Sie fallen sofort auf: Der Hammer und der Schraubenschlüssel, die gekreuzt auf einem der druckfrischen SP-Wahlplakate prangen. Daneben steht, weiss auf rot: «Starker Wirtschaftsstandort, sichere Arbeitsplätze. Nur mit uns!» Die Piktogramme der Werkzeuge, die einzeln nichts Aufsehenerregendes an sich haben, erinnern in ihrer übereinandergelegten Erscheinung sofort an ein weltbekanntes Emblem: Hammer und Sichel. Nur, dass die Sichel eben durch einen Gabelschlüssel ersetzt wurde.

Wollen die Sozialdemokraten im Wahlkampf mit geschichtsträchtiger Symbolik bei jenen punkten, die sich insgeheim mehr als die im Parteiprogramm geforderte Überwindung des Kapitalismus wünschen? Oder könnte die Neuinterpretation des kommunistischen Ur-Symbols Anzeichen für eine Erneuerung sein – quasi mit der Botschaft: Wir sind keine Utopisten, sondern wissen, wie eine Art Kommunismus 2.0 die Probleme des 21. Jahrhunderts lösen könnte?

Yvonne Feri, Nationalrätin der SP aus Wettingen, kandidiert für die Regierungsratswahlen im Oktober. Aufgenommen am 12. August 2016 im Naturama anlässlich der PK in Aarau. Im Bild: Das Wahlplakat für Regierungsrat Hofmann muss nun angepasst werden.

Yvonne Feri, Nationalrätin der SP aus Wettingen, kandidiert für die Regierungsratswahlen im Oktober. Aufgenommen am 12. August 2016 im Naturama anlässlich der PK in Aarau. Im Bild: Das Wahlplakat für Regierungsrat Hofmann muss nun angepasst werden.

Die Antwort darauf weiss Co-Präsident Cédric Wermuth. Und sie fällt simpel aus: «Weder noch.» Er höre zum ersten Mal von einer optischen Verwandtschaft mit Hammer und Sichel. Die Idee hinter dem Plakat sei, «die wichtige Diskussion um den Fortbestand des Industriekantons Aargau zu lancieren.» Insofern gebe es «durchaus einen industriepolitischen Hintergrund». Allerdings habe man sich bei der Plakatgestaltung nicht bewusst von den Kommunisten inspirieren lassen.

Historisch erklärbar wäre es allemal. 2015 hatte ein Plakat der SP Solothurn für Aufsehen gesorgt. Es zeigte eine Zeichnung aus der Gründerzeit des Grütlivereins: Drei Männer – Handwerker mit Hammer, Bauer mit Sichel, Wissenschafter mit Buch – reichen sich die Hand zu einem «modernen» Rütlischwur. Unter dem Motto «Durch Bildung zur Freiheit» wollten die Grütlianer die Schweiz Ende des 19. Jahrhunderts voranbringen. Oft gingen daraus die ersten SP-Sektionen hervor. Dass Hammer und Sichel ab 1917 von der sowjetischen Ideologie, die Millionen Menschenleben forderte, vereinnahmt würden, konnte kein Grütlianer ahnen. (rio)