Beznau

Wie können Greenpeace-Aktivisten einfach so aufs AKW Beznau klettern?

Die Schweizer Atomkraftwerke gelten als die sichersten der Welt und die am besten geschützten. Und dennoch ist es 100 Greenpeace-Aktivisten am Mittwochmorgen gelungen, das AKW Beznau zu entern. Wie ist das möglich?

Kurz vor 7 Uhr in der Früh kamen die Greenpeace-Aktivisten. Sie brachten ein paar Leitern mit, sprangen über den Sicherheitszaun – und schon waren sie auf dem Gelände des ältesten AKW der Schweiz. Sie kletterten an Gebäuden hoch und entfalteten Transparente.

Unter der Kletterern war auch Marco Weber, der Schreiner aus dem Züribiet, der in Russland wegen einer Greenpeace-Aktion mehrere Wochen in Haft war.

Stellt sich die Frage: Wie ist es möglich, dass Greenpeace-Leute so leicht aufs Gelände gelangen? Das AKW ist schliesslich ein sicherheitsrelevantes Gebäude.

Die AKW-Betreiberin Axpo will darauf keine Antwort geben und vertröstet auf eine spätere Stellungnahme. «Wir klären gegenwärtig, wie das passieren konnte», sagt Tobias Kistner, Mediensprecher der Axpo. Es gäbe eine Betriebswache und eine Alarmanlage. Das Eindringen der Personen habe unmittelbar einen Alarm ausgelöst und insofern habe das Sicherungsdispositiv reibungslos funktioniert, so Kistner weiter. Die Kantonspolizei wurde sofort informiert und rückte aus.

Absperrzaun zu niedrig

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) schreibe vor, dass die Kraftwerke so gesichert sein müssten, dass Unbefugte nicht ungehindert das Gelände betreten könnten, hielt Kistner fest.

Der Absperrzaun sei nicht dazu da, ein Eindringen komplett zu verhindern, sondern zu verzögern, zu erschweren und zu detektieren. Kistner wies darauf hin, dass wegen der Aktion der Betrieb des AKW weitestgehend ungestört geblieben sei.

Keine Gefahr für Umwelt

Es habe keine Gefahr weder für das Werk noch für die Mitarbeiter oder die Umwelt bestanden. Auch für Greenpeace-Leute sei es unmöglich, in irgendwelche sicherheitsrelevante Bereiche wie in einen Kommandoraum eindringen zu können.

Greenpeace stürmt das AKW-Gelände in Beznau

Greenpeace stürmt das AKW-Gelände in Beznau

Gleich tönt es auch beim AKW Gösgen. Dort heisst es auf Anfrage, dass es keine Sonderleistung sei, ein AKW-Gelände zu betreten. Doch viel weiter käme man etwa in Gösgen nicht mehr, ehe die Sicherheitsvorkehrungen einsetzen würden. Wie diese im Detail aussehen würden, wollte man nicht preisgeben.

Wussten die Greenpeace-Aktivisten vorgängig, dass es beim ältesten AKW der Welt einfacher ist, das Gelände zu stürmen?

Klar ist: Die Beznau-Wache hat wenige Minuten vor 7 Uhr die Polizei gerufen, wie Kantonspolizei-Sprecher Roland Pfister sagt. Wenige Minuten später war die Polizei vor Ort. Da waren die Aktivisten längst in schwindelerregender Höhe.

Die Kantonspolizei versucht nun, die Situation friedlich zu lösen, wie Pfister sagt. «Wir haben Erfahrungen mit Aktivisten», betonte Pfister.

Das Ziel sei, dass die Situation in einer ruhigen Art und Weise bereinigt werden könne. Derzeit sei alles sehr ruhig und gemässigt. Die Aktivisten verhielten sich korrekt. Man stehe im Kontakt mit Greenpeace und der Leitung des AKW Beznaus, hielt Pfister fest.

Mehrere Aktivisten befinden sich um 14 Uhr noch auf oder an Gebäude. Man bemühe sich zur Kontaktaufnahme mit diesen Personen, um ihre weiteren Absichten in Erfahrung zu bringen.

Die Polizei gehe davon aus, dass die Leute kein Interesse hätten, acht Stunden lang an einem Seil zu hängen, hielt Pfister fest. Die Polizei werde sicherlich nicht gewaltsam jemanden herunterholen und eine Auseinandersetzung provozieren.

Rund 40 Personen hat die Polizei bis am Mittag kontrolliert. Diese Personen befinden sich gemäss Polizei nicht mehr auf dem AKW-Gelände.

Die AKW-Betreiberin Axpo reichte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs ein.

Transparent am Reaktorgebäude

Auf Fotos von Greenpeace ist unter anderem zu sehen, wie zwei Aktivisten an einem Reaktorgebäude ein gelbes Transparent mit der Aufschrift «The End» montieren.

Weitere Aufnahmen, welche die Umweltorganisation in den sozialen Medien veröffentlichte, zeigen, wie Aktivisten in den frühen Morgenstunden mit Leitern über die Absperrgitter klettern. Greenpeace spricht von einer «Besetzung».

Greenpeace hatte zusammen mit der Schweizerischen Energiestiftung (SES) bereits Mitte Februar gefordert, dass die AKW Beznau und Mühleberg aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden müssten. Sie stützten sich auf eine Studie. (rsn/sda)

Greenpeace stürmt das Atomkraftwerk

Greenpeace stürmt das Atomkraftwerk

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1