entwicklungen sein, die Leuten mit einer Behinderung die Integration besser ermöglichen. (mou)