Gesundheit
Wie immer weniger Hausärzte immer mehr Patienten betreuen sollen

Die Ärzteorganisation Argomed hat eine Idee entwickelt, wie ältere Hausärzte zusammenspannen, den Hausärztemangel und gleichzeitig den eigenen Pensionierungsschock etwas abfedern könnten.

Fränzi Zulauf
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Hausärzte im Pensionierungsalter könnten die Betreuung von Patienten in Altersheimen übernehmen. RUETSCHI/KEYSTONE

Hausärzte im Pensionierungsalter könnten die Betreuung von Patienten in Altersheimen übernehmen. RUETSCHI/KEYSTONE

Keystone

Die Schere öffnet sich immer weiter: Die Zahl der betagten Patienten und Pflegebedürftigen nimmt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten deutlich zu, die Zahl der Hausärzte und der Pflegefachpersonen aber nimmt ebenso deutlich ab.

Viele Aargauer Hausärzte stehen kurz vor dem Pensionierungsalter – Nachwuchs zu finden erweist sich aber nach wie vor als schwierig. Die Aufgaben der medizinischen Grundversorgung werden aber nicht weniger und auch nicht einfacher.

Mehr Pflegebedürftige, weniger Hausärzte

Gemäss Studien des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) wird in der Schweiz die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2010 und 2030 von rund 125 000 auf rund 182 000 Personen steigen (plus 46 Prozent). Auf der anderen Seite stehen immer weniger Ärzte und Pflegepersonen zur Verfügung. Am gravierendsten werden die Mängel gemäss Obsan bei der Hausarztmedizin sein, wo bis 2030 nahezu 40 Prozent der Konsultationen (9,3 Millionen) nicht mehr gesichert sein werden.

Bei alten und pflegebedürftigen Patienten sind Hausbesuche angezeigt – sei dies in den eigenen vier Wänden der Patienten oder im Alters- oder Pflegeheim. Diese Besuche sind wichtig und wertvoll, aber auch sehr zeitraubend.

Gemäss «Defacto», dem Newsletter der Hausärzteorganisation Argomed, könnte ein Arzt in der Zeit, die er für einen Hausbesuch aufwenden muss, in seiner Praxis drei bis vier Patienten behandeln.

Genau hier will die Argomed Ärzte AG mit Sitz in Lenzburg einhaken: Mit der Schaffung von Senior Doc Pools könnte das Problem entschärft werden.

Hausärztinnen und Hausärzte, die nach der Praxisaufgabe noch in einem Teilpensum arbeiten möchten, könnten sich zu einem solchen Senior Doc Pool zusammenschliessen und gemeinsam die Betreuung eines Altersheims, eines Pflegeheims oder einer Altersresidenz übernehmen.

Damit könnte nicht nur der Hausärztemangel, sondern auch der «Pensionierungsschock» der Mediziner etwas abgefedert werden. Denn manche ältere Hausärzte sind zwar froh, sich von den vielen Verpflichtungen einer eigenen Praxis entbinden zu können, in frei bestimmbarem Rahmen arbeiten sie aber gerne weiter.

Argomed hält als weitere Pluspunkte fest: «Weil die Ärzte nicht mehr in die Praxis zurückhetzen müssen, bleibt ihnen mehr Zeit für die Gespräche mit den betagten Patienten und deren Angehörigen.»

Zudem sei diese Teilzeitarbeit für die Ärzte lukrativ, weil sie nicht mehr für die Fixkosten einer Praxis aufkommen müssten. Was die Senior Docs bestimmt auch schätzen würden, wäre die neu gewonnene Freiheit, sich endlich genügend Zeit nehmen zu können für Ferien, Hobbys und Familie.

Denn mit einem Ärzte-Pool liessen sich die Vertretungen leicht regeln. Offen will man sich indessen auch gegenüber jüngeren Ärzten zeigen, die Interesse an Geriatrie haben und in einem Senior Doc Pool mitarbeiten möchten.

Anderseits könnten die Senior-Ärzte mit Praxisvertretungen die jüngeren Kollegen entlasten.

Die Effizienzsteigerung, die mit dem Senior Doc Pool erreicht werde, könne aber den Hausärztemangel nicht beheben, warnt Heini Zürcher, Allgemeinmediziner in Windisch und Leiter Kommunikation der Argomed Ärzte AG. «Ohne Nachwuchsförderung und tarifliche Besserstellung der Hausärztinnen und Hausärzte ist keine nachhaltige Verbesserung möglich.»

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