«Gut Schuss!», wünscht eine Schützin in der Buchser Schiessanlage Lostorf und drückt mir Munition in die Hand. Runter auf den Boden, mit den Ellenbogen abstützen, eine Hand an der Brust, Gewehr auflegen. Die andere Hand beim Abzug. Ich bin nervös. Eigentlich mag ich es nicht, wenns knallt. Und ich habe Respekt vor Waffen.

Vom 8. bis 10 Juni wird auf den Aargauer Schiessplätzen das traditionelle Feldschiessen stattfinden. Zum Auftakt des Anlasses schiesse ich, nach einer Übungslektion, zum ersten Mal in meinem Leben mit einem Gewehr das Programm auf 300 Meter. Werner Stauffer, Leiter des Aargauer Feldschiessens, stellt mir die Waffe und moralische Unterstützung zur Verfügung. «Chunt scho guet», sagt er.

Knapp am Kranz vorbei

«Erst auf die Scheibe zielen, dann bis zum Widerstand den Abzug ziehen, noch mal zielen und schiessen», rät Stauffer. Ich versuche, mich zu konzentrieren, schiesse und erschrecke – nicht nur, weil es knallt, sondern wegen der deutlich spürbaren Macht der Waffe. «Durchatmen, ein paar Mal blinzeln, zielen und weiter», sagt Stauffer. Mit weiteren Schüssen legt sich der Schreck und der Ehrgeiz wächst.

Richtiges Atmen scheint die Quintessenz zu sein. Wäre da nicht der Knall, hätte das ganze etwas Meditatives. Nach Abschluss des Programms liegt mein Resultat mit 53 Punkten nur vier Punkte unter dem «Kranz» . Ich dürfe stolz auf mich sein, sagt Stauffer. Bin ich auch. Denn die Konkurrenz war auf jeden Fall erfahrener als ich. Teilgenommen haben auch Stefan Christen, ein Brigadier, der im Kämpfer erschien, FDP-Nationalrat Thierry Burkart, der mit Hemd und Sakko schoss, sowie BDP-Nationalrat Bernhard Guhl und FDP-Grossrat Lukas Pfisterer. Guhl schoss sich mit 62 Punkten auf den ersten Platz, gefolgt von Christen mit 57 Punkten. Die letzten Plätze belegten Burkart mit 38 und Pfisterer mit 33 Punkten.

«Zumindest überlebt»

Beflügelt sage ich zu, auch mit der Pistole auf 25 Meter zu schiessen. Die Waffe ist schwer. Ein Schützenmeister erklärt, wie ich sie halten soll. «Nicht rumfuchteln», sagt er. «Und der Lauf muss immer nach vorne zeigen.» Als sich der erste Schuss löst, scheint die Waffe ein Eigenleben zu entwickeln. Der Rückschlag ist viel heftiger als beim Gewehr. Ich fluche vor Schreck, mir wird heiss. Beim nächsten Schuss fliegt mir eine Patronenhülse in den Ausschnitt. Mein Resultat: 61 Punkte. Fürs erste Mal nicht übel, heitert mich Stauffer auf. Grossratspräsident Bernhard Scholl hingegen ist erfahrener: Mit der Waffe von FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger schiesst er 168 Punkte.

Auch die Aargauer Regierungsrätin und Militärdirektorin Franziska Roth scheint talentiert zu sein. Beim Auftakts-Apéro in der Schützenstube erzählt sie dem Publikum: «Als Jägerstochter habe ich in unserer Garage mit dem Luftgewehr auf Wildschweine aus Papier geschossen und auch einige erlegt.» Es sei ihr ein Anliegen, dass das Feldschiessen als Tradition bestehen bleibt. Das ist es auch für Grossratspräsident Scholl: «Das Feldschiessen existiert länger als der Bundesstaat.» 1848 sei die Trefferquote auf 300 Meter aber sehr schlecht gewesen: «Nur 15 Prozent der Schüsse haben das Ziel erreicht.» Thierry Burkart wirft ein: «Das ist bei mir heute noch so.»

Scholl betont zwar, dass der Rang keine Rolle spielt. Aber mit einem Augenzwinkern fügt er an: «Auch die Presse hat erfolgreich geschossen. Sie hat es zumindest überlebt.»