Auswertung

Wie eine Umfrage ausfüllen? Linke mögen es online, SVP-Wähler die Papiervariante

Während Unterstützer linker Parteien Umfragen lieber online ausfüllen, bevorzugen SVP-Wähler tendeziell die Papiervariante. (Symbolbild)

Während Unterstützer linker Parteien Umfragen lieber online ausfüllen, bevorzugen SVP-Wähler tendeziell die Papiervariante. (Symbolbild)

Forscher des Zentrums für Demokratie Aarau (ZDA) haben Vor- und Nachteile der verschiedenen Umfrage-Methoden untersucht.

Umfragen zu kontroversen Abstimmungsvorlagen oder Wahlen werden immer öfter online erhoben. Auch die Wahlumfrage der AZ vom vergangenen Herbst basierte erstmals primär auf online erhobenen Angaben von stimmberechtigten Leserinnen und Lesern. Doch viele trauen den Online- Umfragen noch nicht recht, auch Parteivertreter äusserten im Herbst zum Teil Zweifel. Dass die Online-Umfragen Aufwind haben, liegt zum einen an tieferen Kosten. Zum anderen kann man solche Daten effizienter aufbereiten. Zudem gibt es bei den Online-Umfragen mehrheitlich gute Rücklaufquoten.

Aber sind sie qualitativ gleich gut wie traditionell erhobene Daten? Darüber weiss man bisher wenig. Genau dies hat das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) bei den Eidgenössischen Wahlen 2019 geprüft. Thomas Milic, Uwe Serdült und Salim Brüggemann untersuchten, wie sich Rücklaufquote und Qualität der Stichprobe einer Online- von einer Papier-Umfrage unterscheidet. Sie baten 10'000 zufällig ausgewählte Aargauerinnen und Aargauer, an der Umfrage teilzunehmen.

Eine Hälfte bekam eine Papierversion und konnte den Fragebogen in einem frankierten Umschlag zurückschicken. Die andere Hälfte bekam einen Link (oder QR-Code) zur Online- Umfrage. Das Ergebnis liegt jetzt vor: Der Unterschied in der Rücklaufquote zwischen den beiden Modi sei nicht sehr ausgeprägt (mit leichten Vorteilen für die gedruckte Variante), halten die Forscher des ZDA im 30-seitigen Bericht fest.

Wenig Unterschiede bei der Rücklaufquote

Sie schreiben, dass sich die beiden Unterstichproben bezüglich Repräsentativität in der Tendenz deutlich ergänzen. «Wir kommen zum Schluss», sagt Uwe Serdült gegenüber der AZ, «dass es nach wie vor besser ist, bei Umfragen auch die Option für einen Fragebogen auf Papier zu geben.» Zugleich habe sich gezeigt, dass die online hereinkommenden Fragebogen nicht von schlechterer Qualität seien, in mancher Hinsicht seien sie sogar besser, so Serdült.

Gemäss den Erkenntnissen der Forscher ist die schriftliche Variante repräsentativer für das Geschlecht, für ältere Altersgruppen und Personen mit einem niedrigeren formalen Bildungsniveau. Bei der Online- Stichprobe sei es gerade umgekehrt. Mit einer mageren Ausfüllungsrate von 53 Prozent schneidet die Papierversion bei der Umfrage aber deutlich schlechter ab als die Online- Umfrage mit 84 Prozent komplett ausgefüllten Fragebogen.

Die besten Resultate bringt die Kombination

Befragte, welche den handschriftlichen Fragebogen dem digitalen Pendant vorziehen, tendieren zudem «stärker dazu, sich mit der SVP zu identifizieren, während die Online-Antwortenden häufiger für linke politische Parteien stimmen».

Sobald weitere Variablen hinzugezogen würden, verschwänden die parteibasierten Unterschiede jedoch nahezu, heisst es dazu weiter. Die Forscher kommen zum Schluss: «Insgesamt ergab die Kombination beider Modi eindeutig die repräsentativste Stichprobe.»

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