«Solar Impulse 2»
«Wie eine Klassenfahrt»: ABB-Ingenieurin ist am Piccard-Abenteuer beteiligt

«Solar Impulse 2» – um die Welt nur mit Solarenergie: Am Abenteuer des Flugpioniers Bertrand Piccard nimmt auch eine ABB-Ingenieurin teil. Sie sagt, was das Projekt einzigartig macht und weshalb es für sie ein Riesenerlebnis ist.

Peter Brühwiler
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Über 60 Personen sorgen dafür, dass «Solar Impulse 2» zur Weltumrundung abheben kann – wie hier Mitte März in Indien.

Über 60 Personen sorgen dafür, dass «Solar Impulse 2» zur Weltumrundung abheben kann – wie hier Mitte März in Indien.

key/ho

Am 9. März ist die «Solar Impulse 2» in Abu Dhabi zu ihrer mehretappigen Weltumrundung gestartet. Angetrieben wird das 72 Meter breite Karbonfaser-Flugzeug lediglich von vier mit Solarenergie gespeisten Elektromotoren. Im Tross um die beiden Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg reisen 65 Personen mit, unter ihnen die ABB-Ingenieurin Tamara Tursijan.

Frau Tursijan, wie sind Sie zum Solar-Impulse-Team gestossen?

ABB unterstützt das Projekt mit drei Ingenieuren. Der Chef meiner Abteilung in Turgi hat per Mail angefragt, ob sich jemand bewerben will. Ich habe das getan, und zwei Wochen später war ich bei Solar Impulse in Payerne. Das war im November 2014.

Und nun sind Sie in Nanjing, China. Erleben Sie gerade das Abenteuer Ihres Lebens?

Da ich bei ABB für die Inbetriebnahme von Mittelspannungs-Antrieben zuständig bin, reiste ich auch schon vorher viel um die Welt. Nicht zu wissen, was morgen passiert, war also bereits Teil meines Lebensstils. Aber natürlich ist das Solar-Impulse-Projekt einzigartig und Teil davon zu sein ein Riesenerlebnis.

Ich frage, weil sich der Solar-Impulse-Pilot André Boschberg kürzlich über die Bürokratie in Indien beklagt hat. Deswegen gebe es «auf der Welt keine Abenteuer mehr».

Natürlich gibt es auch Schwierigkeiten, logistischer wie bürokratischer Natur. Aber wir haben für alles Spezialisten in unserem Team. Sowieso fasziniert mich, wie viele unterschiedliche Leute hier dabei sind: von der Krankenschwester über den Anwalt bis zum Piloten. Und alle sind voller Energie, die es ja auch braucht, um das Projekt zu schaffen.

Sie sind Teil der Ground Crew. Was ist da Ihre Aufgabe?

Unter anderem bin ich die Verbindungsperson zwischen ABB und Solar Impulse. In Myanmar beispielsweise hatten wir im mobilen Hangar Probleme mit der Kühlungsanlage, die wir dank dem dortigen ABB-Werk beheben konnten. Weiter ist unser Team dafür verantwortlich, dass an den Etappenorten alles bereit ist: Nach dem Start des Solarflugzeugs packen wir jeweils die ganze Ausrüstung ins Cargo-Flugzeug, fliegen an die nächste Destination und packen dort alles wieder aus.

Wie kann man sich das vorstellen, wie eine grosse Klassenfahrt?

Durchaus. Wir steigen jeweils alle im gleichen Hotel ab und reisen gemeinsam in einem von der Solar Impulse gemieteten Charter-Flugzeug. Von Myanmar aus bin ich Anfang Woche allerdings direkt mit der Cargo-Maschine nach Nanjing im Osten Chinas geflogen, während die Solar Impulse weiter westlich in Chongqing einen Zwischenhalt eingelegt hat.

Mit dabei ist auch immer der aufblasbare mobile Hangar. Steht der jetzt auch in Nanjing?

Nein. In Myanmar haben wir ihn aufgestellt, weil die dortige Infrastruktur nicht ausgereicht hat. Auch auf Hawaii werden wir ihn benutzen.

Solar Impulse auf der Weltumrundungs-Reise
19 Bilder
Solar Impulse auf dem Kalaeloa Airport in Hawaii
Solar Impulse in China
Glücklich nach der Landung: Pilot Andre Boschberg.
Von Maskat gehts weiter nach Indien.
Für Selfies Posieren mit Fans im Oman.
Solar Impulse 2 hebt in Abu Dhabi ab

Solar Impulse auf der Weltumrundungs-Reise

KEYSTONE/EPA FILE/SOLAR IMPULSE/JEAN REVILLARD/HANDOUT

Der Flug von Nanjing nach Hawaii gilt als eine der schwierigsten Etappen.

Der fünftägige Flug über den Pazifik ist eine technische Herausforderung – und auch eine mentale für den Piloten, der während des ganzen Flugs nur jeweils 20 Minuten am Stück schlafen kann.

Und Sie können gleichzeitig den Strand in Hawaii geniessen?

Kaum. Auch wenn wir während der Pazifiküberquerung nicht direkt gefordert sind, bleibt die Anspannung. Wir verfolgen den Flug per Livestream und sind permanent in Kontakt mit der Kommandozentrale in Monaco.

Es ist wohl sowieso schwierig, sich zu entspannen, wenn man weiss, dass das Projekt weltweit mitverfolgt wird. Auf Twitter hat Solar Impulse 44 000 Follower. Sind Sie überrascht vom grossen Echo, das die Weltumrundung auslöst?

Schon. Am eindrücklichsten war es bisher in Indien. Wir haben die Leute eingeladen, vorbeizukommen, und es kamen etwa 15 000. Das war schon überwältigend. Diese Begeisterung zu entfachen, ist ja sowieso das Wichtigste am Projekt. Wir wollen den Menschen zeigen, dass Solarenergie keine vage Zukunftstechnologie ist, sondern unser Leben schon heute verändern kann.

Wie wichtig ist Bertrand Piccard in diesem Zusammenhang?

Er ist sehr leidenschaftlich, wenn es um erneuerbare Energien geht. Und seine Begeisterung wirkt ansteckend. Aber auch kleine Sachen sind ihm wichtig, etwa, dass wir immer unsere Mehrwegflaschen benutzen, um so wenig Abfall wie möglich zu produzieren.